Verhoeven Wednesday – De vierde man

ava-1769Das 1983er De vierde man ist der letzte niederländische Film Verhoevens für die nächsten 20 Jahre gewesen, und hier fällt nach dem Ausreißer Spetters das Übliche Zusammen: Basierend auf einem gleichnamigen Buch, produziert von Rob Houwer, und Jan de Bont für die Kameraarbeit. Lediglich Rutger Hauer setzte nach vier Filmen diesen hier aus. Ganz ohne Schauspieler früherer Werke musste Verheoven allerdings nicht auskommen, spielen doch Renée Soutendijk (Spetters), Jeroen Krabbé (Soldaat van Oranje, Spetters) und Dolf de Vries (Turks Fruit, Soldaat van Oranje, Spetters) mit.

De vierde man ist nach Wat zien ik der bisher einzige Verhoeven-Film, der mir wirklich rundum gefallen hat. Der gute Mann hat mich noch nie gelangweilt, noch fand ich irgendeinen Film schrecklich, doch bei allen anderen habe ich mich an kleinen oder größeren Dingen gestoßen gehabt. Nicht so bei De vierde man, dessen Sales Pitch ich mal frei “if David Lynch made Basic Instinct” nennen würde.

Gerard ist Schriftsteller und reist von Amsterdam nach Vlissingen, wo er vor einem Literaturclub einen Vortrag hält. Gefilmt wird er von deren attraktiven Kassenwärtin Christine, die ihn dazu überredet doch lieber noch die Nacht im Ort zu verbringen, so können die beiden dann auch miteinander im Bett landen. Während alldem hat Gerard übrigens diverse Vorahnungen. Wiederholt träumt er von einer Fremden in Blau, die er während der Zugfahrt sah, und die eine Apfelschale wie einen Heiligenschein bei ihrem Säugling hielt. Ein Bild von dem Hotel, von dem sich später rausstellt, dass in Vlissingen ein Zimmer für ihn gemietet war, hing auch dort. Ein Bild von Samson und Delilah ebenso.

Und dann, nachdem die Frau in Blau ihn mit einem Schlüssel, der zunächst wie ein Revolver aussah, durch eine Türe mit Buntglasfenster in eine Krypta gelotst hat, in der drei geschlachtete Rinder hängen, die Milchkannen darunter mit ihrem Blut gefüllt… wacht er auf, rechtzeitig dafür, dass Christine ihm mit einer Schere den Penis abschneiden kann. War aber auch nur ein Traum. Oder doch eine Vorahnung?

Denn Christine hat ihn mit zu sich nach Hause genommen, wo sie auch den von ihr geleiteten Schönheitssalon unterhällt. Genannt ist er Sphinx, doch die Anzeige ist leicht kaputt und zeigt nur “Sp in “ (übersetzt Spinne, der Film beginnt übrigens mit einer solchen, die einer Fliege verspeißt), wo sie natürlich auch mit scharfen Friseursscheren handtiert, eine Komsetiklinie mit Namen Delilah unterhält, und wo die Frau aus dem Zug Gerard etwas über Vorahnungen und das man besser auf jene hören sollte, erzählt.

Doch Christine ist bereits dabei Gerard in ihrem Netz einzuweben. Mit Sex, gutem Essen, viel gutem Gesöff. Und indem sie ihm nebenbei wie zufällig auf ihr freimütig geteiltes Vermögen aufmerksam macht, genau wie auf ihren anderen Geliebten, einen attraktiv-muskulösen Kerl, der Gerard bereits am Bahnhof auffiel. Fast so, als wüsste sie, dass Gerard arm, Alkoholiker und bisexuell ist.

De vierde man ist ein äußerst interessanter Thriller, bei dem man allerdings bis zum Ende nicht wissen wird, was genau abgegangen ist. Christine kommt schon rüber, als würde sie all dies genau planen und Gerard, der zunächst noch denkt sie auszutricksen, genau dahin manipulieren, wo sie ihn haben will. Ob sie allerdings wirklich eine eiskalte Mörderin ist, wird nie geklärt. Vielleicht bildet sich Gerard nämlich alles auch nur ein, der ja selbst zu Beginn sagt, dass er als Katholik und Schriftsteller eine äußerst ausgeprägte Fantasie hat, und deswegen so überzeugende Geschichten schreiben kann, weil er sie sich selbst wiederholt vorsagt, bis er selbst daran glaubt – “wahre Lügen erzählen” nennt er dies.

Das Ganze wird nicht nur sehr sexy und mit einigen Gewaltspitzen inszeniert, sondern auch so mit viel optischen Rafinessen und wiederholter Symbolik. Die Spinne zu Beginn und Ende, wiederfindend in der kaputten Sphinx-Leuchtreklame. Die Träume von der Frau in Blau, die ihm vage Wege weist. Die wiederkehrende religiöse Symbolik, bei der sich Gerard schon mal den knackigen Geliebten in winziger Badehose am Kreuze vorstellt und zu betatschen beginnt. Das wiederkehrende Rot, ob als Blut, als Schal, als Warnflagge, oder als Blütenblätter, die der Wind Gerard entgegen wirbelt. Der Film ist herrlich anzusehen, wirklich.

verhoeven06

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