Sherlock

ava-1809Sherlock Holmes ist ein ziemlich beliebter Verfilmungs-/Inspirationsstoff. Da sich der Charakter an sich in der Public Domain befindet, muss für seine Nutzung ja auch gar nichts gezahlt werden, so dass sich selbst The Asylum locker flockig dessen Namen auf ihren Mockbuster zu den Downey Jr. Kinofilmen aufs Cover schreiben können. Im TV allein hat es in den letzten Jahren 4 verschiedene Inkarnationen gegeben – das japanische Sherlock Holmes (2014), ein russisches Sherlock Holmes (2013), die laufende US-Serie Elementary, und natürlich die erste im Bunde, BBCs ebenfalls noch laufendes Sherlock.

Letztere habe ich mir nun mal angeschaut. Bin zwar spät dran, aber die Serie ist ja übersichtlich, mit ihren gerade mal 3 Episoden pro Staffel, und auch nicht jedes Jahr eine weitere davon, da Cumberbatch damit beschäftigt ist, in jedem zweiten Hollywood-Film der letzten Jahre aufzutreten. Dafür sind die Episoden dann aber auch gleich ganze Spielfilme von je 90 Minuten.

Sherlock ist dabei kein Period Piece, sondern verfrachtet die Charaktere in die Moderne, mit allem was dazu gehört. Da wird es schon zum Running Gag, dass jeder Holmes und Watson für ein schwules Pärchen halten (Elementary umgeht die sexuelle Spannung gar nicht erst, sondern castet gleich eine weibliche Watson). Auch hier schreibt Watson über seinen Freund Sherlock, aber natürlich modern in einem Blog, durch das mehr und mehr Klienten angelockt werden. Da Raucher zu sein verpönt ist, lounged Holmes hier nicht mit einer Pfeife rum, wofür er eh viel zu jung ist, sondern pappt sich Nikotin-Pflaster an, um besser Denken zu können. Und selbstverständlich ist der intellektuell geniale, aber im Zwischenmenschlichen hoffnungslos aufgeschmissene, Sherlock Holmes nicht nur ein beliebter Archetyp in modernen Medien, sondern sich auch voll bewusst, dass er ein „high functioning sociopath“ ist, wie er das gern selbst betont.

Überhaupt ist der Look der Serie sehr modern getrimmt. Der Schnitt ist schnell, die Dialoge voller witty banter, zur besseren Visualisierung von Holmes Geistesakrobatik fliegen schon mal Worte und Zahlen quer über den Bildschirm, oder wird Traumsequenz-artig seine Vorstellungskraft dargestellt. Alles, um auch die Parts, in denen nicht gerannt oder geschossen wird, interessant und voller Energie zu gestalten, statt einen stocksteifen Cumberbatch zu präsentieren, weil er gerade in seinem Mind Palace abgetaucht ist.

Ich habe mich ja schon irgendwie in die Reihe verliebt. Mir sind sowieso Serien immer gefällig, wenn sie es schaffen, mich zu überraschen, was nach all den konsumierten Medien gar nicht mal mehr ganz so einfach ist, besonders wenn viele ähnliche Tells benutzen. Die Sherlock-Episoden sind dann aber häufig doch so verwinkelt, dass zumindest einige der Wendungen zwangsläufig überraschen müssen. Und einen weiteren Pluspunkt gibt es dafür, dass die Serie auch self aware genug ist, sich hier und dort mal darüber lustig zu machen, wie viele Haken die Plots doch schlagen, und wie übermenschlich Holmes Hirnaktivität dargestellt wird, allen voran in der ersten Episode von Staffel 3, wenn alle ihre hirnrissigen Versionen präsentieren, um erklären zu wollen, wie Holmes geschafft hat, was er am Ende der vorigen Staffel gedreht hat.

Was mir allerdings auffiel, ist, dass die Staffeln zumindest für mich schon einen gewissen Modus Operandi haben: Die erste Folge ist immer ein genialer Auftakt, die Mittelfolge interessant, aber das schwächste Glied der Season, und die Finalfolge wieder ziemlich geil, aber das teilweise auch erst in der zweiten Hälfte, gegenüber dem besseren Pacing der Eröffnungsepisode. Wobei ich ausgerechnet Staffel 3 nicht ganz so sehr mochte wie die beiden Vorgänger. Die erste Episode ist zu sehr damit überfordert, zu kitten, was im Finale der Vorstaffel kaputt ging, Holmes kommt mancherorts gar nicht mehr charismatisch rüber, und vor allem ist der Bösewicht etwas blass. Wenn er in der letzten Folge so richtig loslegen darf, sicher, dann ist es auch diesem Schauspieler eine helle Freude beim Chargieren zuzusehen, aber in den beiden vorigen Folgen ist der dafür quasi nicht existent. Der total abgedrehte Moriarty hat da wesentlich mehr Präsenz gezeigt, und selbst die ausgeklügelte Irene Adler, obwohl nur in der ersten Folge der zweiten Staffel gewesen, hat auf mich einen stärkeren Eindruck hinterlassen.

Dennoch freu ich mich schon wie ein Schnitzel auf weitere Folgen, wann auch immer sie kommen werden (Season 4 soll ja wohl 2016 laufen, und eine fünfte geplant sein, aber wie gesagt, die kann dann auch erst 2020 laufen, wenn es hart auf hart kommt).

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