Verhoeven Wednesday – Soldaat van Oranje

ava-1757Kommen wir nach einer kleinen Pause also zurück zum regulären Sendeplan, mit einem weiteren Film Paul Verhoevens, produziert von Rob Houwer, basierend auf einem autobiographischen Buch, mit Rutger Hauer in der Hauptrolle: Soldaat van Oranje. Übrigens damals der teuerste niederländische Film, Keetje Tippel ablösend, und nach Turks Fruit auf dem zweiten Platz Hollands Filme des Jahrhunderts.

Der Film nimmt uns das Ende dann gleich mal vorweg, in dem er ein News-Filmchen bringt, welcher die ersehnte Wiederkehr von Königin Wilhelmina aus dem Exil am Ende des Zweiten Weltkrieges zeigt, im Hintergrund ihren Bodyguard Rutger Hauer.

Dann springen wir vom Kriegsende zu noch vor Kriegsbeginn, in ein Aufnahmeritual einer Universitätsbruderschaft, bei der Frischling Erik (Hauer) die Bekanntschaft andere Anwärter macht, vom Bruderschaftsoberhaupt Guus verletzt wird, der Erik anschließend bei ihm wohnen lässt. Der Rest des Filmes dreht sich nun um die Gruppe an so zueinander gefundenen Freunden: Studenten Erik, Guus, Jan, und Alex, sowie Eriks Freund Robby und dessen Freundin/Verlobte/Frau und scharf auf Erik seiende Esther.

Schnell nach früh ihn 1940, wenn der Krieg zwischen England und Deutschland ausbricht, alle noch meinen dies sei a) schnell rum und b) würden sich die Niederlande eh raus halten, sich sogar etwas lustig machend über ihre jüdischen Freunde, die das aus gutem Grund besorgter sehen. Zum Kriegseintritt der Niederlande in den Krieg, die baldige Kapitulation und Okkupation durch Deutschland, Wilhelmina nach England fliehend.

Jan ist schnell aus dem Blickfeld, dem Erik seinen Platz auf einen geheimen Flug nach England abgeben wollte, wo er von Robby angeleiert an der Widerstandsbewegung teilhaben wollte. Es fliegt auf, Jan wird gefoltert, hält dicht, stirbt. Alex derweil war der holländischen Armee beigetreten, wurde wegen seiner deutschen Mutter eh als Faschist beschrien, und ist nun bei den Nazitruppen eingegliedert. Robby ist beim Widerstand, wird erwischt, und über das Wohlergehen seiner jüdischen Esther dazu erpresst, ein Maulwurf für die Nazis zu sein. Erik und Guus machen ihren Abschluss, flirten mit Militär und Widerstand, werden beinahe erwischt, und geraten doch tatsächlich nach England und zur Königin, wo sie den Auftrag erhalten, diverse wichtige holländische Persönlichkeiten aus dem Heimatland zu schmuggeln, damit Wilhelmina mit ihnen Pläne schmieden kann.

Soldaat van Oranje hat bei mir schon gleich mal ein persönliches Problemchen: Ich steh ehrlich gesagt nicht wirklich auf Kriegsfilme, schon gar nicht zu den zwei Weltkriegen. Und das hier ist nun mal ein Kriegsepos um eine Gruppe Freunde, die zum Zweiten Weltkrieg aktiv oder auch nicht auf die verschiedenen Seiten des Konfliktes geraten. Wobei man die meiste Zeit eh mit Erik und Guus verbringen wird, besonders nach der ersten Stunde des 150-Minuten-Filmes. Was etwas schade ist, denn man hätte durchaus etwas mehr die anderen Charaktere reinbringen können, um mehr Dimension am Konflikt zu bieten. Besonders schade ist hierbei die Rolle von Alex, der sich bei den Nazitruppen wiederfindet, aber scheinbar noch zu seinen Freunden halten will, nur dann irgendwie ganz aus dem Film verschwindet, bis bei seiner Todesszene doch ein Arschloch aus ihm wurde. Er wäre halt eine gute Gelegenheit gewesen, zu zeigen, dass nicht jeder auf jener Seite damals von Grund auf böse war. Stattdessen ist er dann plötzlich doch der schmierige Nazi, der seine Brotreste lieber in den Dreck wirft, statt einem hungerndem Kind zu geben – natürlich ganz im Gegensatz zu den ehrenhaften holländischen Truppen zu Filmbeginn, die dem Milchmann sogar noch einen Bonus gegeben haben. Auch Robbys Moralkrise, der ja nur zur Mitarbeit gezwungen wird, hätte etwas besser ausgebaut werden können. Stattdessen ist Esther, die ja selbst jüdisch ist und von nichts was wusste, wenn auch viel erahnte, nicht mal sauer, wenn sie nach Kriegsende dessen Karma erntet.

Ich glaube ich habe hier einfach auch schlichtweg das gleiche Grundproblem wie bei Turks Fruit: Ich war zwar nie während des Ansehens des Filmes gelangweilt, aber ich konnte mich auch nie genug um die involvierten Charaktere scheren, um wirklich Interesse an deren Schicksal zu haben. Stattdessen ging mir allerdings die eine einzelne, patriotisch klingende Melodie mit der Zeit auf den Keks, die permanent eingespielt wird.

verhoeven04

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