In fake-soviet Gaming-Russia, paper reads you

ava-1831Ich habe mal ein paar Spiele von Lucas Pope gespielt, namentlich sein bekanntestes Werk Papers, Please. Stattfindend in 1982, in einer fiktiven Region des Kalten Krieges, inspiriert vom geteilten Deutschland und dem Ostblock, übernimmt man die Rolle eines Bürgers, der von der Regierung an einen neuen Grenzposten stationiert wird, wo er die Pässe der Einreisenden kontrollieren muss.

Essentiell ist Papers, Please dabei ein Puzzle-Game, nämlich ein „finde die Fehler“ Bild, nur komplizierter, da in Form von übertrieben bürokratischem Papierkram. 30 Tage geht das Spiel, und natürlich wird der Arbeitsaufwand beständig mehr, damit das Puzzle schwerer wird. Zunächst gibt es nur zwei Dinge abzugleichen: Jeder muss seinen Pass vorzeigen, Einheimische dazu ihren Personalausweis, Ausländer eine Einreisegenehmigung. Nun drauf achten, ob das Bild aussieht, wie derjenige, der einem gegenübersteht, ob das Geschlecht stimmt, die ID-Nummer sowie der Name auf beiden Dokumenten gleich ist, und ob das Datum nicht bereits abgelaufen ist, bei Ausländern noch, ob ihr genannter Einreisegrund und -zeitraum mit denen auf der Genehmigung übereinstimmen. Ist alles Klärchen, bekommen sie einen Erlaubnisstempel, ist dem nicht so, ein Ablehnstempel drauf gedrückt, und weiter in der Schlange, der Nächste bitte. Das Ganze geht dabei unter Zeitdruck, da ein Tag ja nur so lange geht, und man wird nach (erfolgreich) abgehandelten Personenzahlen bezahlt. Und die Familie im neu zugeteilten Heim würde schon gern neben der Mietzahlung auch noch was über haben, um etwas zu Essen zu kaufen, oder in den kalten Nächten zu heizen.

Zunächst ist das noch relativ simpel, vor allem wenn man bemerkt, dass es nicht schadet, der Familie nur abwechselnd Essen und Heizung zu geben, statt beides jeden Tag ausgeben zu müssen. Und wenn man einen Spickzettel hat, denn es ist schon recht praktisch, alle nötigsten Informationen auf einer Übersicht zu haben, statt sie im ingame Regelbuch nachzuschauen. Welche Städte in welcher Region dürfen Pässe ausstellen und was sind die offiziell gültigen Siegel.

Denn gegen Ende müssen auch noch Daten auf einer Arbeitsgenehmigung stimmen, Fingerabdrücke genommen oder Körperscans vollzogen werden, gibt es Ausnahmeregelungen für Diplomaten und Asylbewerber, bekommen gewisse Regionen wegen Terrorgefahr oder Epidemien stricktere Regeln auferlegt oder eine allgemeine Einreiseverweigerung. Und es gibt kleine Nebengeschichten. Lasse ich die Untergrundkämpfer einer Rebellengruppe trotz falscher Papiere durch, damit sie das Regime stürzen können? Lasse ich die Freundin des Wachtpostens durch, damit die Liebenden vereint sind? Lehne ich die zur Prostitution gezwungene Frau ab, um ihr zu helfen, obwohl ihre Papiere stimmig sind? Verdiene ich etwas Extra, in dem ich Leute nicht einfach nur die Einreise ablehne, sondern sie den Wachen überliefere? Über solche den Arbeitsalltag auffrischende kleine Randsachen macht man sich schon wesentlich mehr Gedanken, als um die Familie zu Hause, die man nie zu sehen bekommt.

Enden gibt es dann auch noch 20 Stück, je nachdem, wie sich der Spielverlauf gestaltet, wobei zu jeder Zeit an jeden bereits gespielten Tag des Save Files neu eingestiegen werden kann, also nicht unbedingt komplett von vorn gespielt werden muss, um ein weiteres zu bekommen.

Ich muss sagen beim ersten Anspielen gefiel das Spiel mir überhaupt nicht. Langweilig-umständliches Überprüfen von virtuellen Papieren für Pixelcharaktere schien mir kein Spaß zu sein. Es ist aber so, dass Papers, Please tatsächlich ein gewisses Suchtpotential hat, wenn man am Ball bleibt. Wenn man ein oder zwei mal von vorne begonnen hat, und nun etwas besser im Überblick ist, worauf man bei den Papieren genau achten muss. Tatsächlich spielt es sich besser in größeren Sessions statt in kleinen Parts, weil man so besser im Tunnelblick für die Dinge drin bleibt, die Augen automatisch auf die richtigen Stellen gehen, eine Routine darin haben, in welcher Reihenfolge man am Besten was abgleicht. Immer wenn ich eine Pause eingelegt und das Ding wieder aufgegriffen hatte, war ich erst mal merklich langsamer im Abgleichen, übersah ich so dumme Kleinigkeiten wie das Geschlecht zu überprüfen oder die aktuelle Liste an gesuchten Kriminellen zu referenzieren.

Das ist wohl auch das einzige Problem des Spieles. So interessant es ist, dass es monotonen Papierkram wirklich zu einem unterhaltsamen Puzzler verwurstet, so sehr die Grafik und Musik die Sowjet-Atmosphäre unterstützt, so sind 30 Tage eben vielleicht doch etwas arg lang und wird der Papierkram gegen Ende doch etwas arg viel. Ich schaute zumindest schon so ab Tag 20 dem Ende entgegen.

Die GoG-Version kommt übrigens mit zwei kostenlosen Flash-Games von Lucas Pope, die er für Ludum Dare programmiert hat, ein alljährlicher Wettbewerb, zu dem jeder innerhalb von 48 Stunden ein Spiel klöppeln und einreichen kann.

Kein so großer Fan war ich von 6 Degrees of Sabotage, in dem zufällig aus einer Menschenmenge ausgewürfelt wird, welche sechs Leute an einem Bombenanschlag beteiligt waren, und man nun an den Überwachungsvideos sehen muss, welche das sind, um sie in der Panik gegen Ende zu erschießen. Das Ding war mir zu schwer, vor allem auch am Ende, wenn man zu einfach Zivilisten trifft, statt die eigentlichen Übeltäter.

The Republia Times hingegen ist auch ganz interessant, und Papers, Please nicht ganz unähnlich. In einem totalitären Staat ist man als Chefredakteur einer Tageszeitung eingesetzt worden – die Familie derweil wird vom Regime gefangengehalten. Ihr wird es nur gut gehen, wenn man über die nächsten ca. 10 Tage auch nur Artikel in die Zeitung aufnimmt, die dem Führer gefallen. Also diejenigen, die die Regierung und dessen Oberhaupt in ein gutes Licht rücken. Gleichzeitig soll den Mist natürlich auch jemand lesen, also auch Klatsch und Wetter rein, welches zwar die Loyalität der Bevölkerung nicht steigert, aber die Leserschaft ausweitet. Dann mischt sich auch hier eine Rebellengruppe ein, die wollen, dass eine möglichst hohe Leserschaft die Loyalität zur Führung verliert, damit sie das Land übernehmen können.

Auch hier auffällig: Das Spiel ist schwer. Ganz wie in Papers, Please wird der erste oder auch zweite Versuch sicherlich noch nicht erfolgreich sein, da man erst mal ein Gefühl für das Spiel bekommen muss. Sicherlich ist das hier wesentlich einfacher, es gibt täglich nur eine Hand voll Artikel zu Auswahl, nur so viel Platz auf der Titelseite, und so hat man ziemlich schnell ausgetüftelt, welche Artikel in welcher Größenordnung und Kombination gut für eine steigernde Leserschaft und Erhöhung/Fall von Loyalität sind. Das Puzzle hier hat halt nicht so viele Bausteine. Doch führt die extreme Kürze des Spieles dazu, dass man eigentlich die Ziele so gut wie nicht erreichen kann, wenn das Spiel einem endlich sagt, dass man bis Tag X was tun soll, sondern mit Vorwissen schon etwas vorarbeiten muss. Genau wegen der Kürze ist man natürlich schnell wieder eingestiegen und dies deswegen wieder nur ein marginaler Schmerzensgrund.

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