Secrets Can Kill

ava-1860Beim Blogeintrag zu Frogwares ersten Sherlock Holmes Adventure, Mystery of the Mummy, habe ich geschrieben, dass dies eine Franchise ist, die es schafft, seit Ewigkeiten beständig Spiele rauszuhauen und am Leben zu bleiben, obwohl sie im Kopf der meisten Spieler absolut keine Präsenz hat. Wenn es aber wirklich um Adventure Games geht, die enorm fruchtbar sind, aber keinem Gamer wirklich einfallen würden, dann ist da die wahre Königin die Nancy Drew Mystery Franchise von Her Interactive. Nancy Drew an sich ist eine mittlerweile Multimedia-Franchise von Detektivgeschichten für Mädels, die seit fast hundert Jahren bestand hat und ursprünglich auf Bücher beschränkt war. Her Interactive hat seit der Jahrtausendwende über 30 vollwertige Adventures darauf basierend im Halbjahresabstand auf den Markt gebracht.

Man sollte meinen die würden sich ob des Zielpublikums auch geradezu dazu anbieten auf Konsolen, Handhelds, und Smartphones portiert zu werden, aber tatsächlich ist das nur bei wenigen der Fall, die meisten sind echt PC-exklusiv. Die ersten paar Adventures sind sogar Discontinued, weil sie auf modernen PCs nicht mehr laufen, sie mit denen kompatibel zu machen scheint also auch keine Priorität bei Her Interactive zu haben, weil sie dann vielleicht doch nicht genug für abwerfen. Vielleicht auch aus Erfahrung, denn den allerersten Fall, Secrest Can Kill, haben sie in 2010 als Remastered-Version erneut rausgehauen, damit es auch problemlos auf modernen Windows läuft, danach aber keine anderen nachgelegt, von daher hat es sich eventuell echt schlicht als unprofitabel herausgestellt.

Jedenfalls habe ich dieses erste Abenteuer der jungen Hobby-Detektivin mal gespielt. Und war doch überrascht. Man merkt zwar, dass das Ding auf Budget und Zeit produziert wurde, denn sonderlich lang, umfangreich, oder hübsch ist es nicht, aber dennoch ist es eben überraschend Adventure-Game-y, bei der Zielgruppe eher jüngere Mädels würde man doch vielleicht davon ausgehen, dass das Ding etwas simpler und einfacher geraten ist.

Es geht um einen Mord an einem Schüler in einer High School. Die Welt besteht dabei aus dem Haus der Großmutter (2 Räume), einem Diner (erneut 2 Räume) und natürlich der High School, in denen insgesamt sage und schreibe 5 Charaktere existieren. Übersichtlich ist das Ding also schon. Aber wie gesagt werden die Dinger auf einem Budget im Halbjahresrhythmus rausgehauen, zudem ist dies hier das allererste in der Reihe. Ist übrigens sehr Myst-ish, mit vorgerenderten Bildschirmen, durch die sich geklickt wird. Auch vom Detail her ungefähr auf dem Stand vom ersten Myst.

Das Ding kann also schon alleine wegen der kleinen Spielwelt und den wenigen Rätseln in ein paar Stunden beendet werden, was aber nicht bedeutet, dass Secrets Can Kill per se einfach ist. Das Ding ist sogar überraschend Adventure-Game-y in seiner Machart. Die Kombination zu einem Safe ist da schon mal im griechischen Alphabet und die zum Heizkeller in Braille(!) gehalten, auch wenn es keinerlei Sinn ergibt, warum das einer so machen würde. Zu allen Rätseln gibt es übrigens auch kleine Hints, die an den gefühlt hundert Infotafeln, Pinnwänden und Postern in der Schule zu finden sind, und schlichtweg rückwärts geschrieben wurde oder so. Auch wenn hier erneut sich die Frage stellt, wer jene warum dort anbringen würde. Besonders das finale Puzzle, dessen Lösung in der Periodentafel steckt, und für die ein gutes Dutzend kleiner Hinweise überall versteckt geschrieben gefunden werden müssen, ist nicht nur knackig genug, um aus oldschool Sierra zu stammen, sondern erneut nicht sonderlich logisch, warum die Hinweise wie zufällig in die Ecken von Postern und Aushängen gekritzelt sein sollten, die jederzeit ausgetauscht und abgehängt zu werden drohen.

Und in jede Ecke, jeden Winkel, auf jeden Hotspot zu klicken ist essentiell, nicht nur für die Hints zur Periodentafel, sondern auch weil man vielleicht den einen Event Trigger findet, durch den einer der fünf Charaktere endlich nach einer neuen Unwichtigkeit befragt werden kann, welches wiederum eine damit nicht zusammenhängende wichtige Information bei einem anderen Charakter triggert. Überhaupt sind die Dialoge erneut recht interessant, denn zum einen sind sie mit genug Randdetails angereichert, damit man einen guten Sinn dafür hat, was für eine Type man vor sich hat, auch wenn sie die üblichen Klischees erfüllen, gleichzeitig aber so abgehackt und Stichpunkt-durchgerattert geschrieben sind, um künstlich und eben extrem Adventure-Game-y zu wirken. Sie lassen Nancy Drew auch nicht sonderlich sympathisch oder wie eine gute Detektivin wirken, da sie, sobald sie etwas über jemanden herausgefunden hat, ohne jegliche Sensibilität oder Subtilität beim nächsten Gespräche mit jenem Charakter dies unverblümt direkt ansprechen lässt – ja, inklusive alle einfach geradeheraus zu fragen, ob sie der Killer sind. Zum einen bekommt man so nicht unbedingt bereitwillige Informationspartner, sondern droht auch sein Cover (Nancy investigiert unter dem Deckmantel einfach eine neue Schülerin zu sein) zu zerstören.

Nancy Drew: Secrets Can Kill ist definitiv ein interessantes Erlebnis gewesen, aber weniger wegen dessen Inhalts, sondern mehr weil es doch anders war, als ich erwartet hatte. Krimis für junge Mädchen = Wegwerf-Shovelware ohne Sinn und Verstand, kaum einen Schritt über einem Smartphone-Hidden-Object-Game oder so? Dies trifft nicht zu, Secrets Can Kill ist schon ein klassisches Adventure Game. Aber dennoch als solches etwas unspektakulär, weil dann vielleicht doch etwas zu kurz und simpel, von der Handlung her nicht herausragend spannend, dann aber von den Puzzeln her doch überraschend antiquiert idiosynkratisch.

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