Silent Hill: Revelation

ava-1681Silent Hill: Revelation. Silent. Hill. Revelation. Revelation. Rev-uh-ley-shun. Filme im Allgemeinen, und Horror-Filme im Besonderen, müssen genauso wie Videospiele über die Re-Wort Untertitel hinweg kommen. Das braucht echt mal eine Intervention. Und dann auch noch Revelation, generischer geht es ja mal überhaupt nicht mehr. Wenn ein Film von 2012(!) immer noch ganz unironisch Revelation als Subtitel verwendet, schwant einem schon mal direkt nichts Gutes.

Wie erwähnt finde ich den ersten Film durchaus ganz Ok. Er sieht gut aus, ist atmosphärisch, und wahrscheinlich das Beste, auf was man hoffen konnte, wenn man „Hollywood macht Silent Hill“ hört. Vergleiche mit dem ersten Spiel mal außen vor gelassen, war es auf sich gestellt in Ordnung, wenn auch von der Struktur her vielleicht etwas unnötig wirr für die eigentlich simple Handlung. Wenn es jetzt darum geht Silent Hill 3, Sequel zum ersten Spiel, in ein Film-Sequel zu packen, bringen die Änderungen zum Kult allerdings so einige Probleme mit sich. Das der Kult lediglich religiöse (christliche) Fanatiker waren, die ein PSI-begabtes Mädchen als Hexe verbrannten, die jene dann ewig mit der Schattenwelt bestrafte, und am Ende auch irgendwie mal so alle umgebracht hat, setzt der Geschichte eine gewisse Endgültigkeit an. Nicht das man da überhaupt kein Sequel drauf aufbauen kann, aber das schlichte „der Kult will Alessa zurück, weil sie dem Gebären ihres Dämonen-Gottes einen zweiten Versuch geben wollen“ des Spieles funktioniert so unverändert eben einfach nicht.

Genau das macht der Film aber. Was problematisch ist, da es für einen nie wirklich einen Sinn ergeben will. Der SH3-Kult passt einfach nicht zum SH-Film-Kult, den es sowieso gar nicht mal mehr geben sollte. Und es will nie passen, egal wie viel der Film darum herum erklärt. Was übrigens auch ein Problem ist: Der Film ist Exposition Supergau. Es vergehen kaum fünf Minuten, ohne dass der Film mehr oder weniger zum Erliegen kommt, weil jemand erklären muss. Was im ersten Film passiert ist. Was in den Jahren dazwischen geschah. Warum der Kult immer noch Alessa will. Warum passiert dies, warum geschieht das, weswegen geht es jetzt dorthin… Erklärungen, Erklärungen, Erklärungen den Großteil des Filmes hindurch. Da ist es schon überraschend, dass man tatsächlich die Zeit gefunden hat, relativ viel Action und Monster einzubauen, auch wenn das Design bevor sie endlich Silent Hill erreichen mehr an einen billigen Hellraiser erinnert, denn an einen Film zu Silent Hill.

Was unter all den Erklärungen leidet ist also überraschend nicht so sehr die Action, sondern vielmehr die Handlungsstruktur. Bei all den Erklärungen haben die Charaktere plötzlich wenig Zeit wirklich auch in diesem Film was zu tun, ihre persönlichen Motivationen zu erklären, oder gar eine Character-Arc zu entwickeln. Claudia hat zwei ganz kurze Szenen, mit schrecklich künstlich-vergessenswertem Dialog, so dass man ihre Existenz an sich fast schon wieder vergessen würde, wenn sie nicht am Ende zu einem Hellraiser-Monster würde und gegen Pyramid Head kämpfte. Malcolm McDowell als ihr Vater und Besitzer der zweiten Hälfte des Siegels? Einfach so schnell mitten in den Film geschmissen. Und so cool die Mannequin-Spinne war, die Szene in der Menschen in jene verwandelt werden, und Heather eine Blondine aufgabelt („Ich hab die falsche Ausfahrt genommen, und war plötzlich in Schattenwelt-Silent-Hill“ ugh…), nur damit jene eine Minute später drauf geht, war total random. Wie wenn der Kult eine Lobotomie an Vincent vornehmen will und das ausgerechnet im Sexy-Nurses-Raum machen müssen, die sie natürlich umgehend abmurksen.

Oh, und Vincent. Der ist hier Claudias Sohn und Heathers Love Interest, um sie nach Silent Hill zu bringen. Und wir wissen eigentlich sofort, was da los ist, und der Film wird das offensichtliche Spiel auch ziemlich schnell leid, weil schon kurz später, direkt vor dem Erreichen von Silent Hill, Vincent mit der Wahrheit heraus rückt. Und zwar mit der üblichen „Sorry dich getäuscht zu haben, aber ich steh jetzt total auf dich und will dir helfen, und du bist gar keine böse Hexe, mein ganzes Leben im Kult war eine Lüge“. Wohlgemerkt sind wir hier noch immer im ersten Drittel des Filmes und die beiden hatten vielleicht 5 Minuten Screentime zusammen. Die Szene bedeutet also gar nichts, weil sie viel zu früh und überstürzt kommt. Es gibt keinen Grund warum er, nachdem ihn der Kult 18 Jahre lang indoktriniert hat, sofort Heather trauen und all seinen Glauben über Bord werfen sollte. Szenen wie diese sind nicht umsonst klassischerweise gegen Ende des Filmes kurz vor dem finalen Act – zum einen als ein später Twist, zum anderen aber auch weil Charaktere miteinander genug Zeit verbracht haben müssen, damit das hier wirkt. Stattdessen ist es eine weitere Szene, die einfach irgendwo im Film stattfindet, in einem Film voller Szenen, die einfach irgendwie irgendwann geschehen.

Und billig sieht das Ding aus. Oh so billig. Das Budget war wohl wirklich weniger als die Hälfte zum ersten Film, aber ich bin auch mal großzügig und schiebe einen Teil darauf, dass dies bei vielen Filmen, die in 3D gedreht wurden, so ist, wenn man sie dann in der 2D-Konvertierung schaut. Die Effekte sehen plötzlich wesentlich billiger und flacher aus. Wo der erste Film wirklich coole Effekte und eine Atmosphäre hatte, wirkt dass hier wie ein SH-Vergnügungspark oder einer Direct-to-DVD Produktion.

Silent Hill: Revelation ist also tatsächlich nicht gut. Nicht spezifisch als ein Silent Hill Film, sondern auch mal so ganz allgemein als ein Film an sich.

silenthillf2

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3 Kommentare

  1. Ich tat gut daran, damals schon dem Trailer nicht zu trauen, denn der hat schon gut abgeschreckt. Bis heute hatte ich auch keinerlei Ambitionen, den Film zu sehen. Er hat halt einfach gar nix mehr mit dem Spiel zu tun. Angesichts der Beschreibungen kommt es einem so vor, als hätte der Regisseur einen Trailer zum Spiel gesehen und daraus dann eine Story gebastelt. Hätten sie doch nur den zweiten Teil verfilmt… wobei, ich glaube das wäre in einem schlimmeren Drama geendet, denn die feinen psychologischen Horrorspitzen hätten die Macher dieses Schundwerks wohl nicht gerafft.

    Ich wäre ja sehr dafür, wenn sich jemand an SH4 – The Room macht, schließlich ist da das Spiel schon nicht mehr so toll, was vor allem am Gameplay liegt. Als Film könnte man da nen hübschen Thriller à la Sieben draus machen.

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    • Silent Hill: The Retribution Room Returns: Revelation Redux, by M. N. Shyamalan. Und am Ende stellt sich raus, man war gar kein neuer Mieter, sondern der verweilende Geist des toten Walter, der nur vergessen hat, was geschah, und das Appartment nicht verlassen konnte, weil er hier verstarb und nun daran gebunden ist.

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