Dragon Slayer: The Legend of Heroes

ava-1789Falcom war ganz früh mit dran in der japanischen RPG-Geschichte, noch bevor Dragon Quest alles veränderte. Drei Namen sind da bei den Japanern besonders nostalgisch in Erinnerung: The Black Onyx, Hydlide und eben Falcoms Dragon Slayer – alle 1984 für diverse Heimcomputer erschienen. Speziell an Dragon Slayer ist allerdings, dass die folgenden Teile nicht nur so gut wie keine Gemeinsamkeiten haben, sondern häufig in ihre eigenen Serien abgedriftet sind. So ist beispielsweise das erste Xanadu gleichzeitig das zweite Dragon Slayer, erstes Sorcerian Nummer 5, erstes Lord Monarch das letzte und siebte Dragon Slayer, und auf dem sechsten Platz steht nichts anderes als das erste The Legend of Heroes, welches mittlerweile Ys als Haupt-Brötchenverdiener bei Falcom abgelöst hat.

Der hat es letztendlich sogar über die japanischen Grenzen hinaus geschafft, in der Version fürs eher wenig gespielte PC Engine CD. Ein Brückenschlag-System irgendwo zwischen 8 und 16bit, und vor allem dank des großen Speichermediums Platz für (schreckliche) rudimentäre Sprachausgabe, teilanimierte Sequenzen und klare Musikausgabe.

Was mir gleich aufgefallen ist, ist wie viele Einstellungsoptionen es für den Spielverlauf gibt. Sollen die Statuspunkte beim Level up automatisch verteilt werden, oder will man das manuell machen? Soll ein Charakter im Kampf von der AI übernommen werden, oder gar alle, oder keiner, oder nur fürs Heilen oder Angreifen? Soll das Spiel die Gesamt-Erfahrungspunkte anzeigen oder wie viele zum nächsten Level up fehlen? Herrlich. Gespeichert werden kann auch überall per Menü.

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Und, öh, joa… da hören die Besonderheiten für Dragon Slayer: The Legend of Heroes eigentlich schon fast auf. Nein, vielleicht doch nicht ganz. Sicherlich auch ungewöhnlich für die Zeit noch ist, dass Monster nicht randomisiert aus dem luftleeren Raum materialisieren, sondern zumindest in den Dungeons tatsächlich sichtbar sind. Theoretisch laufen sie sogar auf der Oberwelt herum, ohne die Nutzung eines bestimmten Gegenstandes sind sie dort allerdings unsichtbar, und damit so gut wie zufallsgeneriert, wenn auch halt nicht wirklich. Nett ist auch, dass nachdem am Ende eines Kapitels (das Spiel ist in 6 unterteilt) die vom Oberbösewicht befreite Region dann tatsächlich auch leergefegt ist was die Monster angeht. Ähnlich wie am Ende eines Dragon Quests die Welt gefahrlos bereist werden kann. Auch sicherlich nicht weit verbreitet ist, dass alle Charaktere alle Zauber lernen können, wenn sie auch durch unterschiedliche Statuswerte immer noch unterschiedlich brauchbar in deren Nutzung sind.

Tja, die Musik, die typisch Falcom untypisch Fantasy und stattdessen etwas rockiger ist, klingt halt sehr klar und gut aus dem System. Und das Opening und Ending sind echt hübsch anzusehen, aber ein Lunar mit regelmäßigem Cutscene-Einsatz sollte man nicht erwarten, es bleibt bei jenen beiden. Dafür wird häufig gequatscht, wie in vertont gequatscht, als solches ziemlich schlecht anzuhören und mit schrecklichen Akzenten auch nicht immer deutlich verständlich, aber hey, Sprachausgabe in 1992 war ein heißes Ding!

Trotzdem konnte ich mich beim Spielen von The Legend of Heroes nicht so wirklich begeistern, weil das ganze Ding, wenn auch nicht schrecklich, so doch extrem unbesonders ist.

Wir haben es mit einem Land zu tun, welches von Monstern überrannt wurde, die zwar zurückgeschlagen wurden, aber der König dabei drauf ging. Baron Drax hat die Macht an sich genommen, zumindest bis Prinz Logan 16 wird und sein Erbrecht antreten kann. Prinz Logan übernehmen wir als Spieler und keinen sollte es überraschen, dass Drax mal so gar nicht die Krone wieder abgeben will. Auch die weiteren Reiche der Welt muss die Heldentruppe von Tyrannen befreien, rechtmäßige Könige wieder einsetzen, und das benachbarte Monsternest unschädlich machen, bis ein antiker Chaos-Drache erlegt gehört. Dessen End-Ansprache ist immerhin ganz nett, aber wirklich, so besonders ist der narrative Teil unserer Reise nicht.

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Die Möglichkeit des Auto-Battles ist übrigens auch ganz nett ein Einfall, denn viele normale Gegner sind ziemliches Kanonenfutter, dazu muss auch noch regelmäßig für mehr Geld oder Erfahrung eine Extra-Runde bei ihnen gedreht werden. The Legend of Heroes ist halt oldschool, das PC-Original von 1989, so oldschool, dass Dungeons selbst noch von Fackeln beleuchtet werden müssen, um etwas zu sehen. Und was ist die Rate an Zufallsbegegnungen so höllisch hoch. Da nimmt man doch alles mit, was jene etwas beschleunigt, auch wenn es das Spielgeschehen noch uninvolvierter macht.

Und eigentlich ist es auch ein echt geschwindes Spiel. Durch die Kapitelunterteilung bewegt man sich eigentlich recht schnell durch die Geschichte, die Kerker sind nicht allzu groß, und die zahlreichen Kämpfe im Einzelfall auch echt schnell vorüber. Mit für ein RPG doch relativ schnellen 12-15 Stunden kann das Ende erreicht sein. Es fühlt sich aber eben durch die quantitative Masse an Gegnerkämpfen stellenweise wesentlich zähflüssiger an, als es dann letztendlich wirklich war.

Es gibt einfach geringen Grund, sich heutzutage noch Dragon Slayer: The Legend of Heroes widmen zu wollen, da es wirklich keine besonders herausstechenden Merkmale bietet, kein oldschool Klassiker ist, noch nicht mal altbekanntes besonders launig umsetzen würde.

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