Sword Art Online

ava-1663In der nahen Zukunft ist Virtual Reality Gaming das neue Gimmick, statt nur per Oculus Rift fake Mädels zu begrapschen gibt es sogar ein komplettes MMORPG, welches über jenes NerveGear gespielt werden kann. Kirito ist seit der Beta-Phase dabei und kann es kaum erwarten ins fertige Release einzusteigen. Doch alle Online-Games starten mit Problemchen, und so muss er nach einiger Zeit feststellen, dass der LogOut-Button verschwunden ist. Ein Notfall-Ausloggen gibt es auch nicht, weil das würde ja Sinn machen, und von daher muss er wohl darauf warten, bis seine Schwester oder Mutter ihm in der realen Welt das NerveGear entfernen.

Doch da werden alle Spieler auch schon in die Stadt gewarpt und der Game Master, hinter dem der Programmierer von Spiel und NerveGear steckt, erklärt ihnen, dass dies kein Bug ist, sondern ein Feature: Er hat es so eingerichtet, dass sie nun in der Welt von Sword Art Online gefangen sind, versucht jemand ihnen das NerveGear abzunehmen, tötet sie das. Sterben sie im Spiel, sterben sie auch in der Realität. Der einzige Ausweg aus der Misere ist, Stockwerk 100 des Spieles und somit das Ende zu erreichen.

Die Prämisse des Light Novels (seit 2009 in 15 Bänden und laufend), welches in eine recht aktuelle Anime-Serie umgesetzt ist (2. Staffel laufend), sollte wohl so ziemlich jeden an Bamcos Multimedia-Franchise .hack// erinnern. Ich fand .hack// ja immer interessant, aber eher in der Theorie, da die Flut an Spielen, Animes und Novellen nie wirklich was aus dem Konzept rausgeholt hat. .hack//SIGN ist wohl noch das beste, und eventuell einzig brauchbare, Ergebnis des Blitzkriegs auf die Geldbeutel, und auch die Serie hätte locker halb so lang sein können. Die Exekution der Idee ist also eher immer ein Enttäuschung gewesen, wenn es um .hack// geht. Als mir dann also Sword Art Online als „.hack// aber anständig umgesetzt“ angepriesen wurde, war fast klar, dass ich früher oder später mal reinschauen werde.

Sache ist die, Sword Art Online ist auch nicht sonderlich gut. Wo .hack// seine Zeit damit verschwendete, ewige Gespräche über Nichts und Nada zwischen Charakteren zu präsentieren, verkommt Sword Art Online zu einem reinen Action-Harem-Anime ohne jeglichen Sinn und Verstand. Von daher nehme ich mal an das, wenn man hauptsächlich auf gut animierte Fights aus ist, und beliebige Shots auf (angekleidete) Titten und Ärsche will, wird man bei SOA sogar ziemlich gut bedient.

Es ist halt nur so das man aus dem Grundgerüst so viel hätte machen können. Gefangen sein in einer virtuellen Realität, in der die Optionen zur persönlichen Entfaltung so sehr eingeschränkt sind im Gegensatz zur Realität. Wo überall Monster rum laufen und PvP eine Instanz ist, tot aber wirklich tot bedeutet. Die Aussichtslosigkeit der Situation, wenn das Erreichen des Endgames so weit weg erscheint und gegen den Spieler gerichtet zu sein scheint. Oder auch nach dem ersten Schock, wie man in dieser Welt mit sich zurecht zu kommen und „richtig“ leben lernt, wie man quasi eine neue interne Gesellschaft aufbaut. Auf all das geht SOA entweder gleich gar nicht ein, oder in kurzen Nebensätzen, es ist stattdessen so viel wichtiger zu erfahren, was Asuna als nächstes kocht und ob es Kirito schmecken wird.

Abgesehen davon lässt sich die Show sowieso für nichts Zeit. Die nächsten paar Folgen sind sogar regelrecht episodisch, zeigen Kirito Freundschaft mit anderen Mädels, die natürlich sofort sich in ihn verlieben, schließen, auch wenn wir sie danach quasi nie wieder sehen. Charaktere, die nicht Kirito oder Asuna heißen, haben ihre berühmten 15 Minuten Ruhm, wir finden nie wirklich was von Substanz über sie raus, und dann verschwinden sie auch schon wieder aus der Serie. Kirito selbst ist absolut langweilig, ein schlecht geschriebener Wish Fullfillment Charakter, der immer alles richtig macht, total unbesiegbar erscheint, und für den alle Mädels schwärmen, selbst wenn sie mit ihm verwandt sind (jepp). Asuna ist ein süßes Mädel, das gut kocht und kämpft, die die meiste Screentime neben Kirito bekommt, und dennoch fühlt es sich nie an, als kenne ich sie nicht.

Und das Geilste dabei? Die Serie blendet regelmäßig Jahresdaten ein, damit man weiß, wie viel Zeit in der realen Welt vergangen ist. Bei Folge 5 angekommen war alles Erlebte episodisch, ohne Konsequenz, und keiner scheint besonders besorgt darüber zu sein das Spielende zu erreichen – die Jahreszahl sagt aber das Jahr 2024 an, die Serie startet 2022! Es fühlt sich an, als wären die zwei Wochen im Spiel, dabei sind zwei reale Jahre vergangen, und die haben so gut wie nichts dafür vorzuweisen. Scheiße, wie lang kann es in dem Spiel denn dauern sich auf Max-Level zu grinden und alle Dungeons zu raiden?

Und das Beste daran wieder? In Folge 14 gibt die Serie ihre erste Story Arc einfach komplett auf! Kein Wunder das alles ein so überstürztes, unzusammenhängendes Durcheinander war, bei dem wir absolut nichts über die Welt, weder Real noch Virtuell, oder die partizipierenden Charaktere herausfinden. Sie erreichen Stockwerk 100 nie, sondern der Endboss kommt einfach schnell zu ihnen, ein überhasteter Kampf entbrennt, das Spiel ist rum, und der Erschaffer erzählt uns noch nicht mal, was die Beweggründe dahinter waren, dass er aus seinem MMO eine Todesfalle gemacht hat. SOA hat absolut keinen Respekt vor seinem Publikum.

Die restlichen Folgen finden dann in Alfheim Online statt. Denn Asuna ist im Gegensatz zu Kiriko nicht aufgewacht, dafür scheint sie in jenem anderen VRMMO gefangen zu sein, und er geht sie retten. SOA hat also seine – im Grundatz – wesentlich interessantere Aincrad-Arc überhastet aufgegeben, um eine wesentlich uninteressantere Geschichte über ein Elfen-MMO mit „Rette die Prinzessin“-Geschichte zu erzählen. Fein.

Und erneut, geht die Show jemals auf die wirklich interessanten Fragen ein? Nach 2 Jahren plötzlich aus einer virtuellen Realität zu erwachen, die mittlerweile für einen realer erscheint, als die echte? Die Probleme sich wieder in eine Gesellschaft einzugliedern, die sich weiterentwickelt hat, während man 2 Jahre komplett verloren hat? Oder selbst der Plot, dass der Macher von Alfheim Online die VR-Technologie dazu missbrauchen will, um die Gedanken von Menschen steuern zu können?

Nope, all das wird wieder ganz unmotiviert in Halbsätzen nebenbei erzählt, es ist doch wesentlich interessanter zu sehen, dass sich Kiritos Cousine in ihn verliebt, oder wie Asuna von Tentakel-Schnecken begrapscht wird, oder den übertriebenen Bösewicht seinen Schnauzer zwirbeln zu lassen. Und weil die Serie noch nicht über genug Haie gesprungen ist, wird am Ende der Staffel, nachdem zwei VRMMOs schrecklich schief gelaufen sind, und alle mentale Narben fürs Leben aus ihnen gezogen haben sollten, von unseren Charakteren der Seed eben jener MMOs benutzt, um per Open Source einfach jeden selbst ein Spiel draus machen lassen zu können. What in the actual fuck.

Nun kommt aber mein dunkles Geheimnis: Ich konnte gar nicht damit aufhören SOA zu schauen. In wenigen Tagen habe ich es durch alle 25 Folgen geschafft, was ich häufig nicht mal bei guten Serien hinbekomme. SOA hat mich da etwas an Code Geass R2 erinnert: Es ist furchtbar, extrem schlecht geschrieben, ein absolut unlogisches Frankensteingebilde, immer kurz davor unter seinem eigenen Mist zusammenzubrechen… aber Mensch wenn die Fahrt nicht unterhaltsam war. Für wie unfähig diese Serie ist, so ist es doch einfach faszinierend, jenes in der Entfaltung zu sehen. Von daher… unterhalten hat sie mich schon, nehme ich mal an. Staffel 2 werde ich mir aber dennoch wohl eher nicht ansehen, die Faszination am Grauen kann nicht ewig halten.

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