Romancia: Dragon Slayer Jr.

ava-1791Nicht alle Auswüchse von Dragon Slayer haben es zu eigenen Serien geschafft, wenn auch die meisten. Von Legacy of the Wizard, Eintrag Nummer 4, gibt es keine Nachfolger, und auch nicht zum davor kommend dritten Teil Romancia. Zusammen mit dem ersten Dragon Slayer stellt Romancia übrigens den Beweis dar, dass Falcom auch absolute, borderline unspielbare, Scheiße produzieren kann.

Ok, dem Dragon Slayer das Junior anzuhängen mag es so wirken lassen, als wäre das die for Kids Version, Dragon Slayer light für Dummies. Tatsächlich bedeutet es aber nur, dass es optisch etwas niedlicher ist, und vor allem ein kleineres Spiel darstellt. Der Sidescroller ist tatsächlich nur eine überschaubare Anzahl an Bildschirmen groß, so dass die PC-Originale sogar innerhalb einer Stunde durchgespielt werden mussten, wenn man kein Time out Game Over sehen wollte. Jene zeitliche Begrenzung ist in der NES-Version immerhin schon mal verschwunden, die zusätzlich die Welt um ein paar weitere Screens aufstockt und ein paar Bosse erfindet (ursprünglich gab es nur am Ende den zu slayenden Dragon), um es zumindest schon mal auf 2-3 Stunden Spielzeit zu strecken. Nicht das mehr Zeit an Romancia verbringen zu müssen etwas Positives wäre.

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Was wäre denn mal ein guter Vergleich? Romancia ist… als hätte Early 80s Sierra ein Action Adventure gemacht. Denn ungefähr genauso fies ist das Spiel geworden, bei dem man die meiste Zeit mehr oder minder Planlos zwischen den Bildschirmen hin und her pilgert, weil die Lösungen zum Weiterkommen absolut obskur sind. Gewisse Gegenstände müssen gefunden werden, aber in der richtigen Reihenfolge, weil manche NPCs nur dann helfen, wenn man bereits einen anderen wo geholt hat. Und wofür der dann wiederum ist, ist auch selten allzu klar. Ein paar sind auch verflucht und müssen erst mal geweiht werden, bei wem ist selbst herauszufinden. Dazu kommen dann noch einige falsche Mauern, die solide aussehen, aber einfach durchschritten werden können, oder auch Weggabelungen, bei denen der richtige Ausgang bei jedem Bildschirmbetreten neu zufällig ausgewürfelt wird, und natürlich das obligatorische Labyrinth, in dem jeder Bildschirm identisch aussaucht.

Die Robe, die einen unbesiegbar macht, und ganz am Spielende essentiell ist, um durch die Lava zu kommen, gibt es beispielsweise vom Priester ganz zu Spielbeginn. Wenn man ihm dafür das Kruzifix gibt. Jenes erhält man vom anderen Priester. Wenn man denn mit der Medizin, die er überreicht, alle 5 Kranke der Stadt heilt und anschließend zu ihm zurück kommt. Die Robe muss natürlich erst im Himmel von ihrem Fluch befreit werden. In den Himmel kommt man, in dem man sich schlichtweg vom richtigen NPC umbringen lässt. Der macht das jederzeit auf Befehl. Hat man vorher allerdings keine Seele auf dem Friedhof eingesackt, dann gibt es aus jenem kein Zurück mehr. Und wirklich jederzeit tut er es auch nicht, sondern nur, wenn man mindestens 5 Ringe dabei hat, die es für gute Taten gibt. Vor dem ersten Himmelsbesuch gibt es aber nur fürs Heilen der 5 Kranken genau 5 Ringe im ganzen Spiel zu holen, und tötet man anschließend einen Gegner, die nämlich verwandelte und somit unschuldige Bewohner sind, wird einem wieder einer abgezogen, sprich das Spiel ist erneut nicht lösbar. Ach ja, von den Seelen gibt es auch nur 6 insgesamt, und der Himmel muss mindestens drei oder vier mal betreten werden, hier darf man sich also auch nur den Fehler von 2 Extra-Tripps erlauben, bevor das erfolgreiche Beenden des Spieles unmöglich wird. Für jeden Fortschritt in Romancia erst mal durch zehn Reifen springen zu müssen – unsichtbare und mit Stacheldraht überzogene Reifen – ist so ziemlich die Antithese von Spielspaß.

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Aber da haben wir den Endboss ja noch gar nicht erwähnt. Ich dachte ja Dark Fakt im ersten Ys wäre eine blöde Sau gewesen, aber der Kampf ist wenigstens geschwind für oder (wahrscheinlicher) gegen einen entschieden. Romancia bietet einen Drachen, die Schlangenförmige Art, ein Kopf und 8 Kugeln als Körper dahinter. Der schwebt zufällig kreuz und quer durch den Raum wie ein Pinball. Schaden kann man ihn nur am jeweiligen Endglied, welches nach einigen Treffern abfällt, und somit den Drachen langsam verkleinert, bis auch der Kopf endlich Geschichte ist. Das Problem daran, abgesehen davon, die letzte Kugel bei der unberechenbaren Flugbahn mit dem mickrigen Schwert des Prinzen überhaupt zu treffen, ist, dass jedes Segment ein Dutzend oder mehr Treffer einsteckt, bevor es krepiert. Wir haben es hier also mit einem nervtötend frickeligen und auch noch überstrapaziert langen Kampf zu tun. Und das setzt voraus, überhaupt erst mal zu wissen, dass die Schwanzspitze der Schwachpunkt des Drachens ist, da es weder ein visuelles noch akustisches Indiz dafür gibt, dass er nur hier Schaden nimmt, und bei den vielen Schlägen, die sie jeweils einstecken können, beginnt man auch mal schnell daran zu zweifeln, dass man alles richtig macht. Hab ich wirklich den Dragon Slayer ausgerüstet? Habe ich ihn auch entflucht? Treffe ich wirklich den richtigen Punkt?

Es gibt schlimmer Spiele als Hydlide, wer hätte es gedacht. Sowohl das erste wie das dritte Dragon Slayer sind der Beweis.

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