The Day of Black Sun, or Watching Avatar: Book Fire

ava-1603Ich muss eingestehen das ich von der drittn Staffel ein wenig enttäuscht war. Versteht mich nicht falsch, es war eine weitere gute Staffel, und definitiv weiterhin wesentlich besser als die etwas holprige erste, doch Book Earth hat sie für mich nicht übertroffen.

Ein Teil davon war auch, weil ich nicht ausblenden konnte, warum die Truppe immer so viel Zeit vergeudet. In der ersten Staffel etabliert die Serie, dass Aang kaum noch Zeit bleibt, bis der Komet kommt, und er bis dahin alle Elemente beherrschen muss, was eigentlich Jahre dauert. Staffel 2 unterstreicht das noch mal, in dem sie von der Sonnenfinsternis erfahren, die sogar noch früher stattfinden wird, und ihnen eine gute Möglichkeit zum Erstschlag offeriert. Jetzt sind wir also in der finalen Staffel, Sonnenfinsternis und Komet stehen unmittelbar bevor, Feuer muss er noch lernen, wir sind auf Feindgebiet… und dann verliert sich die erste Hälfte der Staffel erneut in Unwichtigkeiten.

Die erste Folge fängt dabei gut genug an. Wir sehen was aus den Charakteren nach dem Finale der vorigen Staffel geschah. Aang wacht aus seinem Koma auf, muss verarbeiten, dass das Erdkönigreich verloren ist. Gleichzeitig bietet die Tatsache, dass er für tot geglaubt wird, aber auch den strategischen Vorteil, dass er mit der Truppe nun in die Feuernation eindringen kann, ohne dass jeder nach ihm Ausschau hält. Zuko hingegen hat den Respekt seines Vaters zurück, zweifelt aber stark daran, dass dieses lang gehegte Ziel ihn wirklich noch glücklich macht.

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Aber eben dann. In der nächsten Folge hängt Aang mehrere Tage in einer Schule ab, weil ihm der Unterricht so gefällt. Dann hält Katara die Gruppe für mehrere Tage auf, weil sie einem Kuhkaff am Arsch der Feuernation helfen will, statt sie für das größere Gute der WELTRETTUNG sich selbst zu überlassen. Dann geht der sich ob des Fehlens von Bändigerfähigkeiten nutzlos denkende Sokka bei einem Schwertmeister trainieren. Danach gibt es eine Folge mit Strandurlaub. Anschließend eine Folge, in der Toph ihre Kräfte nutzt, um Trickbetrüger selbst zu betrügen. All dies scheint Tage und Wochen zu dauern. Es ist nicht so, dass die Folgen nicht witzig und interessant wären, nicht teilweise auch der Charakterentwicklung dienlich sind. Ich kann auch verstehen, dass man nicht ständig unter Strom stehen kann, sondern vielleicht auch mal ein oder zwei Stunden sich in einer heißen Quelle entspannt nach Tagen des Kampfes und Planens. Doch wenn etabliert ist, dass die Uhr bereits auf Fünf vor Zwölf steht, sollten die Hauptcharaktere vielleicht doch mal darauf hinarbeiten, die Welt zu retten, statt für mehrere Episoden Blödsinn zu treiben. Ich bin überascht, dass es keine Makeover-Folge gab, die uns zeigt, wieso alle plötzlich neue, attraktivere Frisuren haben.

Auch wird die Serie wieder wackeliger, wenn es um besagte Charakterentwicklung geht. Die Beziehung zwischen Zuko und dem Emo-Girl will nicht so wirklich Chemie aufweisen. Wenn sich Zuko später endlich den Guten anschließt, eröffnet ihm Kitara, dass sie ihm nicht über den Weg traut – ist die nächsten zwei Folgen aber Ok damit, dass Zuko einfach alleine mit Aang respektive Sokka auf einen Tripp geht, nur um in der anschließenden Folge dann wieder nichts von ihm zu halten. Ein gutes Beispiels hierfür ist auch die besagte Strandurlaubs-Folge, in der wir mehr Zuko, Azula und ihren beiden Charlies Engeln begleiten. Ich finde es gut, dass den drei Mädels, allen voran Azula, etwas mehr Charaktertiefe gegeben wird, aber wie die Gruppe am Lagerfeuer einfach aus dem Nichts ihre Charakterschwächen und Ängste herauszuposaunen beginnen, ist doch mehr als nur seltsam umgesetzt. Hormonelle Teenager hin oder her. Und was hat es mit dem „Zyklopen“ auf sich, den Zuko auf die Truppe ansetzt? Für ein paar Folgen ist er denen ständig dicht auf der Spur, verschwindet dann so lange aus der Serie, dass ich dachte, ich hätte seine Todesszene verpasst, nur um dann doch wieder rausgeholt zu werden, wenn man einen schnellen Weg braucht, um dem Trupp gegenüber Zuko vertrauen bilden zu lassen. Wenn Azula im Finale plötzlich ob der Macht, die ihr gegeben ist, wahnsinnig wird, ist das zwar cool, hätte aber vielleicht etwas längere Zeit gebraucht als über 10 Minuten hinweg zu geschehen.

Ich will mich aber nicht nur beschweren, egal wie sehr mir das einacher fällt, als positiv zu sein. Was ich beispielsweise wirklich mag ist, dass doch jede Nation ihre eigene Identität hat. Natürlich ist das alles etwas breitflächig und simplifiziert, in dem jede Stadt und jedes Kleidungsstück in ihnen ihre jeweilige Elementfarbe zu tragen hat, aber es gibt halt doch ein paar nette Inspirationen. Die Wassernation erinnert an Inuit, die Windtempel an buddhistische Mönche, die den Großteil an Land einnehmende Feuer- und Erdnation sind sich da zwar ähnlicher, allerdings hat die Feuernation einen Einschlag von industrieller Revolution, während die altertümlichen Sonnenkrieger an südamerikanische Hochkulturen angelehnt sind.

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Was ich sicherlich auch sehr mochte, war die Folge „The Avatar and the Firelord“, die uns zeigt, dass der Vorgänger von Aang und der damalige Herrscher der Feuernation befreundet waren. Und vor allem, dass Sozin im Gegensatz zum aktuellen Feuerlord Ozai nicht so schwarzmalerisch behandelt wird, nämlich denkt das richtige zu tun, in dem er alle Nationen sich unterjocht, um Frieden unter einem Herrscher anzustreben. Er ist nicht genetisch böse, sondern schlichtweg ein Imperialist der denkt für das größere Gute zu handeln. Eine moralisch komplexere Ansicht, als die Serie unserem Gutmenschentrupp oder Ozai anzudenken bereit ist – aber dann wiederum ist Avatar nunmal eine Kinderserie, egal wie viele deswegen jetzt rechtfertigend aufschreien werden.

Im Finale habe ich dann auch gemerkt, wie eindimensional Ozai doch ist. Wenn nämlich gleichzeitig die Auseinadnersetzung von Ozai vs. Aang und von Azula vs. Zuko läuft. Der Kampf Ozai vs. Aang ist wichtig, sicherlich, weil er das Schicksal der Welt entscheiden wird, und weil Aang nicht weiß, ob er ein Leben zu nehmen bereit ist, selbst wenn es einen Tyrannen stürzt. Aber dennoch war der Kampf Azula vs. Zuko wesentlich spannender (und ist mit der besseren Musik unterlegt). Denn wir kennen Azula und Zuko als Charaktere mit Hintergrund und einer Geschichte, mit sehr persönlichen Gründen, warum die beiden gegeneinander antreten. Über Ozai wissen wir gar nichts, außer das er böse ist. Er und Aang haben keinen wirklich tieferen Grund zum Kampf, außer „weil es Schicksal ist“. Und es läuft auch durch die üblichen Stadien, so geil die Sache auch teilweise animiert ist: Ozai scheint die Oberhand zu haben, Aang wird Super-Saiyoyo, Aang stampft Ozai in Grund und Boden, Aang kann sich aber doch noch zurückhalten bevor er den Gegner tötet.

Das ist das Gesamtgefühl, welches ich bei der Staffel einfach ein wenig mitgeklungen spürte. Das sie sich die Sache etwas zu einfach macht, etwas zu unreflektiert ist, manchmal nicht gut genug durchdacht. So sehr keine wirkliche Durchhängerfolge dabei ist, eigentlich immer was witziges oder spannendes passiert, so gut ich unterm Schnitt unterhalten war, ich hatte etwas mehr erwartet. Wo wir wohl wieder darauf zurückkomen, dass Avatar: The Last Airbender aller Qualität zum Trotze eben doch eine amerikanische Kinderserie ist, bei der ich vielleicht mit etwas zu hohen Erwartungen rangegangen bin, dies nämlich auch durchbrechen zu wollen, was sie nie ganz tut. Das macht sie nicht minder sehenswert, aber evtl. sollte man sich von dem Hype drum herum nicht blenden lassen.

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