Verhoeven Wednesday – Showgirls

ava-1788Uh-oh, da sind wir nun also. Angekommen bei Paul Verhoevens 11. Feature Film, der 5. in Hollywood, sein wohl bekanntestes, kontroversestes, und deswegen auch eigentlich interessantestes Werk: SHOWGIRLS!!! Mit Caption on und drei Ausrufungszeichen, weil nichts anderes passt zu so einem glorreichen Trainwreck, so einem vulgären inhumanen Epos über den zerstörten amerikanischen Traum, der einem Titten zum die Ohren haut, bis sie einem aus jenen heraushängen und man sich fragt, ob man je wieder einen weiblichen Körper sexy finden kann, oder für den Rest seiner Tage genug davon hat.

Ein Film mit dem Ruf die Karrieren aller beteiligten Schauspieler ruiniert zu haben, Paul Verhoevens gleich mit, und Hollywoods NC-17 Rating hat er auch noch ertränkt. Ein kolossaler Flop an den Kinokassen, zum Erscheinen verrissen. Aber, und jetzt wird es interessant, heutzutage auch ein Kult-Klassiker. Dank des Heimvideomarktes ist Showgirls mittlerweile unter den Bestsellern des MGM Studios, er ist beliebt sowohl in ironischer Hippster-Weise, wie auch bei Leuten, die es so richtig schön trashig mögen, ja sogar einige Kritiker verteidigen Showgirls heutzutage als unverstandene Satire. Mittlerweile gibt es ein Sequel und ein Musical, sich beide auf die parodistische und satirische Seite schlagend, von der bis Heute nicht geklärt ist, ob sie im Original tatsächlich beabsichtigt war. Drehbuchschreiber Joe Eszterhas behauptet dies zwar gerne, aber rückwirkend kann das jeder. Zumindest ist es schwer glaubhaft, dass Hollywood fast 4 Millionen Dollar für ein Drehbuch zahlt, welches für einen zu satirischen Zwecken bewusst schlechten Film ist.

Wie viel Schaden der 7 Goldene Himbeeren einsackende Film übrigens den Beteiligten wirklich angetan hat, ist auch strittig, obwohl er sicherlich niemanden Karriere direkt förderte, und alle Involvierten eher peinlich berührt sind, wenn sie auf ihn angesprochen werden. Die arme Elizabeth Berkley, die wie alle heranwachsenden Kinderstars doch nur endlich mal ihre Titten in eine Kamera halten wollte, damit man merkt, dass sie nun erwachsen und ernstzunehmend ist, hat wirklich Jahre lang wegen Showgirls keine guten Rollen einsacken können. Aber mal wirklich, der bekannteste Name im Cast ist Kyle MacLachlan, es ist also nicht so, dass hier irgendwo eine Superstar-Karriere auf dem Spiel stand. Paul Verhoeven kann es auch nicht komplett ruiniert haben, immerhin gab ihm Hollywood anschließend noch zwei weitere Projekte in die Hand. Und das NC-17-Rating, wenige Jahre vorher ins Leben gerufen für erwachsene Filme, die nicht mit Pornos verwechselt werden sollen, und tatsächlich seit Showgirls als Zuschauerkiller gilt, der nur noch für Arthouse und ausländischen Filmen benutzt wird? Genau genommen haben NC-17-Filme nie wahnsinnig viel Kohle gemacht, zumindest nicht an den Kinokassen, welche ja zunächst erst mal am Wichtigsten sind, weil man dort frühestens sein investiertes Geld zurück bekommt, wie gesagt ist das auf dem Heimvideomarkt wieder eine andere Sache. Vor Showgirls hat es nur eben keine super teure Großproduktion spezifisch auf das Rating angelegt, die ob ihm hätte floppen können.

Von daher muss man Showgirls aller Schreckensmythen, die sich um den Film ranken zum trotz, immer etwas in Relation sehen. Ein schlechter Film ist es aber dennoch.

Das Schauspiel ist zum Großteil passabel, aber nie an sich gut, und Berkley schafft es auch nicht immer selbst den auf den Medium-Standard aller anderen zu bleiben. Ihnen ist natürlich nicht dabei geholfen, dass die Texte, die sie hier vortragen, häufig nicht nur lachhaft dämlich sind, sondern wenn man wirklich drüber nachdenkt, die meiste Zeit auch nicht aus einer zusammenhängenden Konversation zu stammen scheinen. Ein wenig, als hätte jemand ein ausländisches Script durch Babelfisch gejagt und irgendwie dabei auch noch die Absätze durcheinander gewürfelt. Was in dem Film warum und woraus resultierend geschieht, darüber verliert man eh schnell den Überblick, selbst wenn mal was aufeinander aufbaut.

Und es hilft natürlich nicht, dass der Film ähnlich Keetje Tippel so ein Ding ist, wo sich alles am Hauptcharakter an sich hängt. Nicht nur die Handlung als solche resultiert komplett daraus, dass alle anderen Charakter tun, was sie tun, weil sie Nomi entweder mögen oder ficken wollen. Nein, auch für den Zuschauer sollte das Mädchen aus armen Verhältnissen, welches einen großen Traum hat, vom Business in die Mangel genommen wird, und letztendlich genauso korrupt wird, wie die Leute, die sie zu hassen glaubt, doch irgendwo ein Sympathieträger sein. Doch Sympathie will so einer egozentrischen Ziege gegenüber nie wirklich aufkommen. Es hilft natürlich nicht, dass ein Großteil dessen bereits vor dem Start des Filmes an sich geschehen ist – als Waisenkind durch die Heime gereicht, abgehauen und als Drogensüchtige Prostituierte auf der Straße gelandet… all jene Hintergrundgeschichte ist bereits gelaufen, und wir erfahren sie zusätzlich erst zu Filmende. Dafür untergräbt jene Eröffnung  die Logik hinter ihrem naiven Verhalten nur noch mehr.

Das Showgirls ein schlechter Film ist, zumindest an so ziemlich allen klassischen Maßstäben gemessen, bedeutet aber nicht, dass Showgirls nicht ein unterhaltsamer Film ist. Man kann allgemein nicht wirklich sagen, dass Paul Verhoeven je langweilt, oder sich wahnsinnig zurückhalten würde, weil er befürchtet zu trashig zu werden. Die beste Art von Trash ist sowieso die ungewollte, die mit Glamour und viel Budget. Nicht die billigen Direct-to-DVD Filmchen, die nervtötend Augenzwinkernd gewollt schlecht gemacht sind, und auf Niveau einer Porn-Parodie hindümpeln. Und Showgirls ist ein großer, wuchtiger, glamouröser Film, der zumindest von den Schauspielern an sich ernst gespielt wird.

Und so viel Budget und so viel ehrliches Bemühen dann kontrastierend zu haben mit so einem enormen Fail, in all den richtigen, unsinnigen und trashigen Arten. Mit Handlungsstruktur und Dialogen, die wie aus einem Paralleluniversum scheinen. Die dabei so herrlich zitierbar schlecht sind. Wo Charaktere ihre Motivation und ihre Persönlichkeit je nach Szene komplett ändern. Der einem so viel Nacktheit entgegen wirft, dabei aber so blase damit umgeht, dass er nie sexy ist. Ich kann tatsächlich Showgirls nicht nicht mögen, denn der Film ist – gewollt oder nicht – eine herrliche Gaudi. Perfekt für den angetrunkenen Abend mit Kumpels.

verhoeven11

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