Dicing Knight Period

ava-1832Ein weiteres Spiel vom WonderSwan Color, und eines das einige Dinge mit Judgement Silversword gemein hat. Nicht das Genre oder der Macher, aber die Veröffentlichung. Denn auch dieses Spiel startete als WonderWitch-Homebrew, welches einen Wettbewerb für solche gewann, und deswegen ein offiziell-kommerzielles Release bekam. Und auch dieses Spiel ist erst im Frühjahr 2004, Monate nachdem die Produktion des Handhelds eingestellt wurde, erschienen, und somit eines der spätesten und rarsten Releases.

Dicing Knight. (wie bei .hack spricht man den Punkt mit aus, diesmal als „Period“) ist dabei etwas umfangreicher als ein Shmup wie Judgement Silversword oder ein Puzzler wie Gunpey EX, denn hierbei handelt es sich um ein Action-RPG. Mit ganz wenig Betonung auf dem RPG. Eigentlich ist es eher ein kurzweiliger und fast Arcade-iger Kerkerkriecher mit ganz viel Action und ganz wenig Statusanzeigen.

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Besonders ist hier, dass die Dungeons zwar beim ersten Betreten randomisiert ausgewürfelt werden, dann aber ihr Layout beibehalten, es sei denn man würfelt manuell erneut aus oder besiegt den Boss. Man kann sich also mit der Zeit den Weg merken bzw. hat ihn auf der Karte verzeichnet. Auch muss der Boss auf dem tiefsten Stockwerk gar nicht unbedingt besiegt werden, um das nächste frei zu schalten, sondern dies geschieht basierend auf dem erreichten Score. Hängt man also an einem Boss fest, kann sich auch erst mal die Zeit im bereits folgenden Verlies vertrieben werden. Weitere Besonderheit der Bosskämpfe: Sie stehen unter einem Timer, schafft man sie nicht rechtzeitig, fliehen sie und man wird aus dem Dungeon geschmissen.

Genau genommen hat nämlich Dicing Knight Period einen Einschlag von Roguelike. Die Kerker sind Zufallsgeneriert (Anzahl an Stockwerken ist aber fix), es gibt einen Hungerwert der beständig sinkt, und wenn man egal ob erfolgreich oder nicht aus dem Dungeon raus kommt, steht man genauso stark da wie vorher. Fast zumindest, denn eigentlich gibt es bei Dicing Knight Period kaum einen Charakterfortschritt. Ein traditionelles Level gibt es nicht, und das Spiel kennt zwar EXP, die sind aber eher ein High Score wie gut der letzte Besuch im jeweiligen Dungeon gelaufen ist. Ein höherer Wert schaltet lediglich einen von bis zu zehn Slots frei, auf die Orbs gelegt werden können, die diverse Boni wie mehr HP, EXP, Angriffskraft oder langsameres Verhungern geben, aber erst über Lotterietickets, die (hauptsächlich) von den Bossen hinterlassen werden, erspielt werden müssen. Im Gegensatz zu einem „echten“ Roguelike bleibt halt hier das ausgewürfelte Layout bestehen, und man kann vom zuletzt erreichten Stockwerk wieder einsteigen, also im Prinzip einen Fortschritt besser erzwingen.

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Damit man übrigens nicht ganz wild uns Ziellos mit dem Schwert um sich schnetzelt, gibt es hier auch noch eine Leiste für die Spezialattacken, die besonders für die Bosse wichtig sind, um sie rechtzeitig zu erlegen, und die sich langsam nach und nach füllt, wenn man gegnerische Attacken mit dem Schild abwehrt. Dazu kommen noch Magien der Gegner, die in bester Bullet-Hell-Manier in Linien und Fächern durch die Räume fliegen, und richtiges Blocken wird auch mit der Zeit echt wichtig, da man nicht gerade viele Treffer einstecken kann. Wenn man das nicht gut im Auge hat, dann liegt einem die kleine Kämpfern schnell mit einem Faceplant am Boden und der Ergebnisscreen des gescheiterten Kriechgangs wird einem gezeigt. Es überrascht zumindest nicht ganz zu erfahren, dass die Gruppe, die hinter Dicing Knight Period steckt, ansonsten scheinbar hauptsächlich Shmups gemacht zu haben scheint.

Zusammen mit einer quasi nicht existenten Handlung, zumindest wenn es um ingame Text geht, macht das Dicing Knight Period eben zu einem ziemlich flotten, aber durchaus in Etappen launigen Spielchen für zwischendurch, das man halt sehr Arcade-mäßig hier und dort mal eine Runde spielt, egal ob man nun in einem Dungeon es bis zum Boss schafft und jenen sogar besiegt bekommt, oder nicht, und bei einem besseren High Score gibt es vielleicht sogar einen neuen Slot zur marginalen Charakterverbesserung. Das ist vielleicht auch gleichzeitig der Nachteil des Spieles: Was zunächst noch launig ist, wird bei späteren Dungeons, die länger und härter werden, dann doch zu ermüdenderen Spielsessions. Besonders auch in den Bosskämpfen, die schnell nur noch nerven.

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Die Dungeon sind übrigens alle nach berühmten Drachen/Schlangenwesen benannt: Lindwurm (altdeutsch-generisch für Drachen), Shooting Star (Record of Lodoss War? Yu-Gi-Oh? Warum nicht Leviathan oder Yurlungur?), Jabberwocky (der aus Alice im Wunderland), Quetzalcoatl (aztekische Gottheit, die häufig als gefiederte Schlange dargestellt wird) und zum Schluss Jörmungandr (besser bekannt als Midgardschlange). Und davon leicht inspiriert sind die Bosse auch. Abgesehen von Jürmungandr, wo sich ein Mädel entgegen stellt, Prinzessing R’lyeh. Anschließend gibt’s mit Ouroborus noch ein Bonus-Dungeon mit 999 Stockwerken und einen Magie-nutzenden Bonuscharakter.

Der Name Dicing Knight kommt übrigens daher, dass ja wie gewohnt bei solchen Spielen hinter allem der Wurf eines Würfels steckt, der entscheidet wie viel Schaden man genau austeilt und kassiert, oder um wie viele HP geheilt wird. So auch in diesem Spiel, nur dass man das hier auch visualisiert bekommt. Bei jeder Attacke, bei jedem Feindestreffer, bei jedem Trankeinsatz fallen kleine Würfel zu Boden, die einem zeigen, wie gut man gerollt hat. Ist schon ganz charmant.

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