Too much game: Xenoblade Chronicles

ava-1758Ähnlich wie mit Solatorobo, Okamiden und Radiant Historia beim DS, hatte auch die Wii gegen Ende ihrer Lebensspanne ein Triumvirat an gehypten Releases. Während es allerdings um The Last Story nach Release ziemlich schnell ruhig wurde, und um Pandora’s Tower dann schon gar kein Pieps mehr gemacht wurde, hörte man von Erstrelease Xenoblade Chronicles selbst ein halbes Jahr später noch die Jubelrufe, die es zum Messias, der gekommen ist das JRPG-Genre zu retten, erhoben. Das liegt aber wohl auch teilweise daran, dass Xenoblade zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Die Sache ist einfach die, dass JRPGs in der aktuellen (bzw. ist es ja jetzt schon die vorige) Generation zusehends auf die mobilen Devices gezogen sind und sich auf den stationären Konsolen rar gemacht haben, auf der Wii sowieso, und häufig eine wesentlich stärker abgesteckte Spielwelt lieferten, als die vorigen Generationen. Da kommt ein Offline-MMORPG wie Xenoblade an und plötzlich haben die ausgehungerten Genre-Jünger natürlich spontan multiple Orgasmen. Denn ganz so genial ist Xenoblade dann doch auch nicht, wenn man es genauer unter die Lupe nimmt.

Apropos The Last Story und Xenoblade Chronicles: So ein wenig erinnern mich Monolith Soft und Mistwalker Studios ja aneinander. Beide gegründet von Ex-Square-Mitarbeitern, beide unter großen Hoffnungen neue Games gemacht, und beide schienen immer wieder nahe am Versagen zu sein, weil sie doch nicht die Absatzzahlen bringen, die sie müssten, bis Nintendo sich ihnen dann erbarmt hat. Apropos untergehende Ex-Squareler… was machen die Shadow Hearts Leute eigentlich mittlerweile?

Ironischerweise wünschte ich mir wirklich Xenoblade wäre nicht auf der Wii, sondern einer Konkurrenzkonsole, obwohl Xenoblade nirgendwo denn auf der Wii machbar gewesen wäre. Denn ein Spiel diesen enormen Umfangs wäre auf HD-Konsole einfach viel zu kostspielig, erst recht bei einer neuen IP vom eher kleinen Studio Monolith Soft, deren meisten Spiele wie ASH, Away, Baten Kaitos oder selbst die späteren Xenosagas nicht gerade viel Gewinn generierten. Das Problem ist einfach, dass die Wii konzeptionell von Nintendo aus einfach fürs kurze Spielen Zwischendurch gemacht ist. Für Partyspiele zu launigen Freundesabenden und dem kleinen Spielchen ein oder zwei Stündchen hier und dort mal. Sich am Wochenende hinter die Konsole klemmen und ordentlich 5-6 oder mehr Stunden am Stück zu zocken… das ist einfach nicht das Konzept hinter der Spaßkonsole. Und genau so ein Spiel ist Xenoblade. Die dämliche Wiimote mit ihrer Bewegungssteuerung ist sowieso Müll für alles, was eben kein schnelles Partyspiel ist, aber ehrlich gesagt selbst mit Classic Controller eingestöpselt kommt nicht das gleiche Langzeitgaming-Feeling auf. Wobei, allemal besser als sowas wie Xenoblade auf einem kleinen Handheld-Screen spielen zu wollen.

Tatsächlich hat es mich eine Weile gebraucht, um durch Xenoblade zu kommen. Und damit meine ich nicht nur die monströse Gesamtspielzeit, die das Game von einem an Sitzfleisch abverlangt, in meinem spezifischen Fall auf satte 91 Stunden summierend, von denen ich nicht wüsste, wann ich jemals so lange an einem anderen Spiel gesessen hätte, die aber locker übertroffen werden können, wenn man als Zwangsneurotiker alles gemacht haben will. Nein, ich habe es bereits Anfang 2013 mal für über 30 Stunden gespielt gehabt, damals haben mich allerdings viele Kleinigkeiten so genervt, dass ich es erst mal beiseite legte. Und dann wurde dieses Spiel angefangen, und dann jenes, und plötzlich ist es Ende 2014 und ich muss ganz von vorn beginnen, wenn ich es wirklich je beenden wollte. Das war eigentlich retrospektiv gar nicht ganz so übel, denn meine Erfahrung durch den ersten Anlauf, plus ein paar Hilfen aus dem Internet, haben doch dazu geführt, dass ich diesmal etwas weniger gereizt durch das Spiel gehen konnte, weil ich wusste was mich erwartet, und auf welche Nervfaktoren ich mich einstellen muss. Es ist tatsächlich so, dass man Xenoblade in einem ganz bestimmten Mindset haben muss, um mit glücklich zu werden, dann ist es allerdings doch ein ziemlich cooles Spiel.

Eines davon ist, dass in Xenoblade einfach viel zu viel Spiel steckt. Ist schon interessant, wenn man bedenkt das Tetsuya Takahashi dafür bekannt ist, besonders bei Spielen mit Xeno im Titel, Probleme mit der Deadline zu haben. Man erinnere sich mal daran, wie Xenogears auf der 2. CD quasi zum Visual Novel wird, und all die Probleme die Xenosaga Episoden realisiert zu bekommen. Kein Wunder, wenn Xenoblade das Spiel ist, welches dabei raus kommt, wenn man ihm seine Zeit lässt. Die hätte Yasumi Matsuno damals bei Final Fantasy XII sicherlich auch gern gehabt, denn so ganz unähnlich sind sich die Spiele nicht.

Denn auch Xenoblade spielt sich im Prinzip wie ein offline Singleplayer-Modus eines MMORPGs. Die Welt ist scheinbar gigantisch, mit riesigen Arealen voller Mobs, die durchaus auch schon mal erst für später gedacht sind und die Gruppe momentan im Level überragen, plus spezielle Unique Monster. In jeder Stadt poppen dutzende an Ausrufungszeichen auf, an Nebenaufgaben, welche die Bevölkerung erledigt bekommen will. Fast alle eigentlich in die üblichen drei Kategorien fallend: „Besiege [Anzahl] von [Monster]“, „Besiege [Unique Monster]“, „Sammle [Anzahl] von [Gegenstand]“. Wem das schnell zu blöd wird, nun wirklich andere Sidequests gibt es nicht zu holen. Selbst das Kampfsystem ist recht MMO-esque, denn nach dem Festlegen des Gegners geht es in den Auto-Angriff, man selbst wählt dann nur noch die Skills an, die unter Cooldowns sich wieder aufladen, während die zwei nicht aktiv gespielten Mitstreiter komplett von der KI übernommen sind. Positionierung zählt für gewisse Angriffe, so wie den Aggro zu halten/nicht zu viel zu generieren, doch hauptsächlich ist es mit der Zeit ein ziemlich gewohntes Ding des gleichen Dial-your-Skills. Während die KI übrigens durchaus brauchbar ist, habe ich dennoch mal wieder etwas die Gambits von Final Fantasy XII vermisst, um sie situationsbedingt etwas umprogrammieren zu können.

Und scheiße was ist die Welt so toll anzusehen. Natürlich hat Xenoblade gewisse Wii-Problemchen, wie zu rudimentäre Charakteranimationen, zu viel Treppchenbildung in den Feinheiten, Clipping der Rüstung, oder pixelige und schwammige Texturen… doch man bekommt was die Szenerien an sich angeht wirklich was aufs Auge. Wenn man zum ersten mal Bionis Bein betritt, der ersten richtig weiten Ebene im Spiel, mit hübscher Skybox und den Bergen im Hintergrund. Man dort merkt, dass es wirklich keine Invisible Walls gibt, sondern man alles, was man sieht, auch erreichen kann, und überall runter springen/fallen darf. Wenn es im Satorl Marsh das erste Mal Nacht wird. Der erste Regenbogen über dem gigantischen Wasserfall im Makna Wald. Das wunderschöne Wasser des Eryth Sees mit der monumentalen Stadt Alcamoth darüber schwebend. Von einem reinen Design-Standpunkt aus droht einem bei Xenoblade regelmäßig mal die Kinnlade runter zu klappen. Eine Welt, die zum Erkunden geschaffen ist, und wo es tatsächlich dann auch mal fast eine Stunde dauern kann, bis alle Wegpunkte entdeckt wurden. Ich finde es auch sehr schön, dass man fast immer ein echtes Gefühl davon hat, wo auf dem Riesen man momentan ist, selbst wenn es das Spiel nicht beim Betreten einblenden würde. Xenoblade lebt tatsächlich viel von seinem genialen Bühnenbild, was auch einer der Gründe ist, warum die meisten dem Rerelease auf dem New 3DS mit seinem mickrigen, niedrigauflösendem Bilschirm ziemlich skeptisch gegenüberstehen. Auch steckt viel Liebe zum Detail im Spiel, nicht nur was die Landschaften angeht. Beispielsweise sieht man die Rüstung an den Charakteren, und die Designs sind sogar auf sie abgestimmt, so dass jeder (ohne zusätzlich Farbvarianten zu berücksichtigen) 9 distinkte Looks anhaben kann. Das Spiel merkt sich sogar, was man ihnen angezogen hatte, für die Flashbacks. Da ist es etwas komisch, dass dann plötzlich die Sprechanimation in einigen Instanzen nur ein regelmäßiges Mundschnappen ist, als wären sie erstickende Fische, statt auf das Gesprochene zu passen. Oder das die Geh- und Rennanimationen nicht ganz mit der tatsächlichen Bewegungsgeschwindigkeit in den Cutscenes kongruent läuft.

Was natürlich bei einem Spiel mit so viel Umgebungserkundung und dutzende Stunden Sidequests am Stück etwas abträglich ist, ist das Pacing der Handlung, die dazwischen schnell ähnlich Final Fantasy XII schlichtweg verloren geht. Da kommt man entgegen Spielen mit kaum/rudimentärer Handlung wie Fantasy Life oder Kingdom of Amalur bei Xenoblade schnell in die Zwickmühle, sich nicht so richtig entscheiden zu können, ob man nun mehr Nebenzeug machen oder doch die Handlung voranbringen will, bevor man restlos vergessen hat, warum man eigentlich noch mal überhaupt in dieses neue Gebiet gekommen war. Wobei es Xenoblade einem recht einfach macht den Fade erneut zu finden, nicht nur dank einer Recap-Funktion, die sich nachlesen lässt, sondern weil einfach auch viel der Handlung recht Standard ist.

Aber erst mal dazu, worum es geht. Das Spiel beginnt mit dem Kampf der zwei Riesen Bionis und Mechonis im Wasser, der zu einem Stillstand kommt. Das war ein Flashback und schnell werden auch deren Namen klar, denn mittlerweile hat sich auf Bionis eben biologisches Leben entwickelt, zu dem unsere Truppe um Shulk gehört, während von Mechonis immer wieder Maschinen zum Angriff vorbei geflogen kommen, die nur mit dem Schwert Monado zu besiegen sind, welches sich nur von Shulk richtig führen lässt, ihm sogar Zukunftsvisionen beschert, die er dann abwenden kann. Das ist ganz cool gemacht, da es sich auch auf das Gameplay auswirkt: Bereitet ein Gegner eine ganz besonders starke Superattacke vor, bekommen wir das in Form eines kleinen Visions-Clips gezeigt, mit einem Countdown, bis sie treffen wird, womit Shulk sie mit den Monado Arts zu vereiteln versuchen kann.

Teilweise mag es etwas daran liegen, dass ich einfach auch so unglaublich viele Spiele des Genres gezockt habe, dass mich nicht mehr wirklich viel in jenen überraschen kann. Zum Teil bleibt Tetsuya Takahashi auch einfach gern bei gleicher Thematik, besonders wenn man seine anderen Xeno-Spiele kennt (obwohl Xenoblade eigentlich ja nichts mit ihnen zu tun hat). Und zum Teil ist es auch einfach das Konzept von Xenoblade, dass viel Forshadowing betrieben wird, gerade eben auch durch besagt Visionen. Es kam zumindest wenig überraschend, was wirklich das Geheimnis hinter den Gesichts-Mechons ist, was die erste große Revelation zur Spielhälfte darstellt. Die drei Verräter sind auch ziemlich schnell aus dem Cast gepickt. Und das Gott eigentlich ein Arsch ist, der bekämpft gehört; man gegen Schicksal und Vorherbestimmung mit gemeinsamer Kraft ankämpft; einem ein cooles Mecha-Girl an die Seite gestellt wird; und ein Charakter sogar noch hinter Gott die esoterischen Fäden zieht – all das gehört wie gesagt sowieso zum guten Ton in einer Takahashi-Storyline.

Wie gesagt ist es teilweise sicherlich auch konzeptionell gedacht, dass im Handlungsverlauf des Spieles letztendlich wenig bis gar nichts geschehen wird, was man nicht schon vorher kommen sah. Da ist es doch auch ganz schön, dass dies nie stört, sondern ich dennoch eigentlich immer darin investiert war, was geschah, auch wenn ich es eigentlich schon wusste. Vielleicht auch einfach, weil nach den langen Pausen zwischen Story-Brocken endlich mal wieder einer kam. Aber auch, weil das Staging der Cutscenes wirklich toll anzuschauen ist. Und auch, weil die Charakterriege eigentlich wirklich eine sympathische ist. Selbst Riki, der Fellknäuel-Maskottchen-Charakter des Spieles, bei dessen ersten Auftreten ich ernsthaft Angst hatte, er würde mir tierisch auf den Geist gehen, ist eigentlich ganz charmant und nur punktuell eingesetzt, um die Stimmung zu heben. Er wird beispielsweise nie ganz unpassend dramatisch gekreuzigt wie ein gewisser rosa Hamster in einem anderen Xeno.

Aber mal zurück zu den kleinen Problemen im Spiel, die sich schnell summieren und den Spielspaß verderben können, wenn man nicht darauf vorbereitet ist, und damit einhergehend ein paar Tipps.

Wie der Post-Titel bereits sagt, ist einfach zu viel Spiel im Spiel. Wer alle Sidequests machen und alle Unique Monster erledigen will (viele Endgame-Viecher und ein paar optionale Bereiche voll mit welchen in den Leveln 90 und höher, also stärker als der finale Boss), der darf hunderte Stunden mitbringen. Und dann entdeckt man so Zeug, wie das man mit NPCs nicht nur sprechen, sondern auch Gegenstände tauschen kann. Und das Charaktere, die sich im Kampf helfen, Affinität miteinander aufbauen, was aber nicht nur ein paar optionale Gespräche zwischen ihnen freischaltet, sondern auch genutzt werden kann, um Passivskills zwischen ihnen zu verlinken. Dann schmeißen die Gegner auch noch mit Loot ohne Ende um sich, darunter auch Kristalle, die je nach Ausgangsmaterial und helfendem Charakter vom Team zu Edelsteinen geschmiedet werden können, die wiederum in Rüstung und Waffen eingesetzt weitere Hilfe bieten. Gleiches Equip hat nicht immer gleich viele Slots dafür. Mit dem Reden aller benannten NPCs und erledigen von Sidequests steigt zudem die Affinität des jeweiligen Areals mit Shulk, was weitere Sidequests und Tauschangebote frei schaltet. Harvest Spots in den Gebieten hinterlassen diverse Gegenstände, die einer Kollektion zugeführt werden können. Eine Stadt darf neu aufgebaut werden. In Xenoblade gibt es gelinde gesagt viel mehr potentiell zu tun, als für ein einzelnes Spiel nötig ist.

Und das führt einfach schnell dazu, dass man sich von den ganzen Optionen erschlagen fühlen kann. Mein Rat also direkt: Sich keinen Stress machen. Xenoblade sollte man gar nicht mit dem Ansatz beginnen, auch nur davon zu träumen, alles zu erledigen. Ist auch gar nicht nötig. Affinität und Tauschgeschäfte kann man beispielsweise direkt aus den Augen verlieren, ohne dass es allzu nachteilig wird. Edelsteine hat man auch als Questbelohnungen, und es ist zwar ganz gut, auch welche zu schmieden, aber erneut muss bei der schieren Anzahl an gedropten Kristallen nicht allzu viel überlegt werden, welche genau nun. Und vor allem regelmäßig verkaufen. Das Inventar von Xenoblade ist Müll. Es gibt zwar Sortieroptionen, aber bei dem ganzen Zeug, das von Gegnern fallengelassen wird, ist das bald eine unübersichtliche Müllhalde. Regelmäßig Rüstung und Juwelen ausmisten. Die Erntegegenstände allerdings in Ruhe lassen, denn sie sind random, einige echt rar, und man will wirklich nicht gerade das verkauft haben, was man für ein neues Quest gebraucht hätte, und was schon seit 2 Stunden nicht erneut spawned. Des Geldes wegen verkauft man in Xenoblade eh nix, denn ich hab ehrlich gesagt nie was in den Läden gekauft, da Rüstung und Gems auch durch Sidequests/Drops zu erhalten sind, und konsumierbare Gegenstände gibt es im Spiel nicht.

Ratschläge für die Quests: Auch hier keinen Stress machen. Es gibt Dutzende über Dutzende davon pro Stadt, aber jeder NPC hat seinen gewissen Tagesablauf, ob und wenn wo er wann anzutreffen ist, teilweise haben sie sie erst als Folgequest zu irgendwas, und die hilfreichen ! sind erst auf der Minimap zu sehen, wenn man ihnen bereits nahe gekommen ist. Ich bin in einer neuen Stadt oder nach einem großen Spielfortschritt ein mal tags und ein mal nachts eine Runde durch sie gelaufen, habe alle gefundenen Quests angenommen, und gut war. So habe ich einen Großteil gemacht, aber mich nicht unnötig gestresst alle finden zu müssen, weil ich den NPC verpasse, der ganz abseits steht, und zwar nur zwischen 3 und 5 Uhr morgens, und nur wenn ich bereits von drei anderen Leuten welche erledigt habe. Wer einen Großteil der Quests erledigt, wird sowieso Stunden über Stunden zwischen Handlungsfortschritten zu tun haben, und hoffnungslos überlevelt und überausgerüstet alles darin zu findende überrennen. Da muss man nicht wirklich alle 500 im Spiel erledigen.

Ein weiterer Tipp für jene: Kein falsches Ehrgefühl, schaut ruhig im Internet nach Hilfe. Das Questsystem ist nämlich auch ziemlich schlecht. Das Spiel offeriert zwar ständig einen Marker, der zum nächsten Plotpunkt deutet, aber Quest Marker gibt es nicht. Die Beschreibung sagt nicht immer, wo die Ziele zu finden sind, und bei den riesigen Gebieten eh auch wenn nicht so ganz genau. Und auch wenn die meisten davon erledigt sind, sobald man gemacht hat, was man machen soll, für einige muss dann doch der Questgeber wieder aufgesucht werden, und wie gesagt geht der einem durch die Tagesrhythmen auch schnell mal verloren. Schaut also ruhig in einen FAQ, wo genau die Monster zu finden sind, die man besiegen soll. In welchen Spawn Points die Gegenstände auftauchen können. Und wo und wann der verdammte NPC anzutreffen ist, um den Erfolg zu präsentieren. Einige rare Harvest Spawns kann man übrigens auch per Tausch mit den richtigen NPC bekommen, statt auf sie ewig warten zu müssen. Weitere Questhilfe: Save/Reload. Speichern und neu laden regeneriert die Gegner, was praktisch ist, wenn man X umbringen muss, aber nur wenige im Gebiet zu finden sind. Außerdem sind deren Drops erst festgelegt, wenn man die Truhe öffnet. Speichern, öffnen. Questgegenstand nicht drin? Laden und neu öffnen, bis er es ist.

Es war schon etwas schockierend, wie benutzerfreundlich Xenoblade teilweise ist (überall speichern, schneller Warp zu Landmarken, Tod ist bedeutungslos und respawned einen bei jenen ohne Verlust, auch inaktive Mitglieder werden vom Level angepasst) und dann im Menü- und Quest-Design sich doch so viele unfreundliche Schnitzer leistet, die einem jene schnell vergällen können.

Auch sehr überrascht war ich vom Fehlen jeglicher Spielbalance. Denn das Levelfenster ist doch arg eng gesteckt im Spiel. Ist man 4+ Level über den Gegnern, hat man immer leichtes Spiel. Ist der Gegner 4+ überm Team, sind sie fast unschaffbar. Dazu kommen noch gestaffelte Erfahrungspunkte, durch die eigentlich nur welche mit gelber Namensplakette (ein paar Level über dem Team) gut EXP geben. Wer wie gesagt viel Sidequest macht, die alle gut Erfahrung geben, ist sowieso weite Teile nach überlevelt. Zumindest, solange man auf Bionis ist. Wenn es dann aufs letzte Spieldrittel nach Mechonis gibt, ändert sich das schnell. Sidequests gibt es weite Teile über gar keine, nur kurz drin und kurz vor Ende wirklich viele. Gegner sind aggressiver und haben höhere Levelsprünge, zudem sind die Gebiete geradliniger, man muss also auch an vielen vorbei. Da fühlt man sich, obwohl man vor wenigen Minuten noch hoffnungslos überlevelt erschien, plötzlich für weite Strecken unglaublich unterlevelt. Das ist erneut vom Design her gewollt: Weniger Quests, damit die nun richtig in Schwung gekommene Story ein schnelleres Pacing bekommt. Aggressivere Gegner, weil man auf Feindesland ist. Keine tollen Lokalitäten mehr, sondern karge Metalllandschaften, weil man eben auf Mechonis statt Bionis ist, deren Namen bereits den Ton angeben. Dennoch kann dadurch das Endgame von Xenoblade schnell auch mal erneute Frust aufkommen lassen, die man eigentlich glaubte hinter sich gelassen zu haben, nachdem man sich an die vielen kleinen Problemchen auf Bionis angefreundet hatte.

Was sicherlich in Xenoblade nie nachlässt, ist die Musik. Ach was bekommt man dort so alles aufs Ohr. Selbst in den drögen Mechonis-Bereichen, deren fast einzigen Highlight die Weitsicht nach oben und unten ins Innere der Mechanik sind, bleibt jene superb. Interessant daran ist, dass abgesehen von Yasunori Mitsudo der Rest der Kompositions-Riege eher unbekannt zu sein scheinen. Tolle Arbeit leisteten sie allemal hier, die Stimmung der Cutscenes oder Lokalität wird immer sehr passend eingefangen.

Und das ist eben einfach irgendwie Xenoblade. Wirklich episch, in vielen guten wie auch einigen abträglichen Definitionen des Wortes. Die Welt ist cool und gigantisch, es gibt viel zu tun um sich lang damit beschäftigen zu können, es ist charmant präsentiert. Aber es ist auch überstrapaziert und bietet viele kleine Schnitzer, ausgerechnet auch im ständig unter Benutzung stehendem Interface. Ein sehr gutes Spiel ist es dennoch, aber eben doch keine spontanen Orgasmen auslösend. Andere stören sich sicherlich aber auch nicht an den gleichen Dingen, beispielsweise liebe ich ja Persona 3, obwohl sich das ebenfalls so einige Problemchen leistet und überlang ist.

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2 Kommentare

  1. Danke für die Zusammenfassung. Jetzt weiß ich doch, dass ich das Spiel nicht spielen werde (auch wenn die Wii gerade die einzige Konsole wär, die ich noch hätte), und ich dem Genre weiterhin den Rücken kehre. Deine Konsolentheorie finde ich spannend –> vielleicht ist wirklich das Ende der großen JRPGs mit dem Umstand verbunden, dass die Inszenierung auf den Post-PS2 Konsolen einfach zu verdammt teuer gewesen wäre. Auf den weniger Anspruch fordernden Handhelds hat’s ja nach wie vor funktioniert.

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  2. Ich glaube, ich streich das Spiel auch von der Wunschliste :D So umfangreiche Titel packe ich einfach nicht mehr.

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