Dante’s Cove

ava-1654Hmm… [Reich & Schön] + [Charmed] + [Queer as Folk] = [Dante’s Cove]. Halbwegs in der TV-Landschaft sich auskennende Leser werden sicherlich sofort gemerkt haben, dass keine der Zutaten-Shows per se gut genannt werden kann, was natürlich beabsichtigt ist. Wer sich mit weniger bekanntem Film-Trash auskennt, dem sei auch der Vergleich gegeben, dass Dante’s Cove wie eine Serialisierung eines dieser dämlichen „Horror“-Filme, die David DeCoteau monatlich raus haut, ist, sogar bis dahingehend, dass die DVD-Cover die gleichen halbgaren Photoshop-Collagen halbnackter Kerle sind.

Ok, so, die erste Staffel hab ich geschaut, die „nur“ aus 2 Folgen besteht, jene sind aber überlang von 90-100 Minuten, also quasi ein doppelter TV-Film, wirklich. Hauptcharaktere sind das Pärchen Kevin und Toby. Toby lebt in Dante’s Cove, Kevin hingegen in einer anderen Stadt und noch in seinem Elternhaus mit Mutter und Stiefvater. Und dann haben wir (zumindest nach dem Prolog, der die Backstory in Achzehnhundertschlachmichtot erzählt) erst mal eine halbe Stunde Drama darum, Kevin nach Dante’s Cove zu bringen. Alles ziemlich unnütz, da Toby ihn eh bei sich wohnen haben will und Kevin irgendwo in seine Zwanzigern ist, es also keinen Grund gäbe, warum er nicht wie jeder Erwachsene einfach umziehen kann. Stattdessen trennen sich die beiden fast darüber, dass Kevin sich nicht outen will, und Kevin bekommt zu Hause von seinem Stiefvater ein wenig Gay Bashing, woraufhin er dann doch zu Toby flieht. Ich nehm mal an das ist weniger ein unnütz komplizierter Weg, um Kevin nach Dante’s Cove zu bringen, und mehr Grund, um im späteren Verlauf mehr Ansatz für Drama und Kevin ein wenig Damage zu geben (ein Charakter meint ja auch, dass Kevin so ein schweres Leben hatte – und von den Eltern nicht akzeptiert zu werden ist sicherlich nicht schön, aber das ist doch etwas übertrieben melodramatisch, da Kevin abgesehen von jenem Punkt ein biser ziemlich einfaches und Sorgenfreies Leben geführt zu haben scheint). Ist halt immer etwas doof, wenn man sofort alle Klischees auf einmal verpulvert.

Kevin kommt also im Hotel Dante an, wo Toby in einer LGBT-Community lebt. Und eine interessante Geschichte hat das Haus auch noch: In den fünfziger Jahren sind zwei Kinder in einem Feuer ums Leben gekommen, und ihre Geister sollen nun hier umher gehen. Als wesentlich bedrohlicher stellt sich allerdings der unsterbliche Ambrosius im Keller heraus. Der wollte in Achtzehnhundertwasauchimmer eine mächtige Hexe heiraten, um an deren Macht zu kommen, als die allerdings Ambrosius auf dem Schwanz des Butlers herum hüpfend vorfand, hat sie ihn dort unten eingekerkert, ihm sein gutes Aussehen genommen, und nur der Kuss eines Jünglings kann ihn befreien. Seine Mächte hätte sie ihm aber auch mal nehmen sollen, denn Ambrosius hypnotisiert einfach den schlafenden Kevin, und zwingt ihn so dazu ihn frei zu küssen. Warum er das nicht bereits früher mal mit einem der vielen Gays in ihren Zwanzigern, die unter diesem Dach leben, oder zu deren Partys auftauchen, gemacht hat, bleibt mal offen.

Für die ordentliche Portion Drama sorgt nun, dass Ambrosius sich sofort in Kevin verliebt hat, und deswegen Toby aus dem Weg haben will. Währenddessen muss Kevin mit seiner Liebe gegen die Hypnose ankämpfen. Und der beste Freund Tobys, der eigentlich hetero ist, in den Toby aber mal verknallt war, und der sich wie eine neidische Ex aufführt, wohnt auch noch im Hotel Dante. Dun dun dun!

Dante’s Cove ist unglaublich billig und unglaublich dämlich. Aber auf eine dümmlich-trashige Art schon fast wieder ordentlich unterhaltsam. Die zweite „Folge“ zumindest, warum die erste volle 90 Minuten geht ist mir hingegen ein Rätsel, da zwischen dem Prolog und dem Finale ehrlich gesagt herzlich wenig in den anderen 60 Minuten passiert – von viel Heavy Petting mal abgesehen. Denn ganz wie Queer as Folk ist sich auch Dante’s Cove nicht zu schade, wenig Content mit ordentlich Softporn aufzublasen (heheh). Keine Szene davon allerdings, die wirklich sexy wäre. Die Akteure und Aktrissen werden zwar alle eingesprüht, so dass es aussieht, als schwitzten sie wie die Schweine, aber der „Sex“ kommt dann mehr wie eine Diashow rüber, da sie sich kaum bewegen, sondern nur unnatürlich aufeinander drapiert daliegen, damit die Naughty Bits bedeckt bleiben. Das schlecht nachträglich(?) drüber gedubbte Küssen und Stöhnen hilft auch nicht.

Irgendwie fühl ich mich auch bestechend wie in einer Show aus den 90ern, nicht 2005. Die ganze Optik erinnert doch stark an die durch Buffy wieder beliebt gemachte Teen-Supernatural-Welle der zweiten Hälfte des Jahrzehnts, aber auch Abenteuerserien aus der ersten Hälfte, wie dieser Tomb Raider und der Jurassic Park Klon. Das Überlange Opening, die schreckliche musikalische Untermalung, und die zehn Jahre überholten Outfits aller Charaktere erinnern mich zumindest ziemlich an jene Epoche. Nur ist das Schauspiel wesentlich schlechter, viel viel viel schlechter.

Ist denn überhaupt irgendwas an Dante’s Cove gut? Nein. Ernsthaft nicht. Es ist billig anzusehen, schlecht geschauspielert, schlecht geschrieben, vorhersehbar und doch durcheinander, übertrieben melodramatisch… alles Zutaten für ein „so schlecht, dass es unterhält“ Anschauen, aber nichts, von dem ich die weiteren Staffeln schauen werde, obwohl die auch nicht viel länger sind.

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