Dracula Untold

ava-1901Oh Dracula und seine vampirische Brut, was wäre der Oktober bei mir doch ohne sie, alleine diesen Monat werden wir die Blutsauger noch gut ein Dutzend Mal zu Gesicht bekommen, und Dracula dabei auch nicht nur einmalig. Doch den Anfang macht Dracula Untold, die neue Origin-Story des Pfählers.

Viel Originalität steckt aber eigentlich gar nicht in Dracula Untold, auch wenn das Marketing einem dies gern Glauben machen wollte. Dracula in einem humaneren und sympathischeren Licht zu zeigen, dies ist sicherlich nicht neu. Eben ihn als Vlad Tepes, der Inspirationsquelle Bram Stokers zu seiner Figur, zu machen und die Pre-Blutsauger-Zeit zu zeigen, ist alles andere als neu. Neu ist nur das er neben einer Frau, die er liebt, und die natürlich eine Reinkarnation haben wird, auch einen Sohn angedichtet bekommt. Tatsächlich ist jener wichtiger in Dracula Untold.

Vlad ist also, so zeigt und der Storyabriss zu Beginn, der zunächst bestechend nach 300 ausschaut und dann in Coppolas Dracula übergeht, als Junge von den fiesen Türken als militärische Superwaffe großgezogen worden, die nur Blutvergießen und Pfählen kennt. Doch nachdem der Prinz in sein Reich Transsylvanien zurückgeschickt wurde hat er sich eine Frau genommen und einen Sohn gezeugt, und wurde zum nettesten Kerl überhaupt. Selbst Gräueltaten macht er nur, um ein Exempel zu statuieren und größeres Blutvergießen zu verhindern, der praktikable Gutmensch.

Doch dann wollen die Türken plötzlich wieder von ihrem Recht Gebrauch machen sich Jünglinge für ihre Armeen zu holen, 1000 davon soll Transsylvanien hergeben, darunter auch den Sohn von Vlad. Ganz praktikabel wie er ist stimmt Vlad zuerst zu, weil dass das kleiner Übel ist, nur um dann doch sich dagegen zu entscheiden, weil er seinen Augapfel von einem Sohn nicht hergeben will und seine Ische ihm genug in den Ohren lag.

Also erklären die Türken ihm den Krieg, den er eigentlich nicht gewinnen kann. Aber glücklicherweise ist Vlad in einem Berg auf einen Verfluchten getroffen, einen Blutsauger mit enormen Kräften, der dort eingeschlossen ist, bis er seine Gabe an jemand anderen weitergeben kann. Vlad beschließt also jener zu sein, um mit den Superkräften im Alleingang die Türken zurückzuschlagen. Doch hey, so ein großes Opfer ist das gar nicht, erklärt ihm der alte Blutsauger, denn wenn er drei Tage übersteht, ohne seinem Durst nach Menschenblut nachzugehen, wird er wieder der ganz normale Vlad Tepes.

Er muss die Türkische Armeen also nur in drei Tagen schlagen, was jeder denkende Mensch für recht unmöglich halten sollte, aber tatsächlich tauchen deren Kommandos immer genau dann dort auf, wo er sie haben will. Zuerst besiegt er tausend Mann direkt vor seinem Schloss, und dann schafft es eine hunderttausend Kopf starke Armee ihn bis in eine Festung in den Bergen zu verfolgen. All das in den drei Tagen, die er nur als Vampir hat. Aber natürlich geht was schief, seine Frau stirbt, Sohn wird entführt, und er trinkt ihr Blut, damit er die Kräfte weiterhin haben und seinen Sohn retten kann. War ja zu erwarten, gell, man weiß ja wie Dracula ausgeht, zumindest soweit als das er ein Vampir bleibt, und bei dem Setup mit Frau und Sohn ist auch ziemlich klar, warum das letztendlich so sein wird.

Anschließend gibt es sogar noch einen kleinen Blick in die jetzige Zeit, wo Dracula auf eine Reinkarnation seiner Frau trifft, weil Dracula Untold das Hintertürchen offen lassen will, in Universals Monster Reboot einsteigen zu können.

Ob dort ein solch weichgespülter Dracula gewollt ist, sei mal dahingestellt. Wenn dem Film nämlich eines fehlt, dann ist das maßgeblich der Biss. Vlad ist hier solch ein Gutmensch und liebender Vater, dass es wirklich kitschig ist. Alle Entscheidungen fallen zum Gute der Anderen und seiner Familie. Seinen unstillbaren Blutdurst hat er plötzlich doch super easy unter Kontrolle. Selbst wenn er als Supervampir Horden an Türken dahin metzelt, gerät er nicht in den Blutrausch auch nur ein Tröpfchen zu trinken. Sich für ewig als Vampir zu verfluchen tut er nur auf ausdrücklichen Wunsch seiner sterbenden Frau hin um seinen Sohn zu retten. Blargh, so ein wenig mehr grau hätte man den Charaktere schon machen können, oder etwa nicht? Einem Filmmonster mehr menschliche Züge zu geben, und mit dem „hey, vielleicht war es gar kein Fiesling“ zu spielen ist sowieso nicht originell, bei Dracula bzw. Vampiren generell sowieso schon mal gar nicht, aber Dracula Untold zieht seinem Hauptcharakter so viele Zähne, dass er selbst bei den Twilight-Vampiren reinpassen würde.

Aber nicht nur dem Vampir an sich fehlt der Biss, sondern dem Film allgemein. Sollte man sehen, weil er mit einer FSK12 durchgekommen ist, aber die Schlachten sind sowas von unblutig und haben so wenig Oompf dahinter, dass es echt seltsam ist für einen Dracula-Film. Wenn dann doch mal brachial die Sache abgeht, ist es so schnell geschnitten, dass man letztendlich auch wieder kaum was zu sehen bekommt.

Von den Logiklücken wollen wir gar nicht erst anfangen, oder? Oder doch? Dass die türkischen Armeen tatsächlich jedes Mal nur einen halben Tag von Dracula entfernt zu sein scheinen, obwohl er ihnen sogar wegläuft statt als Supervampir einfach zu deren Lager zu rennen, ist schon echt seltsam. Dass die Drohung des Meistervampirs im Berg scheinbar nie wieder auf Dracula zurückfällt, bis auf ein ominöses „Jetzt hat es begonnen“ im Flash-Forward in die Jetztzeit zum Filmende ist auch scheinbar ein vergessener Plot-Strang. Wie kommt es, dass Dracula fürs – zugegeben recht coole – Finale die Sonne verdecken kann, davor dies aber nicht tat. Oder das die von ihm gemachten Vampire so viel fieser sind als er.

Dracula Untold macht nicht viel Sinn, Dracula Untold ist auch viel zu weichgespült, hat keine eigene Identität sondern schaut viel zu sehr nach 300 meets Lord of the Rings. Dracula Untold ist aber nicht ganz so schlimm, wie die Kritiken einen glauben machen wollen, sondern nur ziemlich enttäuschend. Das Schauspiel ist allen voran Luke Evans und Charles Dance brauchbar, einige Effekte sind doch gut und vor allem das Finale ziemlich cool. Aber so eine echte Sehempfehlung kann man nun auch wieder nicht aussprechen, denn „nicht so schlecht, wie ich befürchtete“ bedeutet halt immer noch nicht auch „nicht schlecht“.

dracuntold

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