Adventure Week #14: Kara no Shoujo

ava-1701Auf Kara no Shoujo bin ich aufmerksam geworden, als ich noch hin und wieder auf Getchu geschaut hab, was so an Visual Novels rausgehauen wird. Muss also schon ewig her sein. Jedenfalls sah das ganz attraktiv aus, besonders auch was das stylische Opening angeht. Bis das Ding dann 2011 offiziell in Englisch released war, war meine VN-Zeit aber bereits rum. Mittlerweile gibt es ja ein Sequel, ein Anime, und da morgen von MangaGamer wohl das Prequel Cartagra rausgebracht werden soll, habe ich doch mal nach dem Original gegriffen.

In Kara no Shoujo übernehmen wir die Rolle von Detektiv Reiji, ehemaliger Polizist, der den Dienst vor sechs Jahren an den Nagel gehängt hat, als seine Frau das Opfer eines Serienmörders wurde, der Schwangeren nach Abtrennung ihrer Gliedmaßen an Kreuze hängte, und welcher nie geschnappt wurde.

Nun startet eine neue Mordreihe, an der Schule auf die Reijis jüngere Schwester geht. Den gefundenen Mädchen wurden Körperteile abgetrennt, der Uterus entfernt und mit einem schwarzen Ei ersetzt, und ein Auszug aus Dantes Göttlicher Komödie beigelegt.

Während seiner Investigation am Schulgelände trifft er auch auf die mysteriöse Toko, die ihn damit beauftragt ihr wahres Ich zu finden, und die seltsamerweise genau aussieht wie das Mädchen im Kunstwerk Kara no Shoujo – eine in einem schwarzen Ei sitzenden Schönheit ohne Arme und Beine –, obwohl sie viel zu jung ist, um dafür Modell gesessen zu haben.

Kara no Shoujo ist ein Visual Novel, und von daher weniger Spiel, als mehr ein Bilderbuch. Buch im Sinne vom Chose Your Own Adventure Typ, wo man alle paar Seiten eine Antwortmöglichkeit oder Lokalität wählt, welche die Handlung in neue Richtungen bringen kann. Ein wenig mehr Interaktion gibt es in diesem spezifischen Fall dann doch, denn man darf die Schauplätze der Morde nach Hinweisen untersuchen und anschließend in einer kleinen Frage-Antwort-Runde daraus zu eigenen Ergebnissen kommen, doch das hier ist kaum ein Ace Attorney.

Die Handlung ist also wichtig, mehr als in quasi jedem anderen Genre, da es in diesen visuellen Novellen ganz wie in den interaktiven Filmen nicht wirklich irgendwas anderes gibt, als jener zu folgen und sie mehr oder weniger stark durch Kleinigkeiten zu beeinflussen. Als solches ist Kara no Shoujo ziemlich gut, wenn auch nicht ohne Fehler. Zum einen wäre da die Tatsache, dass dies hier ein 18+ Spiel ist, und das nicht nur, weil es zu ziemlich gräulichen Morden kommt, für die das Spiel sogar in den Blickwinkel des Mörders wechselt, sondern auch weil Reiji einen Großteil der holden Weiblichkeit ins Bett bringen kann – oder was auch immer sonst gerade parat steht. An sich gibt es daran im Grundprinzip nichts auszusetzen, doch meine Güte, wenn die Hälfte der Sexszenen in dem Spiel nicht mal aus heiterem Himmel kommen, statt organisch in die Handlung eingebaut zu sein. Gerade wo die Hälfte des Casts aus Schulmädchen besteht, und Reiji under cover sich als deren Lehrer ausgibt, sollte man meinen, der gute Mann wüsste es besser, als denen bei der kleinsten Provokation einen wegzustecken. Und anschließend wir nie wieder davon gesprochen, als wären sie gar nicht geschehen. Andere Szenen passen durchaus in die Narration, aber bei gut der Hälfte wurde ich doch ziemlich unfein aus der Geschichte geworfen.

Auf der anderen Seite haben wir dann noch, dass Kara no Shoujo wortreich ist. Klar ist ja auch ein Buch und kein Spiel, aber auch dann hätten es ein paar Hundert oder paar Tausend Worte an den Tagen, an denen weniger passiert, auch getan. Wenn man an einer Route mittlerweile den dritten Tag in Folge liest, und bis zum letzten Drittel zwischen all den spannenden Morden und sich darum rankenden Mysterien aber auch erneut ein paar Paragraphen an das mondäne Alltagslegen verschwendet werden, bekommt man doch schon mal das Gefühl, dass es langsam mal narrativ etwas anziehen könnte in Geschwindigkeit und Fokus. Auch haben japanische Schreiber häufiger mal das Problem, nicht wirklich zu wissen, wann sie runter editieren sollten, und zwar nicht nur an Anzahl der Wörter und Beschreibungen, sondern an eingebauten Szenen. Das ein oder andere Ende von Kara no Shoujo ist doch ein ziemlicher Clusterfuck an Story Exposition Time, in der einem ein Charakter schon mal für eine halbe bis fast ganze Stunde einen Redeschwall gibt über Kunst, Psychologie, Inzest, die Bombay-Blutgruppe (the more you know!), traumatische Kindheiten, christliche Religion, und ungeschlechtliche Fortpflanzung.

Kara no Shoujo übertreibt also manchmal ein wenig, und liest sich manchmal etwas zu ausschweifend und trocken, ist jedoch insgesamt durchaus spielenswert, denn es ist ein interessanter Fall mit einigen Wendungen. Wie immer empfiehlt es sich natürlich mehrere Enden zu erspielen, da sie teilweise zu exklusiven Aufklärungen kommen, die in anderen nicht fallengelassen werden. Keines davon ist übrigens als Good End bezeichnet, darauf sollte man sich also einstellen. Die Sache ist auch die, dass ich Kara no Shoujo zwar durchgängig als Buch bezeichne, aber glaube ich ihm die kleinen Schnitzer umso mehr vergeben würde, wenn es eben wirklich ein „richtiges“ Buch gewesen wäre, von daher kann ich die nicht zu sehr ankreiden.

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4 Kommentare

  1. Visual Novels nun also. Das sind doch die Dinger, die ich immer mal spielen wollte, für die ich aber nie richtig Zeit fand… dabei gäbe es einige, die ich gern mal spielen würde, angefangen bei den VNs zu „Higurashi no naku koro ni“ (falls du den Anime noch nicht gesehen hast, nachholen!) und „Umineko no naku koro ni“ (hier hoffe ich einfach, dass die VN um einiges besser ist als der Anime) über „School Days“ und „Nanashi no gêmu“ bis hin zu Gregs nimmermüden Empfehlungen „Saya no uta“ und „Otogirisô“. Dass die meisten wenig bis gar keine Happy Endings haben, wird wohl normal sein und ist ein schöner Kontrast zur gewohnten, heilen Spielwelt.
    Fänd’s toll, wenn du von denen ein paar spielst und mir sagst, ob die sich lohnen. =P

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    • Von Higurashi kenne ich zumindest die erste Staffel und den Live Action Film. Die Folgestaffeln und Umineko hab ich aber dann irgendwo nie angefangen.

      Nanashi no Game würde ich nicht wirklich ein VN nennen, da ja ein Großteil des Spieles die Outlast-Momente ausmachen, bei denen man durch die Gänge läuft. Auch wenn noch weniger spielerische Interaktion drin steckt, als selbst in den meisten VNs.

      Und ja, zumindest die Horror-thematischen werden eher Good-End-arm sein, aber man weiß ja nie, da es immer verschiedene Routen gibt, besteht immerhin die Möglichkeit, dass nicht immer alle sterben müssen :D

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      • Kai kannst du dir noch ansehen, das fand ich noch gut (bis auf das kitschige Ende). Rei sind halt drei kurze, zusammenhängende Folgen plus zwei Fanservice-Folgen, trägt also nicht wirklich zur Story bei. Und von Kira würde ich dringend Abstand nehmen, das ist ein Happy Happy Joy Joy-Mist sondergleichen.
        Umineko kann man sich ansehen, solange man nicht drüber nachdenkt und sich über die offensichtlichen Plotholes aufregt (so wie ich das getan habe).

        Ja gut, wenn du lieber eine Aneinanderreihung von Happy Endings haben willst, solltest du vielleicht mehr Boys Love-VNs spielen. =P

        Ansonsten würde mich wirklich deine Meinung zu „Saya no uta“ interessieren, da das schon sehr gehypt wird.

      • Ich hab Saya no Uta mal auf die Liste gesetzt, macht sich ganz gut zwischen Higurashi und Corpse Party ;P

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