GameGearing: Master of Darkness

ava-1881Der gute e7 hat es bei Panzer Dragoon Mini bereits kommentiert: Ein großer Anteil der Bibliothek des Game Gears scheint aus Spielen vom Master System zu bestehen. Nicht im Sinne von Spinoffs, sondern tatsächlich mehr oder minder getreuen Direktumsetzungen auf den kleinen Bildschirm. Ich hatte ja mal ein Master System als ich ganz jung war, erinnere mich allerdings nicht mehr wirklich an viele Spiele, die ich gehabt hatte, wirklich prägen konnte mich Segas 8biter scheinbar nicht so. Eines, an das ich mich allerdings noch vage erinnern kann, war ein Sidescroller im Viktorianischen England, welches sich nach Sichtung einiger Screenshots als Master of Darkness, auch bekannt als Vampire: Master of Darkness, herausstellte. Wobei besagte Version fürs Master System gegenüber jener auf dem Game Gear wohl nicht in die USA kam.

Tatsächlich bekommt man so ein wenig, und mit wenig meine ich sehr stark, das Gefühl, dass Sega, eine Konsolengeneration bevor Konami wirklich ein Castlevania für sie machte, spezifisch den Auftrag gab „Macht uns ein Castlevania. Aber Nintendo hard? Macht’s Sega harder!“. Master of Darkness spielt sich nämlich sehr wie der fiese Bruder der (damals zumindest noch) Vorzeige-Franchise.

Nett sind definitiv die Textboxen zwischen den fünf Stages, die mit netten Artworks zeigen, was so los ist. Beispielsweise dass in Nächten eines Vollmondes der Vampirfluch umgeht. Oder wie unser komisch benannter Dr. Ferdinand Social mithilfe eines Ouja-Brettes die Nachricht bekommt, dass Dracula dahinter steckt. Statt Peitsche und Barbarenoutfit geht ein Gentleman mit Namen Social natürlich im Anzug und mit… Dolch?… auf die Straßen Londons, um erst Mal Jack the Ripper zu erlegen.

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Das sollte dem Spiel vielleicht ein wenig eigenes Flair geben, aber so wirklich von Castlevania im geringsten unterscheiden tut es sich nicht. 2D-Sidescrolling Action haben wir hier. Mit einem sich steif steuernden Protagonisten. Mit vielen fiesen Gegnern, abgesehen von um sich schießenden Gentleman dann hauptsächlich doch Banshees und Skelettkrieger und Zombies und natürlich allseits nervige Fledermäuse. Nach den Straßen Londons geht es durch Kerker, einen mechanischen Glockenturm, und natürlich Draculas Schloss. Wir haben Subwaffen, die durch das Zerstören von rumhängenden Masken aufgegabelt werden. Hier der einzig kleine Unterschied: Selbiges geht auch mit der Hauptwaffe, die vom Dolch auf einen Degen auf einen Hammer auf eine Axt sich upgraden lässt. Sogar Heilphiolen in zerstörbaren Wänden a la Wall Meat kann sich das Spiel nicht verkneifen.

Alles Klärchen also, hmm? Wer Classic Castlevania spielen wollte, aber nur ein 8bit-System von Sega hatte, der konnte also seinen Spaß mit Master of Darkness haben, oder etwa nicht? Nö, denn so wirklich Spielspaß will bei dem Teil nicht aufkommen, wobei das natürlich auch am klaustrophobisch-kleinen Bildschirmausschnitt des Game Gear liegen kann, und die Version fürs große TV am Master System eventuell zumindest etwas besser ist.

Denn Master of Darkness (Game Gear) fühlt sich einfach unfair an. Natürlich ist auch ein Simon Belmont steif in den Bewegungen. Natürlich hat auch Castlevania jede Menge knackiger Gegner- und Abgrund-Anordnungen. Aber es scheint doch immer ein gewisses spezifisches Design dahinter zu stecken, das wirklich bestreitbar erscheint, und wenn auch erst im Anlauf mit genug Vorwissen auf das Kommende. So wirkt Master of Darkness nie. Der Protagonist ist für das System schön groß und detailliert und auch gut durchanimiert, aber bewegt sich dann eben doch von der Steuerung dazu unpassend steif, scheinen die Waffen nie so effektiv wie die Peitsche der Belmonts, gibt der große Sprite viel zu viel Angriffsfläche. Gegner kommen in viel zu großer Anzahl mit viel zu vielen Bewegungsmustern viel zu schnell aus den Bildschirmrändern geschossen, um wirklich rechtzeitig auf sie reagieren zu können, häufig wird man selbst von einem getroffen, wenn man weiß, was von wo und wann kommen wird.

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Selbst das Leveldesign kommt in den Weg. Die Treppen, auf denen man ja auch berühmt-berüchtigt in Castlevania sehr verwundbar ist, scheinen hier genau so platziert zu sein, dass man grundsätzlich ständig in einen Gegner auf dem nächsten Bildschirm geht, bevor man was machen kann, oder im Versuch des Gegenschlages statt den Gegner zu schlagen anfängt eine Treppe zu nehmen, die in der Nähe war. Natürlich hängt es Masken, die ein Waffen-Downgrade offerieren, gern genau da hin, wo man sie fast nicht nicht aquirieren kann. Der Aufbau der Level scheint zudem nie organisch oder wirklich Sinn zu ergeben, man stolpert nur von einem Bildschirm in den nächsten, bis das Stage endlich beendet ist, wenn der Ausgang nicht hinter zerstörbaren Blöcken verborgen bleibt.

Master of Darkness ist leider viel zu beschäftigt damit, Look und Design von Castlevania zu kopieren, ohne dabei den Feel, den Spielfluss, und vor allem das wirkliche Gamedesign dahinter zu verstehen. Stattdessen wirkt es wirklich wie ein billiger, unfairer, stümperischer Abklatsch. Wie ein schnell zusammengeworfener Bootleg, nicht wie ein professionelles Produkt.

Aber hey, schön ist’s! Wie gesagt sind die Sprites groß, der des Protagonisten gut animiert, die Hintergründe haben auch viel Detail und hier und dort eine Animation, und die Bilder zu den Textboxen sind ebenso nett. Man war sich eben bei Sega schon bewusst, dass Master System und Game Gear ihrer jeweiligen Nintendo-Konkurrenz zumindest technisch überlegen war. Zu schade das sich dabei Master of Darkness spielerisch so viel tiefer einzureihen genug ist.

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3 Kommentare

  1. Game Gear und Master System waren technisch scheinbar tatsächlich nahezu identisch, was die vielen Titel auf beiden Systemen natürlich logisch erscheinen lässt.

    Ich wollte für Master of Darkness auch mal mein Master System anwerfen. Mich würde interessieren, ob die von dir genannten Schwächen in der Konsolenversion auch so negativ auffallen. Beziehungsweise ob das Spiel nur aufgrund meiner mangelnden Disziplin auf dem Backlogstapel liegt, oder aufgrund der mangelnden Qualität :D

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    • Wie gesagt, zumindest der Bildschirmausschnitt in der MS-Version ist schon mal größer, von daher kommen die Gegner, die von Off Screen auf einen zurennen, vielleicht nicht mehr ganz so unavoidable daher :D Ich kann mich zwar nicht dran erinnern, damals über das erste Stage hinaus gekommen zu sein, aber Anfang der 90er war ich ja auch… jünger :D

      Antworten
      • Ich war immerhin mal in Stage 2 :D Aber das war noch bevor ich das erste Castlevania gemeistert hatte, von daher bin ich mal gespannt, wie ich mich jetzt in Master of Darkness schlagen würde.

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