I’m not gonna buy Tomodachi Life, but for different reasons than you might think

ava-1584Ugh… wisst ihr was ich so richtig leid bin? Die Diskussion um Tomodachi Life. Seit einem halben Jahr gehen die fruchtlosen Auseinandersetzungen nun schon, und immer wenn ich aufatme, denkend der Shitstorm ist endlich weiter gezogen, bringt es jemand neues hervor. Irgendwann ist ja auch mal gut. Ich wollte den ganzen Mist eigentlich bestmöglich ignorieren, aber anscheinend ist das einfach nicht möglich. Aber wirklich, mir hängt die Sache mittlerweile genauso zum Halse raus, wie die Diskussionen, ob Videospiele Kunst sind, oder zwecks Sexismus gegenüber Frauen, beides Themen die anzusprechen sich mehr lohnen würde, wenn man sie nicht ganz so penetrant zu Tode wieder und wieder käuen würde, und wenn die meisten darin involvierten Gamer nicht eh Vollidioten wären, die schlau klingen wollen, aber häufig eben doch nur Blödsinn von sich geben.

Am Spiel an sich war ich eh nie interessiert. Tomodachi Life ist ein Lebenssimulation, aber eine ziemlich schräg aussehende. Von daher sollte es für mich sein, hmm? Da gibt es zwei Dinge, die mich aber maßgeblich abturnen. Erstens wäre da, dass Tomodachi Life Miis verwendet, und die sehen nun Mal absolut hässlich aus. Nein Danke, da spiele ich lieber Sims 3 oder Animal Crossing und kann jemand attraktiven/niedlichen erstellen, statt mit so einem ekligen Mii spielen zu müssen. Punkt Zwei wäre, dass man in das Spiel eh anscheinend nur rudimentär eingreifen kann, die Miis nach Einfügung in der Welt Großteils selbstständig zu agieren scheinen, basierend auf den gegebenen Parametern. Also wie Sims 3 auf komplett freien Willen gestellt und dann nur noch zugeschaut? Nope, kein Interesse.

Die Diskussion, der man sich ja nirgendwo zu entziehen scheint, hingegen ist eine andere: Ist Nintendo homophob? Denn Miis in Tomodachi Life können heiraten, aber nur heterosexuelle Ehen schließen. Das ist aber sicher nicht das große Problem, nein das Problem kam auf, weil es in der japanischen Version durch einen Bug möglich war, dass auch Homo-Ehen geschlossen werden, was aber den Gang aller Bugs gegangen ist – es wurde vor einem halben Jahr raus gepatcht. Ein Bug übrigens, der nur für importierte männliche Miis aus dem Vorgänger auftrat, also keine Lesben-Ehe unterstützte nicht in der westlichen Version möglich gewesen wäre. Und sofort stand das Internet in Flammen. Und dann wieder, als es für den Westen angekündigt wurde, und seither wird die Diskussion quasi im Wochentakt rausgeholt.

Das größte Problem an der Diskussion ist sicherlich, dass sich häufig beide Seiten mehr als nur dämlich anstellen und das Argument deswegen fast immer bereits nach ein paar Antworten extrem zu degenerieren beginnt (Idioten, die sich für schlau halten – im Internet? No waiz!). Wir haben die Seite, die Nintendo einfach mal pauschal homophob nennt, ohne auch nur anzuerkennen, dass dies ein Bug war, statt ein entferntes Feature. Und auf der anderen Seite natürlich die „Homos sind eklig“-Fraktion (Homophobe Gamer? Say it ain’t so!) die das in mehr oder weniger eloquente Worte fassen, Strohmann-Argumente und nicht vergleichbare Vergleiche anbringen, aber doch häufig genau auf das zurück kommen. Das Ganze hat Ausmaße angenommen, dass ich jedes mal innerlich aufstöhne und mit den Augen rolle, wenn ich irgendwo ein neues News-Thema zu Tomodachi Life, oder einen gebumpten Thread sehe.

Ich mein, es ist sicherlich sehr nett, dass sich über fehlende Gleichberechtigung in Spielen beschwert wird, dass Gaymer anscheinend doch einen starken Kern Befürworter haben, die sich für sie einsetzen, und ohne Vokalität ändert sich in der Welt natürlich auch nichts… aber ist es nicht irgendwann auch mal gut?

Ich persönlich sehe das so: Die Nicht-Inklusion in Tomodachi Life wundert mich ganz und gar nicht, da Homosexualität etwas ist, was in den meisten Spielen einfach nicht existiert, schon gar nicht in den sich an Kinder richtenden. Denn so sehr wir gerne propagieren, wie liberal und aufgeschlossen unsere heutige (Erste) Welt doch ist, so sind homosexuelle Ehen immer noch in den wenigsten Ländern erlaubt. Und das schließt Deutschland ein, wo homosexuelle Männer ja bis heute nicht mal erlaubt sind Blut zu spenden dank des HIV-Stigmatas der frühen 90er. Und unsere Gesellschaft sieht Homosexualität auch immer noch als etwas an, mit dem man Kinder nicht auseinander setzen darf, was die Wertung von Spielen wohl auf ein 12+/M setzen würde. Von daher gibt es meiner Meinung nach wesentlich wichtigere Baustellen, um so viel Energie auf den Kampf der Gleichberechtigung zu verbrauchen, nämlich die reale Welt, nicht irgendein dämliches Videospiel. Denn wenn Homosexualität so normal und anerkannt in unserer Ersten Welt wäre, wie das immer gerne dargestellt würde, dann stellt sich die Frage für Videospiel-Hersteller erst gar nicht, sondern es wäre ein No-Brainer die Option natürlich auch in der virtuellen Welt zu geben. Es spricht nichts dagegen, bei gegebenem Anlass mal zu erwähnen, dass mehr Repräsentation – gerade in Lebenssimulationen, wo man sich selbst als der Avatar verwirklichen soll – schön wäre, aber ganz so militant muss man bei so einem unwichtigem Thema wie Games nicht sein, sich überlegen wann und wie man seine Schlachten schlagen will.

Ich würde so weit gehen, dass die ganze Sache auch gar nicht mal einen Bruchteil so viel Aufmerksamkeit bekommen hätte, wenn es den Bug nie gegeben hätte, wenn Homo-Ehen von Anfang an einfach nicht möglich wären hätten die meisten sicher gar nicht dran gedacht, dass sie es sein müssten. Ganz so, wie ich selbst nie wirklich drüber nachgedacht habe, warum Animal Crossing oder Pokemon X/Y einem keine dunklen Hautfarben geben, weil es der Selbstentfaltung für mich als Kaukasier nicht im Wege steht.

Und gerade Nintendo homophob zu nennen ist genauso naiv und blauäugig, wie das Nintendo erwartet hatte, dies würde gar kein Aufsehen erregen. Nintendo ist eine japanische Firma. Japan ist ein sehr homogenes Land, in dem jeder von Kind auf darauf getrimmt wird, wie die Borg absolut gleich zu leben. Das Land hat weder einen großen Ausländeranteil, noch sieht es Gleichberechtigung (sowohl von Frauen wie Homosexuellen) mit der gleichen Strenge. Aller Boys Love/Yuri Populärkultur zum trotze, die als Fantasie von Hetero-Frauen für Hetero-Frauen existiert, nicht zuvorderst für Homosexuelle, steht man in Japan immer noch besser, wenn man als Homo sich nicht outet, es nicht in den Blickpunkt des sozialen Umfeldes stellt. Von daher überrascht es gar nicht, dass schlichtweg niemand im Team daran gedacht hat, dass dies eine Option ist, die das Spiel überhaupt bräuchte. Und ein Bug ist schlichtweg etwas, was gepatcht werden muss, weil es zu allen möglichen Fehlern führen kann. Nintendo Homophobie zu unterstellen ist also etwas übertrieben, die armen Tropfe wussten es einfach nicht besser und haben sich sicherlich nichts Bösartiges gedacht, sie kommen nur halt aus einer ganz anderen Kultur.

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