Soul Reaver

ava-1683Legacy of Kain: Soul Reaver ist das Sequel zu Blood Omen: Legacy of Kain (no shit!) und das letzte Spiel der Reihe. Denn es wurden keine anderen mehr gemacht. Niemals nicht. Oder zumindest blocken Fans gerne die Erinnerung daran, wie sich die Franchise anschließend in den freien Fall begab.

Soul Reaver setzt übrigens am Bad End des Vorgängers an: Kain hat sich nicht geopfert um die Säulen Nosgoths wieder in Balance zu bringen, also ist die Welt weiterhin im Verfall, während Kain zum Tyrannen wurde, dessen Vampir-Klans nun übers Land regieren. Sein Lieblings-Vasall, Raziel, hatte nun allerdings die Frechheit vor ihm eine neue Evolutionsstufe – Flügel – zu erlangen, weswegen Kain ihn in den See der Toten werfen lässt, der Raziels Körper auflöst.

Doch der Alten-Gott sieht nun seine Möglichkeit gekommen ihn zu seinem Bauern im Kampf gegen Kain zu machen, dessen Vampirifizierung Nosgoths den Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt zum Halten gebracht hat, was mal gar nicht geht. Also verwandelt er Raziel in einen Geist/Zombie/Mega Man. Doch das Nosgoth, in das Raziel zurückgesendet wird, ist rapide weiter gen Untergang geglitten, denn seit seinem „Tod“ sind bereits Jahrhunderte vergangen und die einst so stolzen Vampir-Klans zu scheußlichen Mutationen verkommen.

Beginnen wir doch zunächst mit dem Schwachpunkt des Spieles: Gameplay. Soul Reaver ist ein Action Adventure, weniger im Sinne von Blood Omen, sondern mehr in Richtung Tomb Raider. Was das bedeutet ist, dass ein Großteil des Spielens daraus besteht, Sprungpassagen und Blockrätsel zu meistern. Beides nicht super spaßig, wirklich. Die Sprungpassagen an sich sind Ok, wenn einem nicht häufiger mal die Kamera mehr im Weg denn hilfreich wäre, und die Versunkene Abtei ist hier besonders nervig, da ein Fehlsprung einem quasi das ganze Areal neu anfangen lässt. Blöcke verschieben, drehen, stapeln, und in vorgesehene Vertiefungen manövrieren, hat einen ziemlich schlechten Ruf abbekommen, grundsätzlich bin ich ein paar davon nicht ganz abgeneigt, aber besonders die Stille Kathedrale übertreibt maßlos, ist das Areal doch ein Blockpuzzel nach dem anderen, und das noch mit Gegnern, die nach einer Zeit wieder spawnen, um die Schieberei noch zu verlängern.

Was sicherlich auch interessant, und für einige negativ sein wird, ist wie einfach Soul Reaver ist. Denn Raziel ist bereits tot, nicht untot Vampir, sondern echt tot, und kann deswegen nicht mehr sterben. Stattdessen kann sein Zombie-Körper zerstört werden, was ihn allerdings schlichtweg als Gespenst in die Geisterwelt zurückversetzt. Per Portalen kann er wieder in die Realwelt wechseln, und die sind zahlreich, ja sogar in den Bossräumen angesiedelt, und deren Fortschritt bleibt erhalten, solange man im Raum ist, wodurch sie Raziels Körper im Prinzip so oft „töten“ können, wie sie wollen, sein Geister-Selbst kann einfach schnell per Portal wieder in den Kampf einsteigen. Theoretisch hat auch Geister-Raziel eine Lebensleiste, und wenn die Gegner in der Geisterwelt ihn besiegen, wird er zurück zum See der Toten geschickt. Jedoch gibt es von dort Teleporter, und sobald Raziel früh den Soul Reaver findet, sollten die Geister-Gegner ihn eh nie wieder umbringen können.

Das Spiel ist also mehr Puzzel-zentriert, denn auf den Kampf. Das schlägt sich sogar in den Bossen nieder, die wirklich kein „Kampf“ sind, sondern mehr ein „Umgebungs-Rätsel“, da sie als untote Vampire keine Klinge oder Klaue zu fürchten haben, sondern etwas im Raum gefunden werden muss, was sie umbringen kann, wie Pfähle, Wasser, Feuer, oder Sonnenlicht. Das ist übrigens auch im kleineren Rahmen die einzige Möglichkeit normale Vampir-Gegner restlos auszulöschen, aber außerhalb von Puzzel-Räumen, wo sie einem bei deren Lösung in den Weg kommen können, ist es eh einfacher einfach an ihnen vorbei zu rennen. Jeder von Raziels „Brüdern“ hat übrigens eine besondere Mutation durchgemacht, deren sich Raziel ganz Mega Man nach dem Sieg aneignet, wie schwimmen zu können (vorher schickt Wasser ihn automatisch in die Geisterwelt), Projektile zu schießen, oder durch Zäune zu gleiten. Dass ist dann auch, wenn das Gameplay launiger ist, wenn nicht eine lange Sprungpassage oder Blockschieben in einem frühen 3D-Spiel veranstaltet wird, sondern das Boss-Rätsel ausfindig gemacht oder mit deren Kräften und dem Wechsel zwischen den beiden Welten in neue Gebiete vorgedrungen werden muss. Es ist also nicht alles frustrierend am Spiel.

Das Highlight an Soul Reaver ist allerdings wieder die Handlung, wie gut geschrieben das Spiel ist, und wie gut synchronisiert (selbst die Grafik hat in der PC-Version sich für ein so altes Spiel noch recht gut gehalten). Vor allem ist es auch eine Geschichte, die es sich nicht einfach macht. Dem Spieler wird erneut nie direkt gesagt, wer gut oder böse ist, denn so einfach sind Motivationen eben nicht. Ist Kain einfach ein Tyrann, oder haben Moebius Visionen ihm genau den Weg gezeigt, den die Welt nehmen muss? Folgt er diesem Plan des Schicksals, oder versucht er ihm zu entkommen? Wird Raziel in seinem Wunsch auf Rache einfach vom Ältesten manipuliert, ohne dessen Beweggründe zu hinterfragen? Kann Vorherbestimmung/Schicksal überhaupt entgegengewirkt werden? Oder spielt man ihm nur einfach genau in die Hand?

Wir finden es nie heraus, denn Soul Reaver endet auf einen Cliffhanger. Raziel geht durch die ehemaligen Gebiete der Vampir-Klans, mit dem gewohnt vielen World Building ob wie deren Glorie mal war und wie verfallen sie nun sind, besiegt ein paar seiner „Brüder“, trifft auf Ariels Geist bei den Säulen (die hier nichts zu tun bekommt), und stellt Kain zweimalig zum Kampf, nach dessen zweiter Begegnung Kain flieht, Raziel hinterher jagt, und ein „to be continued“ auf dem Bildschirm erscheint. So eine Deadline ist schon was, hmm?

Legacy of Kain bleibt sich in Soul Reaver also mehr oder minder treu: Ein ziemlich cooles Spiel, mit interessanter Handlung ohne wirkliche Aufklärung, und mit Schwankungen im Gameplay die Altersbedingt nicht unbedingt ungewöhnlich sind.

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2 Kommentare

  1. Ich hoffe doch, es kommen noch Reviews zu den übrigen Teilen. Sollte Defiance nicht gut sein? Ich meinte, das hatte keine so schlechten Reviews seinerzeit bekommen.

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    • So richtig gehasst wird wohl nur Blood Omen 2, jedoch finden viele Fans wohl die Reihe ab Post-Soul-Reaver auf wackeligen Beinen. Ich bin da aber auch nicht super drin steckend, sondern hab das eher am Rande gedacht mit zu bekommen.

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