Ace Attorney Week – Apollo Justice

ava-1754Turnabout Trump mag das übliche, kurze Tutorial gegen Winston Payne sein, doch hat es ziemlich viel unterzubringen, muss es uns doch zeigen, was alles in den Jahren seit Trials & Tribulations anders ist. Als frischer Verteidiger Apollo „Chords of Steel“ Justice müssen wir also den unter (natürlich) Mordanklage stehenden Phoenix Wright verteidigen, der vor 7 Jahren seinen Beruf an den Nagel gehängt hat. Stellt sich heraus sein Freund und Apollos Mentor, Kristoph Gavin, war es. Warum erfahren wir noch nicht.

Nach 3 GBA-Upgrades ist man beim ersten nativ für DS entwickelten Spiel natürlich auch reichlich zunächst davon abgelenkt, wie viel klarer doch alles aussieht. Besonders die Hintergründe sind nicht mehr so pixelig, aber auch die Charaktere, ebenso wenn es um mehr kleine Animationen für jene geht. Selbst die Soundausgabe klingt nun irgendwie glatter.

Turnabout Corner nun führt die zwei wichtigen neuen Charaktere ein: Apollos Sidekick, die schon im ersten Fall kurz erschienene Trucy Wright, Phoenix Wrights „Tochter“. Und Klavier Gavin, der Bruder von Kristoph, und hiesiger Ankläger mit Nebenberuf Rockstar, der mehr auf die Wahrheit denn einen Schuldspruch aus zu sein scheint. Übrigens sehen wir Ema Skye wieder, aus dem Bonus-Fall des ersten Teiles, die uns erneut den Einsatz von Touchscreen und Mikrophon für die Spurensuche beibringt. Sowie nun das neue Gimmick der Spieles richtig im Gerichtssaal zum Tragen kommt: Durch die Beobachtung der Körpersprache kann herausgefunden werden, wann ein Zeuge lügt. Dafür gibt es keine Psyche-Locks mehr.

Ach ja, der Fall an sich beginnt damit, dass Phoenix von jemanden über den Haufen gefahren wird, zeitgleich ein Nudelwagen und Trucys Unterwäsche gestohlen werden. Beim Versuch den Täter für die drei Taten zu finden, geraten wir natürlich wieder in einen Mordfall, bei dem wir den Sohn eines Yakuza-Bosses verteidigen müssen, der bereitwillig sich schuldig bekennen will.

In Turnabout Serenade sind Apollo und Trucy zu einem Konzert von Klaviers Band eingeladen, welches uns via schrecklich hässlichen CG-Movie präsentiert wird, das über den Fall hinweg zum Erbrechen in Auszügen wiederholt werden wird. Ganz überraschend findet ein Mord statt und Apollo findet sich als Verteidiger des ausländischen Pianisten wieder, der weder sehen kann noch der englischen Sprache mächtig ist, jedoch als Einziger von der Statur her aus dem Tatort hätte entfliehen können.

Das Gerichts-System in der Ace-Attorney-Franchise ist natürlich Fiktion, jedoch vom existenten japanischen geprägt. Beispielsweise hat Japan eine Überführungsrate von gut 99% – schon allein dadurch, dass die Anklage fast nur dann jemanden vor Gericht zerrt, wenn sie sich ihrer Beweislast sicher genug sind, dass sie ihn dran kriegen. Das erklärt natürlich, warum in den Spielen der Anklage so viel mehr Glaubhaftigkeit entgegengebracht wird, als dem armen Verteidiger Phoenix, und warum diese „Schuldig bis die Unschuld bewiesen ist“ Mentalität vorherrscht. Zwischen Trials & Tribulations und Apollo Justice nun gab es eine Neuerung im japanischen System: Die Existenz von Jurys.

Warum ich das erwähne? Das wird für den finalen Fall, Turnabout Succession, wichtig. In einem großen Fall führen hier alle losen Enden des Spieles zusammen. Was vor 7 Jahren geschehen ist, so dass Phoenix Wright seine Anwaltslizenz verlor. Was es mit dem Geheimnissen um die Magier-Truppe zu tun hat, der Trucy abstammt. Was die Gavins damit zu tun haben. Wo die besondere Fähigkeit Apollos her kommt, die Körpersprache der Menschen so auslesen zu können.

Aber auch, was Phoenix die letzte Zeit über so geplant hat, worauf er immer wieder mysteriös hingewiesen hat: Das MASON-System. Eben weil es mittlerweile als unvertretbar gilt, dass die Verteidigung eindeutige Beweise auftischen muss, um jemanden für unschuldig zu erklären, statt umgedreht, und sollten sie fehlen, selbst bei die höchste Unschuldswahrscheinlichkeit ob Indizien und Zeugenaussagen nicht reicht, wird nun eine unabhängige Jury ausgelost, die dem Fall beiwohnt, und am Ende anonym über Schuld und Unschuld abstimmt.

Alles ganz meta, in dem der Spieler selbst zu einem Jury-Mitglied wird, dem in der zweiten Spielhälfte per Virtual Reality die Investigation von Phoenix im Jetzt sowie vor 7 Jahren gezeigt werden. Da verliert mich das Spiel dann etwas an Glaubwürdigkeit, wenn es darum geht, wie dies alles funktionieren soll. Aber es ist ganz nett, mal kurz Phoenix steuern zu dürfen, sogar in alter Grafik, Sound und mit Psyche-Locks, obwohl die neuen Grafiken natürlich schrecklich daraus hervorstechen.

Abschließend sag ich mal zu Apollo Justice, dass es wohl der polierteste Teil ist, der cineastisch am besten durchdacht wurde. So hängen alle Fälle eindeutig stark zusammen, mehr als bei Phoenix ersten beiden Teilen, evtl. sogar deutlicher als im dritten. Außerdem sind die Fälle, wenn auch immer noch viele Wendungen bereithaltend, insgesamt geradliniger und aufgeräumter strukturiert. Dennoch fehlt mir hier etwas, wodurch ich es hinter dem ersten und dritten Ace Attorney einreihen würde. Die neuen Hauptcharaktere sind charmant, aber etwas zu glatt, und Phoenix stiehlt ihnen sowieso allen hier die Show – der Teil wirkt sowieso mehr wie ein Übergangs-Spiel, bei dem Phoenix die Fackel an Apollo weiter reicht, nicht wie der erste große Apollo-Outing. Und die Auflösung von Fall 2 und 3 waren ein klein wenig zu unbefriedigend für mich, vielleicht eben weil man sich alles für das große Finale aufgespart hatte. Es fehlt dem Spiel halt so ein wenig der letzte Funke an extra Pepp, den man von der Franchise gewohnt ist.

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