Big Bang Love, Juvenile A

ava-1846Wenn ich den Namen Takashi Miike höre, denke ich entweder an super brutale Gangster- oder Horrorfilme, wie er zu Beginn seiner Karriere machte, oder an absolut Familienfreundlichen Mainstream, mit dem er in den letzten Jahren sein Geld verdient. Big Bang Love, Juvenile A passt das in keines der beiden Schema, sondern macht seinem etwas umständlichen Namen Ehre, ist ein ruhiger Arthouse-Streifen. Aber wenn man gut hundert Filme gemacht hat, ist ja eigentlich zu erwarten, dass darunter so ziemlich alles zu finden sein kann.

Der Film beginnt mit einem Kerl, der wild von der Leber darüber philosophiert, dass man die Erde von vor X Millionen Jahren sieht, wenn man sie aus einer Distanz von X Millionen Lichtjahren betrachtet (was stimmt, aber für den Film absolut unnötig ist). Dann redet ein Alter zu einem Jungen über ein Mannwerdungsritual in den Tropen, das nicht gerade subtil impliziert, dass es daraus besteht, dass ein viraler Erwachsener Kerl Sex mit dem heranwachsenden Pubertären hat. Unterbrochen von einem expressionistischen Tanz eines Tätowierten. Und schon denkt man sich innerhalb der ersten zehn Minuten des Filmes, dass dies hier eine ziemlich undurchsichtige Fahrt werden wird, bei der man im Zweifelsfall keinen Durchblick haben wird.

Damit ist man allerdings einer absoluten Fehleinschätzung unterlegen, denn Big Bang Love, Juvenile A ist eigentlich ein ziemlich geradliniger und einfacher Film was die Handlung angeht, wenn man ein wenig faux-philosophisches Gewäsch hier und dort ausblendet, lediglich die Visualisierung Miikes ist sehr Arthouse. Da steht das Gefängnis, in dem der Film spielt, schon mal direkt neben einer ruinierten Maja-Pyramide, die angeblich zum Himmel (wie im religiösen Sinne) führt, und einer alten Shuttlerakete, die angeblich ins All führt. Und da der eine unserer beiden Hauptcharaktere sich für den Himmel, der andere für den Weltraum entscheiden würde, soll diese Symbolik sicherlich auch was aussagen, aber fragt mich nicht was, ich bin mir nicht mal sicher das es wirklich wichtig ist, abgesehen von der Erkenntnis, dass beide unterschiedliche Richtungen antreten würden. Dass Ariyoshi in – von den Blutspritzern abgesehen – komplett weißer Kleidung eingeliefert wird, wo er doch eigentlich nur aus Notwehr gehandelt hat, ist sicherlich ein weiteres Symbol. Genau wie der blauer Schmetterling, den Kazuki beim ersten Treffen um ihn herum schweben sieht. Das ganze Gefängnis selbst ist ein surrealer Ort, da die einzelnen Räume eher wie halbfertige Bühnenbilder präsentiert sind, statt wie echte Räumlichkeiten. Aber wie gesagt, dies macht den Film hauptsächlich optisch interessant, letztendlich ist es für das Verständnis der transportieren Story aber weder nötig, noch unnötig verkomplizierend.

Big Bang Love, Juvenile A dreht sich um die beiden am gleichen Tage ins Gefängnis eingelieferten Kazuki und Ariyoshi. Ariyoshi arbeitete in einer Schwulenbar, wurde von einem Kunden vergewaltigt, und brachte ihn daraufhin um, allerdings auf so brutale Art und Weise, dass er dafür dennoch in die Besserungsanstalt kam. Der in Armut aufgewachsene und schon als Kind geschändete Kazuki hingegen ist Wiederholungstäter, war er doch bereits für die Vergewaltigung der Frau des Gefängnisleiters inhaftiert, nun ist es ein nicht weiter spezifizierter Mord. Ariyoshi ist introvertiert, Kazuki hingegen fängt gern Schlägereien mit allen an, egal ob andere Insassen oder Werter, jedoch häufig scheinbar, um die Aufmerksamkeit von Ariyoshi zu lenken, ihn zu beschützen. Während Ariyoshi es nicht lassen kann, nachts den verschwitzten Körper von Kazuki sehnsüchtig zu bewundern.

Doch wirklich beginnen tut der Film damit, zumindest wenn der eigentliche Film beginnt, also nach dem Tanz, dass Ariyoshi über den toten Kazuki gebeugt ist, meinend er habe ihn umgebracht. Der Rest sind Flashbacks darüber, warum die beiden einsitzen, wie die beiden miteinander agiert haben, beide eindeutig aneinander interessiert, aber doch nicht darauf reagierend, und wer denn alles Kazuki weswegen umgebracht haben könnte, denn schnell ist klar, dass es da ziemliche Ungereimtheiten gibt, trotz des Geständnisses von Ariyoshi.

Was also super schräg ausschaut, ist letztendlich eine recht gewöhnliche Mordermittlung, nur in einem Arthouse-Gefängnis, in dem homosexuelle Töne an der Tagesordnung stehen. Und ich mochte den Film deswegen. Ich mag die hübsche und andere Inszenierung, aber eben weil die Handlung dennoch immer verständlich bleibt, wirkt das ganze nicht unnötig prätentiös und selbstverliebt, wie ich dies zunächst befürchtet hatte. Wie gesagt, ein wenig merkwürdige Philosophiererei und Symbolik, die vielleicht was bedeutet oder auch nicht, kann sich der Film auch nicht verkneifen, aber das ist ja auch nicht so ganz un-japanisch, und letztendlich nimmt es dem Film auch nichts.

bigbanglove

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