GameBoy Obscurities: Ultima Exodus

ava-1764Ultima an sich ist generell gesehen natürlich wenig obskur, so als eines der ersten kommerziell releasten Computerrollenspiele, welches über den Verlauf von fast 20 Jahren 9 Hauptteile mit sich brachte, und dessen MMORPG erneut eines der ersten des Subgenres war und bis Heute (17 Jahre nach Erstrelease) noch gespielt wird. Der GameBoy hat auch zwei Spinoffs abbekommen, doch um die Action-Adventure der Runes of Virtue soll es hier nicht gehen. Sondern um einen Hauptteil, aber kein offizielles Release, sondern das von einem Fan zur GameBoy Color ROM gewandelte Ultima III.

Man muss dabei immer natürlich bedenken, wie alt das Spiel ist. Die ursprüngliche Version von Ultima Exodus kam bereits 1983 auf den Markt, ist somit genauso steinalt wie ich es bin. Und die Fanversion hält sich sehr nah dran, ersetzt freilich die fehlenden Button-Keys mit einem Menü, und hat die Grafik aufgehübscht. Zumindest je nachdem, mit welchem man es vergleicht, es hat nämlich schlicht mehr Farbvariation als im DOS-Release, macht es somit ungefähr auf Stand mit dem Aussehen der Version für den stärkeren Apple II. Oder anders gesagt ist es immer noch hässlich wie die Nacht.

Also erst mal eine Gruppe erstellt, zum ersten Mal in Ultima darf man das hier. Aus den üblichen Tolkien-Rassen und D&D-Klassen, da das hier ist, bevor entschieden wurde, dass der Hauptcharakter immer der gleiche menschlich-männlicher Avatar in den Spielen war. Paladin, Thief, Cleric und Wizard, die Standard-Gruppe ist’s im Prinzip geworden. Anschließend 50 Punkte auf Strength/Dexterity/Wisdom/Intelligence verteilt und fertig. Die sind übrigens fix, bei Level ups erhöhen sich nur die HP, nicht jene Werte. Mit 50 Punkten wird man allerdings nicht durchs Spiel kommen – an einem bestimmten Punkt im Spiel können zusätzliche Punkte gekauft werden, für 100G pro Statuspünktchen. Dann noch Rationen einkaufen, zwar nur 1G pro Ration, dafür wird aber auch alle paar Schritte eine verbraucht, nicht erst pro Übernachtung wie in Might & Magic. Der Gold-Grind kann also beginnen. Immerhin muss kein Equip gekauft werden, da man eigentlich früh im Spiel, sobald man eine Gruppe Piraten gemeuchelt und deren Schiff gestohlen hat, auf zwei Inseln einfach nach dem Exotic Equip graben darf, die bereits die Endgame-Ausrüstung darstellen.

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Tatsächlich muss man nicht nur Sachen wie [Talk], [Look] oder [Attack] aus den zwei Seiten an Menü-Kommandos wählen, sondern anschließend dann teilweise auch noch, von welchem Charakter aus in welche Richtung dies bitte denn gehen soll. Ist halt schon sehr umständlich, wenn man kontext-sensitive Knöpfe gewohnt ist, statt erst in zwei Dutzend Optionen zu schauen, welches das benötigte Übel ist. Wohl immer noch besser, als auf jedem Buchstaben des Keyboards einen Befehl zu haben, die man sich potentiell alle merken muss.

Mit einem 4er-Team kommt bei Exodus auch eine neue Kampfansicht daher. Wird mit einem der sichtbaren Gegner kollidiert, geht es in einen eigenen Kampfbildschirm, jedoch dieser nun ebenfalls aus der Vogelperspektive, rundenweise bewegen sich nun die Feinde und das eigene Team aufeinander zu, um sich eines auf die Rübe zu geben. Das ist dahingehend etwas schade, als dass es eben nicht mehr die großen detaillierten Feinde (vergleichsweise zumindest) der Vorgänger gibt, sondern die Optik im Kampf nun genauso schnöde ist wie im Rest des Spieles, mit den kleinen Fitzelsprites, bei denen man nicht erkennt, was sie eigentlich darstellen sollen.

Es ist interessant, dass Ultima später durch das Virtue-System auf sich aufmerksam gemacht hat, denn die beste Möglichkeit, um dem Goldmangel im Anfangsstadium des Spieles Herr zu werden, ist schlichtweg die Städte auszurauben. Zumindest mit einem Dieb im Team ist die Gefahr gar nicht mal allzu groß, dass einem einer dabei erwischt und die Wachen einen angreifen, selbst wenn man die Truhen direkt unter den Augen der Ladenbesitzer knackt. Die beste EXP-Quelle ist, sobald man sich die Stats zum Überleben jener Kämpfe gekauft hat, die Wachen von Lord British zu meucheln, da sie gut geben, aber nicht so schwer sind, wie die anderen hohen EXP-Gegner. Um die Erfahrung anschließend gegen Level einzutauschen muss man eh bei Lord British vorsprechen.

Ganz so viel ist im Spiel eigentlich gar nicht minimal zu machen. Vier Marken in Dungeons holen, um sich überall bewegen zu dürfen; vier Karten in Ambrosia sammeln, um Exodus besiegen zu dürfen; Exodus Schloss stürmen, um dies dann auch zu tun – wobei Exodus selbst kein Gegner ist, sondern die Herausforderung beim Supercomputer anzukommen, um ihn crashen zu dürfen, inklusive berühmten Kampf gegen den Fußboden. Nur wird die Spielzeit durch viele kleine Nervigkeiten verlängert. Gold Grinden, um sich reichlich Statuswerte zu kaufen, damit man eine Chance gegen die Endgame-Gegner hat. EXP grinden, um den HP-Puffer für selbigen Zweck zu erhöhen (btw bekommt nur derjenige Charakter Erfahrungspunkte, der den Todesschlag vollstreckt hat). Nicht vergessen Rationen einzukaufen, um auf den Trips nicht zu verhungern, Fackeln fürs Licht in den Dungeons, Schlüssel um Türen zu öffnen. Mit dem Schiff den Whirlpool finden, trotz nerviger gegnerischer Schiffe und lahmlegenden Windwechseln… blahrgl.

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Speziell an der GBC-Version ist übrigens, dass man die [Other] Kommandos wie [Dig] oder [Search] erst bekommt, wenn der richtige NPC einem was dazu gesagt hat. Ziemlich sicher bei den PC-Versionen kann man die einfach so eintippen, ohne sie „gelernt“ zu haben. Auch ein Kuriosum im Spiel: MP sind komplett abhängig vom Wis/Int-Stat. Sprich ein Cleric/Wizard hat maximal 99MP, und hat von Beginn an alle Zauber zur Verfügung. Nur kann ein 70MP-Zauber eben erst gesprochen werden, wenn man mindestens so viele MP hat, und dann müssen sie langsam regenerieren, was sie immerhin automatisch tun mit der Zeit, sowohl im Kampf wie auf der Oberwelt, wenn man beständig Pass macht, um seine Runde zu übergehen. Kostet natürlich wieder Rationen. Deswegen geben auch Fuzzys die besten Wizards und Bobbits die besten Clerics her, weil sie die einzige Rasse sind, die den jeweiligen Status auf 99 bringen können.

Macht natürlich Exodus Castle eventuell zu einer Geduldsprobe, und einer der Gründe, warum neben dem Gold-Grind für jene Stats auch der Level-Grind für die HP wichtig ist: Denn nicht nur sind die Gegner richtig stark, sondern beim Rasten wird man immer mal wieder von einer Explosion erwischt. Benötigt also einen ziemlich hohen Puffer, um es bis ans Ende zu schaffen.

Ganz besonders an der GBC-Version ist zudem, dass es ein Second Quest gibt, sobald das Hauptspiel beendet ist, um Ultima III und IV zu brücken. Wenn man denn wirklich immer noch mehr Ultima III will…

Nun gut, ich habe immerhin damit jetzt eine weitere Bildungslücke geschlossen bekommen, und auch einen Teil der Ultima-Franchise gespielt. Das ich nicht so sonderlich warm werde mit 30 Jahre alten RPGs, besonders WRPGs, sollte bekannt sein, und Ultima III: Exodus hat daran natürlich auch nicht viel ändern können. Dafür isses mir einfach zu grindy und hässlich. Historisch interessant, Spielspaß-technisch fragwürdig.

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