Universal Monsters – Frankenstein

ava-1689Mit den 30ern kommen wir nicht nur in Universals Zeiten der Sprechfilme, sondern auch in deren Monster-Filme, die wirklich das offerieren, an was man bei „Universal Monsters“ denkt. In 1931 sogar gleich an doppelter Front mit Dracula und Frankenstein, deren beiden größten Ikonen überhaupt.

Allerdings basiert Frankenstein (1931) nicht wirklich auf dem Buch von Mary Shelley, sondern auf einem Theaterstück, welches lose auf dem Buch basiert. Das zeigt sich auch ziemlich schnell, denn der Film hat kaum was mit dem Roman am Hut, abgesehen von einem Doktor Frankenstein, der mit Blitzelektrizität ein von ihm aus Leichen zusammen gesetztes Monster belebt.

Macht auch fast wieder Sinn, denn genau genommen ist auch Frankenstein kein Buch, welches sich besonders gut als Horror-Film macht. Frankensteins Kreatur ist nämlich kein Monster, sondern intelligent, pazifistisch veranlagt, Veganer, und auf der Suche nach Zuneigung. Es ist nur die wiederholte Verweigerung dessen, alles komplett nur basierend auf den ersten Blick auf sein monströses Aussehen, die ihn ausrasten lässt. Weite Teile des Buches gehen weg von Frankenstein als Protagonisten, und widmen sich stattdessen seiner Kreatur und dessen Gefühlslebens.

Also zieht der Film das alles ganz anders auf, mehr oder weniger zumindest. Kein langes Geredes Frankensteins darüber, wie die Konstante des Todes ihn in einen nihilistischen Abgrund gleiten lässt, bis er sich wie besessen daran macht, dem Tod entgegen zu wirken, nur um eine Kreatur monströser Statur zu schaffen, die er sofort verstößt, ohne sich auch nur mit ihr auseinander setzen zu wollen. Frankenstein hat seinen Igor (hier Fritz) in dieser Version, sie buddeln Leichen aus, konstruieren die Kreatur, und beleben sie. Statt dies geheim zu halten, sogar vor den Augen der schnüffelnden Verwandtschaft, die damit Ok ist.

Das Monster hier ist nicht intelligent, aber auch hier gibt es gewisse „Nature vs. Nurture“ Untertöne. Denn das Gehirn, welches Fritz geklaut hat, ist nicht das „normale“ Gehirn, sondern das „abnormale“ Gehirn eines Kriminellens, dessen anderes Aussehen den Studenten in den Vorlesungen gezeigt wird, als Beweis, dass man quasi so geboren wird, Straftäter von Natur aus anders sind. Das Monster ist aber nicht wirklich fies, sondern nur desorientiert und wird von Fritz misshandelt, von Frankenstein vernachlässigt, bis es eben genug hat. Und auch nach seinem Ausbruch will es erst Mal nur mit einem kleinen Mädchen spielen, ganz ungefährlich und so, und ertränkt es versehentlich, was das Dorf gegen es aufbringt. Das hat der Film dann also doch wieder mit dem Buch gemein, die Tatsache das die Kreatur eben nicht von Grund auf Böse ist.

Interessant an Frankenstein ist aber vor allem auch die schnieke Optik des Streifens. Das hier ist der Film, den Tim Burton machen will. Die Szenerien haben oft einen starken Einschlag des aus den 20ern aus Deutschland rüber geblutenden Expressionismus, mit schrägen Winkeln, hohen Decken, und überfülltem Dekor. Man nehme nur die anfängliche Beerdigung oder Frankensteins Labor als Beispiel. Im starken Kontrast dazu stehen dann die fast schon übertrieben kitschigen Einwürfe, wenn Frankenstein mit seiner verlobten Picknickt oder die Kreatur auf das Mädchen trifft. Sogar das Finale findet in einer hölzernen Windmühle statt.

Tolle Optik, passendes Spiel (vor allem natürlich von Boris Karloff), brauchbare Handlung, unterschiedlich genug um Buchkennern spannend zu bleiben, und mit 70 Minuten auch schnell genug über der Bühne ohne Längen zu bilden… was will man mehr?

universal1931

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