Godzilla

ava-1709Dieses Jahr ist Japans radioaktive Riesenechse 60 Jahre alt geworden, und das es zum Jubiläum einen Film geben muss, ist da natürlich selbstverständlich, immerhin gab es bisher zu jedem zehnten Jahrestag einen. Etwas überraschender ist da wohl schon eher, dass es eine amerikanische Produktion wurde, und das nachdem niemand etwas derem einzig vorigen Versuch abgewinnen konnte. Vor vier Jahren habe ich meinen Marathon durch die bis dato erschienenen Film beendet gehabt, da ist es natürlich genauso obligatorisch, dass ich mir auch sein dreißigstes Outing ansehe.

Wir beginnen auf den Philippinen, wo bei Minenarbeiten plötzlich eine ganze Kuhle absackt, in der radioaktive Fossile altertümlicher Monster entdeckt werden. Und dann geht es direkt nach Japan, weil Godzilla natürlich den ersten Unfall des Anstandes wegen doch ins Entstehungsland der Franchise verlegen muss. Damit das Publikum aber nicht von Asiaten, die sie nicht auseinander halten können, verwirrt wird, folgen wir auch hier einer kaukasischen Familie, die im nahen Kraftwerk arbeiten, bei dem es eben zu jenem Unfall kommt (Haken setzen auf der Liste beim Punkt „Godzilla-Filme integrieren aktuelle japanische Katastrophen, weil 1954 und Atombombe und so“), woraufhin dem Kerl seine Frau weg stirbt.

15 Jahre später ist das ehemalige Genie allerdings als Spinner verschrien, weil er Verschwörungstheorien dahingehend hat, dass dies damals kein Unfall war, und das Militär etwas vertuscht (Haken auf der Strichliste bei „Wissenschaftler, den keiner ernst nimmt, sieht es kommen“). Gespielt von Bryan Cranston schafft er es sogar beinahe, dass wir uns was um den Verlust seiner Frau scheren, obwohl wir sie nie kennengelernt haben, weil ihr „tragisches“ Ableben bereits in den ersten 5 Filmminuten statt fand. Jedenfalls ist der Kerl mal viel zu alt für einen Hauptcharakter, also darf er, nachdem er bewiesen hast, dass er recht hatte, da ein Insektenmonster im Sperrgebiet erwacht ist, das Zeitliche segnen, und seinem Sohn die Bürde der Heldenrolle übertragen.

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Der ist natürlich beim amerikanischen Militär und hat Frau und Kind in San Francisco, wo sich über den einen oder anderen Umweg auch die mittlerweile zu zweit befindlichen MUTO-Rieseninsekten hin machen, um ihm eine persönliche emotionale Bindung an den Kampf gegen sie zu präsentieren (macht gleich zwei oder drei Haken auf unserer Klischee-Hitliste). Ach ja, und Godzilla taucht auch irgendwann auf, weil Urmonster am besten durch Urmonster vernichtet werden (die MUTOs mögen Atomenergie saugen, und Godzilla bei den frühen Atomtests im Pazifik deren Ziel gewesen sein, aber über Verstrahlung mutierte Monster sind sie im hiesigen Film nicht). Weil die Natur regelt sich schon von selbst und ähnliche dumme Weisheiten, die der asiatische Wissenschaftler immer mal wieder von der Seitenlinie einwerfen darf (Haken machen!).

Ok, direkt mal was mir an Godzilla (2014) nicht gefallen hat: Handlung und Charaktere. Die lagen mir bei den Godzilla-Filmen noch nie sonderlich, da solche Monsterfilme fast immer ziemlich schwachbrüstig an ihnen sind, egal wie viel Zeit an sie verschwendet wird, und bestenfalls ein passables Alibi ausmachen. So eigentlich auch hier. Die Charaktere sind alle stereotype Pappaufsteller, zu denen nie eine Bindung aufgebaut wird, und die Handlung ist genauso absoluter Standard. Und der übertrieben kitschige Pathos und die schiere Aneinanderreihung an Klischees erst. Man kann garantiert sicher sein, dass in jeder Stadtzertörungssequenz ein Kind oder Hund im Mittelpunkt des Betrachters steht, weil es ein billiger Shortcut ist, das Publikum sich mehr scheren zu lassen, ohne dass es die Zivilisten überhaupt kennt. Und am Ende des Filmes liegen doch sowohl unser amerikanischer Superheld sowie Godzilla erschöpft im Dreck, und schauen sich in die Augen, teilen sich einen Moment. Godzilla kämpft auch tatsächlich nur gegen die MUTOs, verzieht sich nach getaner Arbeit wieder, und wird von der Bevölkerung als Held gefeiert. Würg.

Was ich Godzilla (2014) allerdings zugute halten will, ist das es wirklich Atmosphäre rüber bringt. Das Auftreten der Monster und die mit ihnen einhergehende Zerstörung sehen wir eigentlich nie auf Augenlinie mit ihnen, sondern immer aus der Sicht der menschlichen Bevölkerung. Das gibt der Sache mehr Gewicht und Größe. Die Monster wirken immer wie Giganten, die Zerstörung immer verheerend. Die CG-Kolosse bewegen sich wie echte Tiere, tauchen ominös aus Staubwolken auf etc.

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Überhaupt ist der Film dadurch überraschend Risiko-freudig. Das kommt schon alleine von der Bereitschaft Gareth Edwards das Projekt anzuvertrauen, dabei ist dies hier erst sein zweiter Feature Length Film und sein erster Nicht-Indie. Daher kommt wohl auch das überraschende Understatement und die Bodenständigkeit des Filmes. Allem CG und zerstörten Stadtlandschaften zum Trotze ist dies hier nämlich kein großes Monster-Spektakel fast nonstop a la Pacific Rim, sondern nimmt sich absolut ernst und als Katastrophenfilm, eben ähnlich dem ersten Godzilla von 1954. Wir sehen die Monster nur in kurzen, wackeligen Shots, viel in dunkler Nacht oder von Rauch halb verdeckt. Bis Godzilla auftaucht vergeht schon mal eine Stunde, und so richtig mit den MUTOs prügeln sehen wir ihn erst in den 15 Minuten des Finales. Die beiden vorigen Auseinandersetzungen geschehen Off Screen und werden uns höchstens erneut als kurze, wackelige Nachrichten auf einem TV-Bildschirm präsentiert. Selbst die Zerstörung der Städte durch die Monster bekommen wir vor dem Finale nur kurz und punktuell mit, sondern sehen es statt aktiv eher als Aftermath nachdem das Monster schon weiter gezogen ist.

Eben auf Grund dessen, dass der Film so gegen die Erwartungen schwimmt, und sich zu einem ernsten Katastrophenfilm zurück nimmt, wegen jenes Mutes will ich ihn eigentlich mehr mögen, als ich das dann letztendlich doch tue. Denn um ehrlich zu sein ist ein spaßiges Action-Spektakel mit viel Gekloppe und explodierenden Skylines a la Pacific Rim genau das, was ich lieber sehen würde, wenn ich einen Godzilla schaue, besonders wenn das Ding ganze 2 Stunden geht. Da fehlt mir hier trotz aller Atmosphäre einfach lange Strecken über der Unterhaltungswert. Abgesehen davon, dass sich die Risiko-bereitschaft eben nicht auf die Handlung und Charaktere ausdehnt, die langweiliger nicht sein könnten, aber eben so viel mehr Screentime als die Monster bekommen. Von daher tuts mir fast etwas leid, denn ich würde die hiesige Herangehensweise an den Stoff gern mit Begeisterung belohnen, kann den Stoff aber im Endeffekt nur etwas halbherzig abnicken statt ihm zu applaudieren.

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