Warm Bodies

ava-1609Wo wir gerade bei Young Adult Büchern sind, Warm Bodies ist eines davon, auch wenn der Autor es nicht gern in dieser Sektion eingeordnet sieht. Es ist auch eine der Beispiele, dass darin durchaus auch guter Stoff zu finden ist. Würde ich jetzt mal so sagen, ohne es gelesen zu haben. Denn was ich getan habe ist lediglich den Film zu schauen.

Das Leben von R ist ziemlich unbefriedigend. Keiner scheint wirklich mehr miteinander zu kommunizieren, keine wirklichen Bindungen mehr aufbauen zu können. Der ewige Hunger. Das fehlende Gedächtnis, weswegen er sich nicht mal mehr an seinen vollen Namen erinnert. Gefangen sein im Flughafen, da er nicht weiß, wo er sonst hin sollte. Und wenn man dann mal raus geht, läuft man ständig Gefahr, sich eine Kugel einzufangen.

Denn die Zombie-Apokalypse ist geschehen und R hat es erwischt. Er ist Teil der kriechenden, hirnlosen, Hirn verspeißenden, knurrenden Masse geworden. Zumindest bis er Julie entdeckt, eine der Überlebenden, in die er sich noch verliebt, bevor er auch noch den ersten Bissen ihres (damit dann nun Ex-)Freundes runtergeschluckt hat.

Ich hab es ja nicht so mit Zombie-Filmen. Aber Warm Bodies war wirklich überraschend erfrischend. Wohl schon alleine wegen der Tatsache, weil es die Zombie Apokalypse aus der Sicht eines Zombies aufrollt. Und zudem eine Liebesgeschichte zwischen Zombie und Mensch ist natürlich. Das alles allerdings mit viel Witz und Charme rübergebracht, sich selbst nicht allzu ernst nehmen. Das muss man wohl auch so machen, denn ansonsten würde Warm Bodies schon an seiner käsigen Prämisse alleine scheitern, die sich in „wuv saves the day – even if zombie apocalypse“ zusammenfassen lässt. Wahre Liebe als das Heilmittel in (Teen-)Romanzen ist ja mehr als nur Klischee, also warum das im Bereich Paranormal Romance nicht auf die Spitze treiben, und es sogar das Heilmittel für das Zombie-Virus sein lassen?

Beispielsweise überlegt R zu Beginn, wie es wohl an öffentlichen Flughäfen aussah, als noch nicht jeder ein monoton rumirrender Zombie war, als Menschen noch miteinander zu leben und kommunizieren wussten – alles vor den Aufnahmen, wie es heutzutage wirklich aussieht: Jeder starrt aufs Smartphone und ignoriert alle anderen. R sammelt WALL-E mäßig auch Mementos der Menschheit, darunter Vinyl-Platten, weil der Sound da besser ist. Ernsthaft. Und wenn er später mit Make-up menschlicher gestylt wird, fängt doch tatsächlich „Pretty Woman“ an zu laufen.

Damit ist schnell klar, dass Warm Bodies eben wirklich unglaublich unterhaltsam und lustig ist. Und wenn ein Zombie als Love Interest herhalten muss, dann müssen jene natürlich auch vermenschlicht werden. So gibt uns R einen ständigen inneren Monolog über alles, statt das wir ihn nur Knurren hören. Und wie gesagt heilen die Zombies im Film nach und nach. Auch das Essen von Gehirnen tun sie nicht nur, weil das Organ am Besten schmeckt, sondern weil ihnen dadurch die Erinnerung ihrer Nahrung noch mal gedanklich aufblitzt, dem Zombie also gibt, was er verloren hat: Gedanken an Menschlichkeit und das frühere Leben. Die Zombies sind wirklich überraschend knuffig, dafür das sie weiterhin nur das Fressen von Menschen im Kopf haben. Als echte Gefahr herhalten müssen dann auch die mumifizierten Zombies, die tatsächlich bar jeglicher Rettung sind, und entstehen, wenn normale Zombies jeglichen Willen zum Weitermachen verlieren. Die sind dann die echten Monster im Film.

Mir hat der Film echt gut gefallen. Er ist clever, er ist charmant, er ist witzig, ein wirklich kleiner aber feiner Film, bei dem die „twu wuv“-Sache sogar funktioniert, weil er sich dessen Dämlichkeit voll bewusst ist. Ein überraschend unterhaltsames Stück um Julie und ihren Zombie Romeo.

warmbodies

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2 Kommentare

  1. Im Trailer hab ich das ni(e so gesehen. Da dachte ich noch dass es unfreiwillig komisch ist.

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