Judgement Silversword

ava-1822Mehr Shmup-ing auf Handhelds, diesmal aber eines für den von Bandai. Die bekanntesten Spiele für den mäßig erfolgreichen Japan only Handheld WonderSwan und dessen Color Nachfolger, die von 1999 bis 2003 liefen, scheinen jene zu sein, die nicht für ihn exklusiv sind. Squaresofts Remakes von Final Fantasy I, II und IV, Front Mission, Makai Toushi SaGa und Romancing SaGa. Riviera: The Promised Land von Sting. Alle bekannt in ihren anderen System-Releases. Neben natürlich zahlreichen Spielen zu bekannten Anime, weil Bandai da schon immer die Lizenzrechte dran hatte. Aber wie gesagt, ist ja nicht so das der Handheld je in den Westen gekommen wäre. In Japan gab es zunächst sicherlich etwas Hype, immerhin ist das Gerät von Game & Watch und GameBoy-Erfinder Gunpei Yokoi konzipiert worden, der nach dem VirtualBoy Flop Nintendo verließ… doch genau die kündigten dann zum monochromen WonderSwan ihren GameBoy Color und zum WonderSwan Color ihren GameBoy Advance an, um sicher zu gehen, dass man ihnen den Markt abgräbt. Immerhin war er erfolgreicher als die Bandai Heimkonsolen Playdia und Pippin, vom WonderSwan kann man zumindest schon mal gehört haben.

Der WonderSwan bietet dabei zwei interessante Besonderheiten, beide in Judgement Silversword genutzt. Zum einen lässt sich der WonderSwan sowohl horizontal wie vertikal halten, was bedeutet, dass Judgement Silversword im Tate-Mode gespielt wird, also eben in einer vertikalen Ausrichtung statt wie damals bei Heimreleases von Shmups üblich das Ding mit Balken an den Seiten anzupassen. Zum anderen gab es mit WonderWitch eine ziemlich gut ausgearbeitete, von Bandai selbst befürwortete, Homebrew-Unterstützung. Und Judgement Silversword: Rebirth Edition hat als genau ein solches angefangen, bevor es als ein offizielles Release für den Handheld aufbereitet wurde. Als solches Mini-Release, dann auch noch erst im Frühjahr 2004 erschienen, wobei die WonderSwan-Linie bereits offiziell 2003 eingestellt wurde, ist es eines der rarsten Spiele des Handhelds. Wer sich allerdings das Xbox360-Shmup Eschatos holte (welches allerdings auch Japan only verblieb), findet Judgement Silversword und seinen wirklich nur als WonderWitch-Homebrew erhältlich gewesenen Bruder Cardinal Sins als Bonus darauf emuliert vor.

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Die Optionen zur Feindesbekämpfung sind übersichtlich simpel, müssen aber je nach Situation strategisch geschickt eingesetzt werden. Zur Verfügung stünden zum einen ein Fächerschuss, der einen großen Teil des Bildschirms abdeckt, alternativ einen gebündelt nur geradeaus vor dem Schiff abgehenden Strahl, der dafür aber wesentlich mehr Schaden anrichtet. Und dann kann noch ein Schild aufgebaut werden, um feindliche Geschosse zu absorbieren. Wenn also ganze Geschwader an Kanonenfutter vom oberen Bildschirm eintrudeln, wird auf Fächer geschaltet, wenn einzelne, aber mehr Schuss aushaltende, Gegner sich einem entgegen stellen, dann kommt der Strahl zum Einsatz, und wenn es einem doch zu Bullet Hell wird, kann mit dem Schild verschnauft werden.

Das klingt einfacher als es sein mag, denn Judgement Silversword ist echt schwer ein Spiel, selbst auf Easy gestellt. Auch auf jenem leichtesten Schwierigkeitsgrad lässt das Spiel eigentlich nie ab, es sind ständig dutzende Feinde oder deren Geschosse auf dem Bildschirm, die abgeschossen und gleichzeitig ausgewichen werden muss, und wie gesagt können die einzelnen Gegnern respektive die Bosse das recht gewöhnliche Shmup schnell in eine Variante eines Bullet Hells verwandeln, wenn in kreativen Formationen unablässig deren Geschosse den Bildschirm schmücken. Und wie sich das gehört explodiert das eigene Schiff bereits nach einem Treffer in seine Einzelteile. Dafür gibt es relativ regelmäßig 1Ups einzustecken, aber dennoch, das Spiel bleibt auf jedem der drei Schwierigkeitsgrade (Training, Bossrush und alternatives Schiff zusätzlich freischaltbar) bockschwer.

Die Besonderheit hier ist allerdings – was den Wiederspielwert neben reinem Score Attack auch erhöht -, dass das Spiel sich alle erreichten Scores aller Schwierigkeitsgrade addiert merkt. Und ab gewissen Punkten schaltet es neue Optionen frei. Beispielsweise mehrere Continues zu haben, einen Soundtest, Stage Select, oder schlichtweg auch den God Mode. Wenn man also tatsächlich genug failt, selbst auf Easy, dann ist es dennoch nur eine Frage der Zeit, bis das Spiel etwas weiter vereinfacht werden kann. Ich hab’s ihm gedankt, denn ohne jegliche Continues wie zum Start kam ich selbst auf Easy nicht am Bullet-Curtain-Boss von Area 20 vorbei. 30 Areale gibt es insgesamt, aber die gehen alle ziemlich zackig davon, jedes davon ist nur zwei oder drei Formationen an Gegnern oder ein Bosskampf, auch Judgement Silversword ist ein Ding von einer knappen halben Stunde pro geglücktem Komplettdurchlauf. Tatsächlich, wenn man im Optionsmenü das Stage Select nutzt, geht es dort nur bis Stage 6, welches einen bei Area 31 und den Hard-Mode-Endboss im Spiel beginnen lässt. Die Areale sind also mehr für die Rücksetzpunkte und die Score-Boni, nicht vollwertige Stages.

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Ein wenig Ermüdung macht sich leider dennoch breit, denn an den Production Values merkt man doch die kleine Herkunft eines Homebrew-Wettbewerbs. Abgesehen vom Beginn und Ende, wo wir uns langsam von der Erde entfernen, respektive dem Feindesplanet näher kommen, geht es durchgängig durch den gleichen kargen Space-Hintergrund. Auch an Gegnern gibt es keine großen Variationen, ungefähr 3 BGMs, und selbst das Bossdesign ist ziemlich ernüchternd. Das ist Schade, denn spielerisch macht Judgement Silversword, von kleinen Schnitzern wie Areal-Titeln und eigene Geschosse die Sicht auf die gegnerischen Puipuis gelegentlich verdeckt habend, ziemliche Laune. Ein wenig mehr audiovisuelle Abwechslung und dies wäre ein übersehener Diamant, nicht nur ein ganz netter Geheimtipp.

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