Let’s Play Ultima IV – 01. Quest for the Avatar

ava-1768Ja ja, Ultima III: Exodus hat meine Bildungslücke zu jener Franchise geschlossen und ich muss auch keinen weiteren Eintrag haben, gell? Ich Lügner, ich. Da Ultima IV als der erste richtig gute Teil genannt wird, und die Version fürs MasterSystem ja auch so toll sein soll und entsprechend einfach zu emulieren ist, hat mich doch mal die Neugier gepackt.

Quest of the Avatar beginnt damit, dass wir uns vom gestressten modernen Alltag erholen, in dem wir uns an einem netten Fluss unter einen Baum auf eine Wiese setzen, mit praktischem Blick aufs benachbarte Stonehenge. BAM! Moongate taucht auf. BAM! Moongate ist weg, hinterlässt allerdings ein Ankh (und zwei Bücher, ein Britannia-Guide und eines, welches wir uns nicht zu öffnen wagen). BAM! Am Fuß des Berges ist ein nicht gerade kleiner Mittelaltermarkt aufgetaucht, der vorher gar nicht da war. Ab zur Wahrsagerin, die auch ein Ankh trägt, und ihr Quiz mitmachen.

Jenes würfelt aus einem Pool gewisse Fragen zusammen, die mit den Virtues zu tun haben, und entscheidet dann ob der dargebrachten Antworten, welchen Job man im Spiel hat. Ich hab mich mal durch drei Varianten geklickt, wurde zwei Mal als Mage und ein Mal als Paladin eingestuft (gut, da hab ich bei der überraschend offensichtlichen „Hey, bist du eher ein heroischer Paladin oder ein gutmütiger Schäfer“ etwas geschummelt, da ich weiß, dass die Schäfer-Klasse absoluter Müll by Design ist).

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BAM! Nach Britannia gezappt worden, als Paladin (ich ziehe Kämpferklassen eigentlich Magieklassen immer vor, und praktischerweise kann der Paladin ja auf die Mütze geben und Zauber sprechen) nahe der dazugehörigen Starterstadt Trinsic. Praktischerweise haben wir auf der interdimensionalen Reise nach Britannia ein dazugehöriges Kampfoutfit und 300 Rationen zugesteckt bekommen, bekanntlich beschleunigt sich der Metabolismus hier ja so stark, dass man quasi permanent nebenher am Futtern ist. Allerdings ist die Stadt einen halben Kontinent vom Schloss von Lord British entfernt, zu dem wir ja offiziell müssen, um überhaupt gesagt zu bekommen, was hier Sache ist. Die Welt hat sich übrigens recht stark verändert von der Geographie her, obwohl die Städtenamen bekannt sind. Auch die Fantasyrassen sind verschwunden, gibt nur noch Menschen. Hieß damals auch noch Sosaria, nicht Britannia. Exodus zu zerstören hat angeblich einen Kataklysmus ausgelöst, der dafür verantwortlich ist. Kontinentalbewegung schön und gut, aber sind auch spontan alle Elfen, Zwerge, Hobbits und Ewoks tot umgefallen? Oder ist das nur die reingewaschene Sieger-Geschichtsschreibung, die mir Lord British aufdrückt, nachdem er den geografischen Umwurf genutzt hat, um das ganze Land zu erobern und eine ethnische Säuberung zu veranlassen? Und das, obwohl in meiner Version von Ultima III ein Elfen-Dieb, Zwergen-Paladin, Hobbit-Kleriker und Ewok-Zauberer Exodus besiegt haben. Oder ist das der Grund, wurden sie für den daraus resultierenden Umbruch in der Welt als Gesamtrasse schuldig gemacht?

Von den Auseinandersetzungen mit den Monstern her scheint sich nichts zum Vorgänger verändert zu haben: Gegner spawnen sichtbar auf der Oberwelt, verfolgen einen dort auch, sind dem aktuellen Level angepasst (sprich zu Beginn tauchen so Sachen wie Orcs auf, gegen Ende dann Drachen, egal wo auf der Oberwelt man sich befindet), und bei einer Kollision geht es in einen eigenen Kampfbildschirm, wo rundenweise im abgesteckten Feld sich bewegt und gemeuchelt werden kann. Auch den Fog of War gibt es wieder, wodurch man beispielsweise in Bergesnähe das Sichtfeld teilweise eingeschränkt bekommt.

Als Paladin ist meine Tugend übrigens Ehre. Verringern würde sie sich, wenn ich nicht-böse Gegner attackiere (beispielsweise Lord Britishs Wachposten für einfach gute EXP), aus Schatzkisten stehle (beispielsweise jene in den Städten, die Dungeon/Gegnerkisten sind natürlich nicht gemeint) oder den blinden Ladenbesitzern weniger zahle, als mein Einkauf kostet. Erhöhen tut sich Ehre, wenn ich Quest-Items finde, den richtigen Preis zahle, oder an Obdachlose spende. Da Trinsic auch zu jener Tugend gehört (8 Städte, 8 Dungeons, 8 Klassen, je eines pro Tugend), habe ich dort auch gleich die dazugehörige Rune gefunden, die natürlich in der Ecke lag, wo ein Magier einen Gift-Schild errichtet hatte.

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Dann ging es auf den beschwerlichen Weg nach Norden zu Castle British und… holy cow, das Icon des verdammten Schlosses ist nun mindestens drei Mal so groß, wie das für die daneben befindliche Stadt Britain. Muss wohl das Gold von den ganzen enteigneten Fantasyrassen gekauft haben, hmm British? Bei dem gehen wir im [Talk] auch gleich seine ganze Einkaufsliste an dutzenden Optionen durch. Story Time: Nachdem die drei bösen Lords besiegt sind, ist nun Friede in Britannia eingekehrt. Und entweder ist Lord British derweil nur absolut langweilig geworden, oder er sieht ein, dass es vielleicht nicht so toll war wegzusehen, als die „Helden“ in den vorigen Teilen geraubt und gemordet haben, um das Böse-Lord-vernichten-Ziel zu erreichen, weil Lord British nicht geholfen, sondern nur auf seinem Thron herum gesessen und in deren vage Richtung gedeutet hat. Jedenfalls hat er sich einen spirituellen Ehrenkodex einfallen lassen, nach dem zu handeln doch toll wäre. Der setzt sich aus der Dreifaltigkeit von Wahrheit, Liebe und Mut zusammen, woraus sich wieder die 8 Tugenden ableiten. Das sind wirklich hauptsächlich solche no-brainer wie „nicht lügen“, „nicht stehlen“, „nicht morden“, „sei mutig“, „sei gerecht“, sei bescheiden“ und all solches Gutmenschtum. Damit dies allerdings wirklich gut in Britannia ankommt, braucht es einen Avatar, der sich in allen 8 Tugenden ausgezeichnet hat, und anschließend den Stygian Abyss meistert. Sind wir also nur hierher geholt worden, um für Lord Britishs Propaganda-Maschine das Aushängeschild zu werden?

Tatsächlich macht das Ultima IV zu einem sehr unkonventionellen Spiel. Richard Garriott hat nämlich mal auf seine vorigen drei Teile und das frühe Genre an sich reflektiert und sich gefragt, ob es wirklich so heldenhaft ist, sich einfach zu einem großen Bösen durchzmeucheln, währenddessen eventuell unschuldige Hindernisse gleich mit zu morden oder zu beklauen. Städte ausrauben und Wachposten töten, weil man so schneller ans nötige Gold und EXP kommt, die man grinden muss, um stark genug zu sein, um Mondain/Minax/Exodus zu töten. Seine Antwort in Ultima IV ist dann, dass es eben nicht wie üblich darum geht Horden an Monster zu besiegen, bis man sich einem großen Übel stellen kann. Ein solches gibt es hier gar nicht. Nein, Ziel ist es nach einem heldenhaften Ehrenkodex zu handeln, um Jesus zu werden. Natürlich kann man weiterhin Wachen für die Erfahrung umbringen und aus sich wieder füllenden Schatzkisten in den Städten klauen, aber dann verringern sich die Tugend-Werte, was einen weiter vom Spielziel weg bringt, statt näher dran.

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