Level 5 Guild: Attack of the Friday Monsters

ava-1790Level 5 haben sich echt gemausert. Vom Überraschungs-Erfolg Dark Cloud auf der PS2, bei dem ich nach wie vor der Meinung bin, wäre es nicht zu Beginn erschienen, als Leute nach RPGs ausgehungert waren, es wäre schonungslos untergegangen, hin dazu von SquareEnix für die Programmierarbeit an Dragon Quest VIII und IX eingespannt zu werden, mittlerweile mit Serien wie Professor Layton, Inazuma Eleven und vor allem Youkai Watch zig Moneten scheffelnd.

Aber Level 5 kann auch kleiner, mehr Indie, wenn sie wollen, wie bewiesen in ihrer Guild-Serie. Das Konzept davon ist einfach: Man nehme mehrere (mehr oder weniger) berühmte japanische Game-Designer, und lasse jeden davon ein kompaktes kleines Spielchen entwickeln, die dann eben unter dem Guild-Banner zusammengefasst werden. Perfekt auch fürs kleine Geld auf dem eShop, auf dem sie ausschließlich im Westen erschienen sind, aber auch in Japan nach einer Retail-Version von Guild 01 schnell dort zu finden waren, plus Guild 02 nur dort aufschlug.

Ein solches Spiel aus der Guild 02 ist Attack of the Friday Monsters! A Tokyo Tale von Kaz Ayabe. Viel wird jener Name Nicht-Japanern nicht sagen, denn seine dort berühmte Serie Boku no Natsuyasumi ist hier nie erschienen, da sie sehr speziell Japaner anspricht. Und zwar gezielt japanische Nostalgie ob der schönen Kindheitserinnerungen einfach verlebter Sommer. Denn genau das ist das Sommertagebuch: Virtuell noch mal als Kind einen Sommer durchleben, sich frei durch das kleine Städtchen bewegen, neue Freundschaften knüpfen, Insekten fange, ein Bildertagebuch führen etc. – und somit nicht unbedingt was, was nach Lokalisation schreit.

Bei Attack of the Friday Monsters bleibt er sich da auch in gewisser Weise treu, auch wenn das Spiel etwas mehr Struktur aufweist. Denn auch hier übernehmen wir einen kleinen Jungen, der neu in einen Vorort Tokyos gezogen ist, und das in den guten alten Zeiten (TM), nämlich irgendwo in den 60er/70er Jahren, eine äußerst profitable Zeitperiode, wie auch die Sunset on Third Street Filme bewiesen haben. Gezielt ist das aber eben auch die goldene Ära der Tokusatsu-Shows, wo die Kaiju Städte zertrampeln und die Ultramänner mit Aliens kämpfen. Damit hätten wir dann auch schon den Aufhänger des Spieles: Freitags kommen die Monster raus und ringen in den benachbarten Reisfeldern, während die lokale TV-Station es aufnimmt. Gerade die Kinder des Viertels sind davon natürlich begeistert.

Der Spielverlauf, wenn man es denn als solches bezeichnen will, denn viel wirklich klassisches Spiel steckt auch in Attack of the Friday Monsters nicht, ist bestenfalls ein Adventure Game ohne wirkliche Puzzle oder Rätsel. Stattdessen bewegt man sich auch hier frei nach Schnauze durch die Nachbarschaft und redet mit allen NPCs, die gerade herumstehen. So initiiert man automatisch die bis zu 26 Episoden bezeichneten kleinen Vignetten, die uns entweder ein wenig über die Charaktere und ihre Beziehungen untereinander erläutern, oder die Haupthandlung ob es die Monster und Aliens überhaupt gibt oder das ganze nur Verarsche ist, oder vielleicht sogar beides, vorantreiben

Gezielt eingreifen tut man als Spieler also nicht wirklich, abgesehen von den wenigen Instanzen, in denen man gegen andere Kids kämpfen muss, mit Monster Trading Cards, die man findet, wenn genug Glimmer, die überall verstreut in der Gegend liegen, aufgesammelt hat. Das Spiel an sich ist dann relativ simpel, richtet sich nach dem altbewehren und universellen Stein-Papier-Schere-Prinzip, nur das die Karten verdeckt hingelegt werden und dann von den Hints ausgehend gesehen werden muss, welche man wie tauscht, um zu gewinnen. Die haben so geile Namen wie „Primeval Plesiosaur Progenodon“, „Glacial Giant Penguidon“ oder „Atrocious Avian Eaglarian“. Herrlich.

Die Gefälligkeit der 2-3 Stunden mit Attack of the Friday Monsters steht und fällt also damit, wie charmant man die kleine Erzählung findet, da es spielerisch eben wirklich nichts hergibt. Finde ich die kleine Zeitkapsel einer japanischen Jugend von vor 40 Jahren interessant? Gefallen mir die leicht schrägen Charaktere und die abgedrehten Einschübe gegen Ende hin? Finde ich das behandelte Filmgenre sympathisch? Wer beispielsweise Chulip gespielt hat, und das toll fand, der ist hier gut bedient, auch wenn Attack of the Friday Monsters wie gesagt kürzer, geradliniger und auch weniger abgedreht ist, aber gleiche Vibes gibt es schon.

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