Adventure Week #14: Nameless Game

ava-1702Nanashi no Game und dessen Sequel gehören mit Sigma Harmonics und Blood of Bahamut zu den wenigen SquareEnix-Spielen auf dem DS, die es nicht in den Westen geschafft haben – zumindest wenn man klare Nicht-Lokalisationen wie die ganzen Lernspiele und Sequels zu bewiesen sich hier nicht gut verkaufenden Serien wie die Chocobo-Spinoffs aus der Rechnung raus lässt.

Was uns geliefert wird ist ein Horror-Spiel der Marke „verfluchter Gegenstand tötet dich nach 7 Tagen“. In diesem Fall erzählt der urbane Mythos von einem Spiel, das man sich auf den beliebten TS, kurz für Twin Screen, laden kann. Angeblich ist es verflucht und tötet einen nach 7 Tagen. Urbaner Mythos, oder heutzutage wohl eher Creepypasta genannt, vor denen natürlich nur 12-Jährige schiss haben, und sich deswegen auch genug Leute finden, die es sich laden, für den Nervenkitzel, aus Langeweile und Kuriosität, oder um es zu widerlegen. Unser Hauptcharakter, dessen Geschlecht ausgewählt werden und dann benannt werden kann, hat es sich gerade erst gezogen und zu spielen begonnen, als seine Freundin ihn schickt, mal im Apartment des Freundes nach dem Rechten zu sehen, weil der sich dort in seiner Spiele-Obsession vergraben hat. Was wir vor finden ist eine dunkle Hütte, mit verbarrikadierten Fenstern, seltsamen Geräuschen, und am Ende die Leiche des Freundes mit dem laufenden TS noch in den Händen.

Nachdem die Freundin auch noch verlustig geht, sprechen die Tatsachen schon eher für die Wahrheit der Geschichte hinter dem Spiel mit dem verglitchten Namen, und wir haben eine ziemlich klare Deadline, um das Geheimnis hinter seiner Entstehungsgeschichte zu lüften, und den Fluch von uns zu nehmen, bevor die Woche nach Spielbeginn zu Ende ist. Bei Seite steht uns der Professor für… keine Ahnung, Folklore?, Medienwissenschaften? Ich glaub das Spiel sagt es nie direkt, er ist halt der übliche Charakter, der prätentiöse Pseudo-Philosophie ob altertümlicher Sagenwelt und moderner Elektronik ablassen kann, die als Erklärung her hält, warum Geister über ein Videospiel töten können.

Wirklich viel tun tut jener aber eh nicht, die Last der Arbeit hängt am Spieler. Und das in dualer Welt. Zum einen haben wir dort die reale Welt, in der der DS im Buchformat gehalten wird und wir uns First Person in einer 3D-Umgebung bewegen, um Wohnsitze, Krankenhäuser und Programmierstudios zu durchsuchen, auf Hinweise zur Aufklärung des Fluches. Doch dies findet stattdessen eher statt, wenn der TS auf sich aufmerksam macht, und wir ins verfluchte Spiel gezogen werden. Traditionell in 8bit gehalten, eine Welt wie in Dragon Quest, bevölkert von NPCs wie aus Final Fantasy, und mit mehr und mehr Glitches durchzogen, ist jenes der Haupttransport was die Hintergrundgeschichte angeht, die den Fluch wirklich erst ermöglicht hat. Dennoch sind jene Exkurse kurz, die Bewegung in der Realität macht mehr Spielzeit aus. Auch wenn dort wenig mehr gemacht werden muss, als den Geistern der Opfer des Spieles auszuweichen. Denn zum Großteil ist Nanashi no Game ein Run & Hide, wie sie in letzter Zeit von Amnesia und Outlast populär gemacht und seither in jedem Indie-Horror ever zum Standard wurden, welche die Japaner aber schon seit der ersten PlayStation in Hellnight und Echo Night und in Third Person auch bereits auf dem SNES mit Clock Tower hatten.

Was aber eben schnell auffällt ist, dass in Nanashi no Game einfach nicht unglaublich viel Spiel steckt. Das Spiel ist locker in weniger als 4 Stunden zu beenden, und die Spielzeit auch nicht wirklich sonderlich variabel, da alles enorm geradlinig ist. Durch das Gespräch mit dem Prof zu Tagesbeginn klicken, dann geht es in die Lokalität des Tages, dort dann den einzigen Pfad entlang gehen, und auftauchenden Geistern ausweichen, bis sich das namenlose Spiel meldet, um einen weiteren Storybrocken preis zu geben. Gegenstände einzusammeln oder Puzzel zu lösen gibt es so gut wie nicht, und wenn dann am Ende des vorgegebenen Pfades, mal abgesehen von im verfluchten Spiel rumliegenden Geheimnissen, die das bessere Ende benötigt. Ansonsten gibt es aber wie gesagt in beiden Welten nichts zu tun, im Spiel einfach alle NPCs ansprechen, um Story zu hören, in der Realität Gänge entlang rennen, bis man am Ende angekommen ist.

Was Nanashi no Game dafür aber enorm gut macht, ist Atmosphäre rüber zu bringen. Die langsam stärker werdenden Glitches in der Grafik sowie dem Sound des so vertraut nostalgisch aussehenden Spieles sind doch überraschend creepy, dafür das man weiß, dass einem hier nichts geschehen wird. Und die 3D-Umgebungen sind für DS-Verhältnisse auch gut geraten, und halten so einige Scares bereit, nicht nur die plötzlich auftauchenden und hinter einem her schlurfenden Gespenster, sondern auch was plötzliche Geräusche etc. in der Umgebung angeht. Was den Horror angeht, macht Nanashi no Game seine Arbeit also doch ziemlich gut, da vergibt man doch gerne ein Stück weit, dass es spielerisch etwas mau ausgefallen ist.

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2 Kommentare

  1. Das passt ja prima zu Halloween. Läuft man dabei eigentlich selbst? Also abseits des Namenlosen Spiels? Hört sich so an, denn ich dachte eigentlich, dass es eher eine Visual Novel ist. Hast du da ne englische ROM gespielt oder das Ganze auf Japanisch?

    Ansonsten nen fröhlichen Kürbisabend!

    Antworten
    • Sowohl im namenlosen Spiel, wie auch in der Realität, wird der Spielercharakter selbst bewegt. Das nicht viel Spiel drin steckt mein ich wirklich nur dahingehend, dass es in den Lokalitäten selten etwas zu tun gibt, außer a) mit allen 8bit-NPCs zu reden, oder b) bis zum Ende eines Gangs vor einem Geist davon zu rennen, wo entweder ein Gegenstand liegt, das namenlose Spiel sich meldet, oder eine Cutscene den Tag beendet. Es ist halt eines jener Spiele, welches schon beim ersten Zocken wegen der Atmosphäre mal ganz cool ist, welches man aber wahrscheinlich nie erneut spielen wird.

      Ich habe übrigens die englische Fantranslation gespielt.

      Antworten

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