Anime Anthology Week: Manie Manie

ava-1711Das bereits 1987 entstandene, aber in offiziellen japanischen Kinos erst 1989 gelaufene, Manie Manie: Labyrinth-Geschichten, auch als Neo Tokyo bekannt, bringt mich zurück in uralte Tage von vor gut 10 Jahren, da ich die deutsche Version erstmalig auf einer AnimagiC zu sehen bekam. Damals war ich noch up to date mit AniManga und das Klima eh weniger deprimierend, da das Nischengenre am Boomen war, bevor alle Labels abgestorben sind, und sich damit sogar an Sachen getraut wurde, die hier keine Sau kauft. Case in point: Manie Manie.

Manie Manie ist der kürzeste Film dieser Woche, geht er doch gerade mal 50 Minuten. Dafür beinhaltet er aber auch nur 3 Geschichten, hat somit also knappe 15 Minuten pro Episode. Immer noch nicht viel, aber schon mal etwas mehr als noch in Robot Carnival. Diesmal von 3 ganz großen Regisseuren, die dutzende andere Werke auf dem Buckel haben.

Rintaro (u.A. Mumins, Galaxy Express 999, Phoenix, Final Fantasy, X the Movie und Metropolis) steuert mit Labyrinth labyrinthos die Rahmenhandlung bei, soweit man hier von einer nachvollziehbaren Handlung sprechen kann, da es mehr eine Aneinanderreihung surrealistischer Ereignisse ist. Wir folgen dem Kind Sachi, die wiederum ihrer Katze Cicerone folgt, und zwar das in eine Standuhr hinein, die wiederum in eine seltsame Welt der Imagination führt. So finden sie sich zunächst in einem Labyrinth aus Hintergassen vor, jedoch ziehen geisterhafte, graue Menschen an ihnen vorbei, die sich in Pappaufsteller verwandeln, oder werden sie beinahe von einer Straßenbahn überfahren, deren Passagiere Skelette sind. Ein Pierrot führt sie letztendlich in einen unheimlichen Zirkus, in dem sie die anderen beiden Geschichten zu sehen bekommt, bis sie am Ende des Filmes dann mit dem seltsamen Zirkusvolk eine Parade veranstaltet.

Running Man von Yoshiaki Kawajiri (u.A. Vampire Hunter D: Bloodlust, X TV, Animatrix und Ninja Scroll TV) dreht sich um Zack Hugh, welcher eine Legende auf der Death Circus Rennbahn ist. Denn eigentlich überlebt niemand jene Rennen für mehr als ein oder zwei Jahre, doch Hugh gewinnt bereits seit 10 davon. Deswegen ist nun ein Reporter anwesend, der einen Bericht über ihn schreiben soll, und mit seinem ständigen Rauchen und Voice Over der dunkel gehaltenen Episode einen Noire-Anstrich gibt. Jedenfalls findet er das Geheimnis für Hughs stetige Gewinne heraus, und wohnt seiner vom Stress mental überforderten letzten Fahrt bei.

In Construction Cancellation Order treffen wir unseren Freund Katsuhiro Otomo wieder (u.A. Robot Carnival, Memories, Akira, Stemboy und Mushi-shi), was man auch direkt am Charakterdesign der Folge sieht. Tsutomu ist ein einfacher Angestellter einer großen Firma, die in einer südamerikanischen Bananenrepublik die riesige Fabrik 444 gegründet hat, mit der ständig so einiges schief läuft (4 ist Japans Unglückszahl btw). Und nun hat auch noch eine Rebellenarmee die Regierung gestürzt und die Verträge gekündigt, weswegen Projekt 444 eingestellt werden muss, wofür Tsutomu dorthin geschickt wird, weil vor Ort lediglich Roboter agieren. Dummerweise hat für den maschinellen Vorarbeiter allerdings nur die Erfüllung des vorgegeben Produktionsplanes Priorität, die 3 goldenen Regeln der Robotik scheint ihm hingegen niemand einprogrammiert zu haben.

Oh Manie Manie. Den Namen trägt es tatsächlich zu Recht, genau wie seinen Untertitel, wenn schon alleine wegen der Rahmenhandlung von Rintaro, die so gar keiner wirklichen Logik folgen will und visuelle Haken ohne Ende schlägt. Dagegen sind die beiden eingebetteten Geschichten geradezu bieder und normal. Aber eben alles ziemlich manisch, ob nun die Surrealität der ersten Geschichte, das zwanghafte Verhalten des Rennfahrers, oder das beständige Über-Arbeiten der Maschinen im Babels-Molloch der Fabrik 444. Visuell wird einem auch ne Menge geboten, an Imagination fehlt es dem Werk nun wirklich nicht. Toll animiert für seine Zeit ist es sowieso, aber eben auch die drei sehr unterschiedlichen Stile zeigen einem entweder tolle Szenarien, oder eben visuellen Irrsinn.

Nur wirklich klicken wollten alle drei Geschichten mit mir nicht. Labyrinth labyrinthos kann ich wohl ein wenig was abgewinnen, aber wahrscheinlich schon alleine, weil nicht genug Substanz hinter den schrägen Bildern ist, um Ansatzpunkte zum aktiven Nicht-Mögen zu bieten – nur war das Segment auch einfach ein wenig lang, vielleicht hätte man es eher noch mal teilen und ein paar Ereignisse zwischen die beiden anderen Episoden einschieben sollen, damit die visuelle Überforderung nicht so auslaugt und man abzuschweifen beginnt gedanklich. Running Man kann ich ehrlich gesagt absolut nichts abgewinnen, weder der Handlung noch der Optik. Cancellation war dann zumindest etwas schwarzhumorig interessant und eben der Fabrikkomplex ziemlich cool anzusehen, aber auch hier wollte der Funke nicht komplett überspringen. Visuell ist Manie Manie toll, aber ansonsten etwas spröde.

maniemanie

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3 Kommentare

  1. Definitiv sehr erfrischend. Visuell zumindest. Ich meine, dass es darin eine Szene mit schatten gab, die mich bis heute unheimlich gepackt hat. Es ist natürlich nicht so leicht, den Geschichten nacheinander viel Aufmerksamkeit zu schenken, aber das ist es wert.

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  2. Jup, klingt so. Es hatte definitiv mit Wänden zu tun.

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