Whispering Corridors: Part Un

ava-1836Als ich vor gut 10+ Jahren voll mit dem Rest des Landes auf der J-Horror-Welle schwamm, und auch so ziemlich alles, was halbwegs aktueller ostasiatischer Supsens-Horror war, lizenziert und auf DVD verwurstet zu werden schien, flog mir auch ein Film mit dem Namen Memento Mori ins Haus, der überraschend mehr Drama denn Horror war, auch wenn er als solcher vermarktet wurde. Was ich auch sehr schnell herausfand ist, dass dies der zweite Film in einer ganzen koreanischen Franchise ist, die damals bereits drei Filme zählte. Mittlerweile sind deren sogar fünf, und wir schauen sie uns mal alle an.

Zusammenhängen tun die Filme eh nicht, sondern sind lediglich verbunden über das Thema der an Mädchenschulen umgehenden Geister. Und zentral steht meistens ein Mädchen-Duo, die beste Freunde oder mehr sind. Im Falle von Whispering Corridors wären das die medial begabte Ji-oh und Mauberblümchen Jae-yi, wobei aber auch die junge Lehrerin Eun-young wichtig ist, da sie selbst als Schülerin auf der Schule die beste Freundin des gestorbenen Mädchens war, die nun als Geist die fiesen Lehrer umbringt.

Genau genommen ist auch Whispering Corridors nur im Opener und dann aufs Finale wieder so richtig Geister-Horror, dazwischen mehr Schuldrama und Sozialkritik am (damaligen) koreanischen System. Wenn alles was zählt der Erfolg ist, nicht die Mittel die dorthin geführt haben. Wenn man über Missstände nicht zu reden hat, weil es ein schlechtes Licht auf alle wirft. Die Lehrer in Whispering Corridors sind ständig verbal und punktuell auch physisch am Drangsalieren der Schüler, einer schreckt nicht mal vor sexueller Belästigung zurück. Und alle bekommen es mit, aber es ist halt diese „was soll man schon tun, es ist halt so“ Stimmung gegenwärtig. Ein Mädchen bringt sich auf Grund des Leistungsdrucks um, ein anderes meint sobald sie es auf die beste Uni geschafft hat wird sie eh nie wieder lernen, weil davon einen Abschluss zu haben ist eh ein goldenes Ticket, über die genaue Leistung schert sich keiner mehr, es zählt nur die Reputation auf ihr gewesen zu sein.

Von daher ist Whispering Corridors ein echt guter und cleverer Titel für den Film. Abgesehen davon, dass er sowieso Interesse weckt, wenn man ihn hört. Denn er kann sich gleich auf drei Dinge beziehen: Das Flüstern des Geistes nachts in den Schulgängen, das Tuscheln der Schülerinnen unter sich, und natürlich die „hush hush“-Attitüde zu den Missständen in der Schule.

Weniger clever ist die Geistergeschichte an sich. Letztendlich war es nur ein „meine beste Freundin hat mich (scheinbar) verraten, und ich bin bei einem Streich ums Leben gekommen, jetzt suche ich die Schule heim“ Sache, mehr oder minder zumindest, ohne große Besonderheiten. Außerdem will der Film es zu einer großen Überraschung machen, welche der Mädchen wirklich der Geist ist, macht es aber knapp eine halbe Stunde im Film schon sehr offensichtlich. Ich mein, sobald der zweite Flashback auf ihre Schulzeit gezielt nicht ihr Gesicht zeigt, ist das die erste rote Flagge dahingehend, dass es eine Überraschung sein soll, wer sie wirklich ist, und die beiden offensichtlichen Mädels nur rote Herringe sind. Wenn dann ein Teenie-Mädel auch noch meint, sie hätte das Malen vor langer Zeit aufgegeben, ist klar, dass damit ihr Tod vor 10 Jahren gemeint ist, und schon wissen wir, wer der Geist ist.

Und das nimmt einem Film, der seinen Geist sowieso nur direkt zu Beginn und dann wieder gegen Ende jemanden umbringen lässt, und zwischendurch stattdessen Schuldrama auffährt, irgendwie dann noch den letzten Rest an Spannung. Zumal der Geist zwar mordet, aber dies nie sonderlich unheimlich aufgezogen ist. Da ist dann der erste Whispering Corridors wirklich etwas blah geworden.

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Auch Mememto Mori hat praktisch gleich drei Hauptdarstellerinnen: Sportlerin Shi-eun und die reife Hyo-shin, die eine Beziehung miteinander führten, aber in letzter Zeit die Bindung gebrochen haben, und dann deren Mitschülerin Min-ah, die das gemeinsame Tagebuch der distanzierten Liebenden findet und so nachlesen kann, wie sich das alles entwickelt hat.

Das geht auch hier übrigens eine gute Stunde so, mit mehr oder minder Schulalltag der Mädels, ihren Querelen untereinander, und die wachsende und brechende Liebe zwischen den beiden Mädels, sowie eine Beziehung zu einem Lehrer und der zu erwartenden Schikane, wenn rauskommt, dass zwei Mädels an einer koreanischen Mädchenschule Lesben sind. Erst nach der Hälfte des Filmes stürzt sich eine der beiden vom Dach und selbst dann dauert es wie gesagt noch mal zehn Minuten, bis zur Stundenmarke wirklich die Geisterscheinungen anfangen und der Film einen Gang hoch schaltet, nun endlich raus kommt, was wirklich Schlimmes geschehen ist. Für die finalen 15 Minuten schaltet er dann noch mal komplett hoch, in dem der Geist die komplette Schule in schiere Panik versetzt.

Macht Memento Mori zum spannenderen Film, schon alleine weil mehr abgeht, gerade eben auf jenes Finale hin, und auch weil er besser inszeniert ist, vor allem auch was die tolle Begleitmusik angeht. Dennoch sollte man sich natürlich bewusst sein, dass die Sache mit dem Geist eher eine Begleiterscheinung ist, schon mal gar nicht unheimlich wird, und es immer noch ein sehr langsamer Film bleibt, gerade eben auf seine erste Stunde, der wesentlich mehr aufs Drama der Geschichte setzt. Und man muss ein wenig aufpassen, denn die Dinge sind nicht chronologisch erzählt, sondern springen gern in den Flashbacks kreuz und quer durch die Timeline, ohne immer gute Indizien zu geben, wo wir jetzt genau sind. Ehrlich gestanden hab ich selbst nicht ganz verstanden, warum der Geist dann letztendlich beschwichtigt ist.

Whispering Corridors ist eben eine Serie, die stark von urbanen Mythen geprägt sind. Jene Gruselgeschichten, die sich auf (ostasiatischen?) Mädchenschulen gern erzählt werden. Von wegen „da gab es mal vor X Jahren ein Mädchen, die hatte tragische Geschichte Y, kam ums Leben, und haust nun in der Toilette, um dich beim Pinkeln zu erschrecken“, nur das die Whispering Corridors eben das Miterleben jener Geschichte ist, die erst zur düsteren Legende geführt hat.

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