Ace Attorney Week – Phoenix Wright

ava-1751Ah, die Ace-Attorney-Reihe. So beliebt in Japan, dass nach den GBA-Versionen auch Ports für DS, PC, Wii, Handy und 3DS erschienen, während ein West-Release zunächst unwahrscheinlich erschien, dann aber in der DS-Ära doch realisiert wurde. Ich weiß noch als der erste Teil zaghaft releast wurde, und der Hype sofortig begann, habe ich mich ins Wagnis begeben einfach die schön billigen Best-Price-Auflagen aus Japan zu importiert, weil ich so die Trilogie fast Preisgleich zum Vollpreis-Westrelease des nur ersten Teiles bekam, und sie bereits die englischen Texte beinhalteten. Das waren die Zeiten, bevor Nintendo meinten ihr Ruf ist zu Kundenfreundlich, und eine Regionalsperre in ihre Handhelds einzubauen begannen.

Also rein in die Nostaglie um die Serie, jetzt wo die 3DS-Auflage erschienen ist, in der schräge Charakter-Designs und extreme Körpersprache vorherrschen, Menschen nach Wortspielen benannt sind, Gerichtsverfahren innerhalb drei Tagen abgeschlossen sein müssen, und nach dem Motto „schuldig, bis die Unschuld bewiesen wird“ laufen. Denn nur so lässt sich erklären, durch wie viel Beweislast sich Verteidiger Phoenix erklären muss, während der Anklage alles sofort geglaubt wird, und Zeugen ihre Aussage zehn Mal ändern dürfen.

Der erste Fall, passend betitelt The First Turnabout, ist dann auch unser zum Standard werdendes Tutorial, in dem in einem sehr kurzen Fall Phoenix sich gegen Running Gag Payne behaupten muss, bevor es zum richtigen Ankläger des Teiles im nächsten Fall geht. Wir lernen also den leicht verwirrten Phoenix kennen, die heiße Powerfrau Mia, unter der er das Verteidiger-Handwerk frisch erlernt hat, in dem er seinem trotteligen Kindheitsfreund Larry Butz helfen muss, gegen eine Mordanklage anzukommen. Alles recht schnörkellos, da uns der Tutorial-Fall sogar direkt den echten Mörder im Opening präsentiert, wir müssen nur noch anschließend beweisen, dass Mr. Sahwit eigentlich Mr. Didit ist. Ansonsten, joa, Beweismittel sichten, Zeugenaussage anhören, Statements pressen und mit Gegenbeweisen in den Wahnsinn treiben.

Der zweite Fall, Turnabout Sisters, präsentiert uns dann gleich weitere der Mainstay Charaktere, und das restliche Gameplay des Spieles außerhalb des Gerichtssaals: Tatorte untersuchen und Zeugen befragen. Denn Mia, unsere Chefin mit der harten Schale und den weichen Brüsten, bleibt nicht unser Sidekick, nein sie wird hier direkt erschlagen, und alles weißt auf ihre Schwester Maya hin, die schräge Miko im Training, die zum wirklichen Sidekick von Phoenix werden wird (und durch die per Medium-Sprachrohr Mia sich weiterhin einschalten kann). Außerdem treffen wir zum ersten Mal auf den enthusiastischen Trottel-Polizisten Gumshoe, und den (zumindest im ersten Teil) gegnerischen Ankläger, das penible Genie Edgeworth, der so übel gar nicht ist, als einer der populärsten Charaktere seine eigenen zwei Spinoff-Games bekam, und in 90% des Gay Porn Fanwork die Hauptattraktion darstellt. Auch hier sehen wir den Mörder direkt im Intro, werden ihn aber erst halb durch das Kapitel wirklich kennenlernen. Statt eines Versteckspieles ist also erneut eher angesagt, die Beweislast von Maya abzuwenden, denn immerhin gibt es sowohl einen Zettel, auf dem ihr Name mit Blut geschrieben ist, sowie eine Zeugenaussage gegen sie, die sich später gegen Wright selbst richten wird.

In Tunrabout Samurai kommen wir ans Set einer Tokusatsu Show, denn der beliebte Steel Samurai, respektive der Schauspieler unterm Kostüm, soll seinen Serien-Rivalen umgebracht haben. Ein weiterer, wiederkehrender Charakter wird uns hier präsentiert, in Form der geschwätzigen Alten Wendy Oldbag, die uns in der Reihe so einige Kooperationsprobleme bereiten wird. Diesmal wissen wir nicht direkt, wer der Mörder ist, und genau genommen schlägt die Geschichte auch noch zwei Haken, bis wir herausfinden, was überhaupt wirklich geschehen ist. Und Edgeworth kommt Wright doch tatsächlich ein wenig zur Hilfe… kurios!

Das kann direkt auch zurückgezahlt werden, denn in Turnabout Goodbyes steht plötzlich Edgeworth wegen Mordes vor Gericht. Zwei Dinge kommen hier wieder, die bereits mehrmals erwähnt wurden. Zum einen der Fall, in dem die Mutter von Mia und Maya involviert war, und die ihren Ruf als Medium zerstört hat. Sowie das Wright, Butz und Edgeworth mal zusammen zur Schule gegangen sind. Wir finden raus was wirklich geschah, warum Pheonix zum Verteidiger wurde, sowie Edgeworth auf der anderen Seite landete. Außerdem wird mit Von Karma uns ein beinharter Gegner ins Gericht gestellt. Neben einem bereits wiederkehrenden Larry Butz machen wir auch Bekanntschaft mit der geschwatzigen Lotta Hart, die ebenfalls nicht nur dieses eine Mal anzutreffen sein wird. Und am Ende gibt es eins schönes Wrapup, mit Credits, und letzten Charakter-Sprüchen und sogar einem Photo des ganzen Casts, wie sich das für das Ende eines Spieles gehört.

Hold it!, dem ist seit der DS-Version nämlich nicht mehr so, gibt es doch seither einen fünften Bonus-Fall, Rise from the Ashes. Merkt man auch ziemlich schnell, denn das neue Artwork sieht doch klarer aus, als das aus dem GBA-Original, und nun sind Touchscreen und Mikrofon nicht mehr optional, sondern fürs Nehmen von Fingerabdrücken/Finden von Blutflecken essentiell. Hier gibt es den letzten der beliebten, wiederkehrenden Charaktere: Blue Badger! Außerdem ist der Fall alles andere, als schnell dahin geklatscht, ja er ist geschätzt 1.5 bis 2 mal so lang wie der längste vorige. Und die Verhandlung um zwei Morde zur gleichen Zeit, mit gleichem Tatverlauf, an unterschiedlichen Orten, am gleichen Mordopfer(!), ist sozusagen ein Best of. Es gibt wieder eine Schwesternbeziehung, ein unschuldiger aus dem Business auf der Anklagebank, einen Fall aus der Vergangenheit, Hilfe von Seiten Edgeworths, einen korrupten Obrigen, und durch die vielen Wendungen geradezu ein Maschinenfeuer an Objections. Mit dem Aufwerfen der Frage, ob der Zweck wirklich die Mittel heiligt und seinem wirklich spannenden Verlauf, würde ich es fast zu meinem Favoriten-Fall machen, wenn er mir dann doch nicht deutlich zu lang geraten wäre.

Wenn Ace Attorney einen Fehler hat, dann das die Serie geradlinig und scripted ohne Ende ist. Es emuliert Richter-/Crime-Serien aus dem TV, mit seinen überdrehten Charakteren und irrsinnigen Handlungsverläufen, sowie ordentlich Pathos in den Reden, und das ist auch unterhaltsam. Aber es lässt halt auch immer nur genau den vorgegebenen Lösungsverlauf zu. Wenn man in einem Fall beweisen muss, dass es zu drei statt zwei lauten Geräuschen kam, und das Spiel das Beweismittel der Pistole (unter deren Beschreibung bereits vermerkt ist, dass sie 3 mal abgefeuert wurde) nicht akzeptiert, weil es stattdessen das per automatischen Auslöser gemachte Foto sehen will, welches für eine dritte Zeit bürgt. Wenn der finale Fall fragt, was wirklich das abgebrochene Messer war, aber nur das Foto mit dem kaputten Messer-Schild-Preis zulässt, obwohl man einen zweiten Preis unter den Beweismitteln verstaut hat. Dazu kommt noch, dass hin und wieder ein Fall scheinbar verloren werden muss, damit die Story sich schnell überraschend eine Rettung durch einen Dritten aus dem Ärmel schütteln kann. Und natürlich kleine Logiklücken. Es ist etwas schwer zu schlucken, dass Edgeworth die Rückseite der Rechnung übersehen würde, oder dass Von Karma einen handgeschriebenen Brief verschickt.

Das sind so kleine Probleme, die uns die ganze Serie über begleiten werden, und auch schon seit dem ersten Teil mit von der Partie sind. Aber sonderlich häufig treten sie immerhin nicht auf, und dienen halt dem spannenderen Spielverlauf. Ich war überhaupt überrascht, wie spannend und vor allem charmant das erste Spiel bereits ist, irgendwie hatte ich fast etwas erwartet, dass es nach all den Jahren zurückgehend vielleicht gegenüber den Nachfolgern etwas trocken daher kommt. Dem ist aber tatsächlich nicht so.

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