GameBoy Obscurities: Lufia Returns

ava-1572Die Lufia-Serie hat vielleicht nicht die größte, aber doch eine merkliche Zahl Fans mit seinen zwei SNES-Teilen gewonnen, von denen leider nur der zweite auch in Europa erschien (dann wiederum ist der sowieso der einzig wirklich beliebte Teil). Danach wurde es eher still um die Reihe aus der B-Riege der 16bit-RPGs, doch gibt es tatsächlich noch zwei Nachfolger auf Handhelds, bevor sie sich wirklich zum Sterben niederlegte. Zumindest bis zum DS-Remake, das aber auch keine Sau gekauft hat. Neverland, die die Lufias für Taito, aber auch die Rune Factories für Marvelous (wo wir gerade bei B-Grade RPGs sind) produziert haben, sind übrigens letztes Jahr bankrott gegangen, mal so nebenbei bemerkt.

Meine persönliche Geschichte mit der Lufia-Reihe ist recht kurz. Ich war mir nämlich zwar aller fünf Releases bewusst, habe selbst aber kaum welche gespielt. Das damals in Europa herausgekommene Lufia II hab ich auf dem SNES besessen, und wohl auch genug gemocht, als das es zu den wenigen Titeln gehört, die ich im frischen Jahrtausend aus Nostalgie mit meinem zweiten SNES zurück erstanden habe. Lufia 3 kam raus, als ich mir aus GBC-Gaming nichts mehr gemacht habe, 4 und II-Remake kamen eh nie zu uns. Das erste Lufia hab ich als ROM mal runter geladen, aber dann doch nie gespielt. Also ja, gespielt hab ich bisher tatsächlich nur II und das vor über 10 Jahren zuletzt. Zunächst wollte ich deswegen die ersten beiden zuerst spielen, was ich mittlerweile aber aufgegeben habe, weswegen aber Lufia 3 eben erst jetzt dran kommt, obwohl es seit den Anfängen vor einem Jahr auf der Liste ist.

Tatsächlich war ich etwas überrascht, denn Lufia: The Legend Returns ist tatsächlich ein vollwertiger Eintrag, nicht nur was die Handlung angeht, sondern auch vom Spielerischen her. Ich bin es immer noch etwas gewohnt, dass viele Handheld-Spiele – besonders RPGs – vorm GBAdvance eher abgespeckte/simplere Versionen bzw. Spinoffs von großen Konsolenkollegen waren. Mystic Quest ist Final Fantasy meets Mana für unterwegs, Last Bible ist Megami Tensei meets Dragon Quest für den Handheld, SaGa ist Final Fantasy II für die Busfahrt, Azure Dreams hat wesentlich weniger zu bieten auf dem GameBoy Color etc. pp. Nicht so Lufia 3, mit satten 25-30 Spielstunden, Sidequests und einem komplexen Kampfsystem gesegnet, könnte das so auch ein Nachfolger auf dem SNES gewesen sein (entstand ja auch aus den nicht verwirklichten Plänen eines PlayStation-Nachfolgers).

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Aber genug des epischen Vorgeplänkels in 400 Worten, worum geht es in Lufia 3? Um das, worum es in Lufia immer geht. Eine Reise von sich zusammenfindenden Gutmenschen, die ausziehen den Sinistrals das Fürchten zu lehren, weil die die Welt bedrohen. Was an den ersten beiden Lufias so cool war, ist nicht nur die direkte Verlinkung, sondern das Lufia II ein Prequel zum Erstling darstellte, der im Prinzip mit dem Ende des zweiten Teiles anfing. Und das Lufia II einen ziemlich fiesen Dämpfer gegen Ende hingelegt hat. Lufia 3 startet dann auch mit einer kurzen Narration zu den zwei vorigen Doom Island Wars, nun sind erneut 100 Jahren vergangen, die Sinistrals tauchen wieder auf, müssen erneut aufgehalten werden. Wie die Vorgänger gestaltet sich der Spielverlauf nun ziemlich Standard, denn wir bereisen die ganze Welt, sammeln überall Charaktere ein, besiegen einen Sinistral nach dem anderen (einen pro Kontinent sogar), und am Ende gibt es erneut eine fiese Wendung, die hauptsächlich dadurch überrascht, weil der restliche Spielverlauf einen in falscher Sicherheit gewiegt hat.

Standard-Reise durch die Lande bedeutet natürlich nicht zwangsläufig schlecht, wenn es denn richtig umgesetzt ist. Und ähnlich den Dragon Quests lebt Lufia 3 dann erneut hauptsächlich durch die Interaktion der Charaktere und den Wegstationen. So gibt es in JRPGs zwei gern verwendete Archetypen als Hauptcharakter: Emo und Idiot. Ersterer gern in 32bit-Zeiten genutzt, Nummer Zwei hingegen im Großteil der davor entstandenen vertreten. Blauäugig, gutgläubig, nicht sonderlich helle, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Und Lufia 3 macht da beispielsweise gar keinen Hehl daraus, dass Wain in Idiot ist, es wird sogar zum Running Gag, dass ihn jeder so betitelt, was ihn jedes mal erneut zu überraschen scheint. Ein weiterer Running Gag ist, dass bei fast allen Gaststädten durch die Hintertür hereingekommen werden kann, wodurch man umsonst übernachten darf, was alle Gastwirte mit einem Seufzen hinnehmen, als wäre das ein ungeschriebenes Gesetz. Ein weiterer Moment von Self Awareness ist, wenn Wain sich fragt, warum reiche Leute grundsätzlich immer ein Dungeon unter ihren Villen haben müssen. Was sie den Bösewichtern teilweise entgegen rufen ist auch herrlich. Es lässt sich schlecht erklären, wenn man nicht selbst spielt, aber die Reise in Lufia 3 ist eine sehr humorige, und dass das Spiel sich selbst und Genrekonventionen gern mal auf den Arm nimmt, sowie die witzigen Eigenschaften der diversen Charaktere und ihr Zusammenspiel, hat mich Lufia 3 außerhalb der Dungeons richtig mögen lassen – ich hatte eine echt gute Zeit mit dieser Truppe.

In den Dungeons sieht das leider wieder etwas anders aus. Die Entscheidung fiel darauf, die gut ausgeklügelten Puzzle-Dungeons von Lufia II fallen zu lassen, Lufia 3 bietet stattdessen randomisierte Kerker. Sprich jedes Dungeon spielt sich im Prinzip wie die Ahnenhöhle, nur kürzer und ohne auf Level 1 zurückgesetzt zu werden. Immerhin sind die Gegner nimmer noch sichtbar und es gibt ein paar Verstecke zu entdecken, doch das ändert nichts daran, dass die Dungeonarbeit in längeren Spielsessions tatsächlich ziemlich ermüdet. Die Dinger blenden einfach unglaublich schnell ineinander, besonders wenn sie anfangen 10+ Stockwerke zu haben. Da hilft das unterschiedliche Dekor auch nicht, wenn man zum x-ten Mal die gleichen Schachtelräume hat, die aus dem immer gleichen Baukasten zusammengewürfelt werden. Es gibt nicht mal besondere Items zu finden, abgesehen von den Ancient Texts, die IP-Skills beibringen, bietet so ziemlich jedes Dungeon den gleichen Kram. Antidotes, Potions, Goddess Tears – alles vom ersten bis zum Finaldungeon auffindbar!

Ach ja, die Ahnenhöhle an sich gibt es übrigens auch wieder, diesmal einfacher und mit richtig guten Belohnungen fürs Schaffen; genau wie der Eierdrache wieder dabei ist und als Übercharakter sogar ins Team aufgenommen werden kann, wenn man sich die Zeit nimmt.

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Überhaupt gibt es unglaublich viele Charaktere, was schon etwas komisch ist, wenn der Kampfend-Bildschirm immer länger wird, da selbst inaktive EXP bekommen, sowie bei späteren Handlungssequenzen alle 12(!) Charaktere einen Satz sagen müssen, selbst das nur Töne von sich gebende Capsule Monster (welches hier mehr ein normaler Charakter ist, es gibt keine Aufzucht wie in Lufia II). Die Anzahl wird deswegen benötigt, weil Lufia 3 im Kampf ein 3×3-Grid benutzt, also gleich 9 Charaktere gleichzeitig nutzt, was wohl ein ziemlicher Rekord von non-Strategie-RPGs ist. Allerdings kommt hier etwas Taktik mit herein, denn nicht alle 9 Charaktere können auch was tun, sondern jeweils nur einer pro Säule. Sprich wenn Seena hinter Wain steht und heilen soll, kann der in dieser Runde nicht angreifen. Außerdem gibt es besagt IP-Skills, die gewisses farbiges Mana benötigen, von denen jeder Charakter eine Farbe repräsentiert, und die in alle anderen aus der Säule und Reihe überfließt, der Rote Wain bekäme also auch das Blau von Seena ab. Dazu dann noch AOE-Sachen, die teilweise eine ganze Reihe oder Säule treffen/heilen und es wird schon etwas wichtig, sich zu überlegen, in welcher Formation man die Charaktere stellt. Dieses Mana, das ein Charakter besitzt, kann mit LP auch aufgelevelt werden, wobei man jedoch darauf achten muss, dass LP auch zum Kauf von Magien eingesetzt wird. Aber keine Sorge, ganz so kompliziert, wie das jetzt klingt, ist es auch wieder nicht, zumal Lufia 3 kein super schweres Spiel ist. Mit mächtigen IP-Skills wird man geradezu zugeschüttet, und ziemlich starkes Equip kann man gegen Ende auch haben, besonders wenn man sich zumindest ein Mal in die Ahnenhöhle wagt.

Lufia: The Legend Returns ist übrigens eines von nur sehr wenigen Videospielen, dessen japanisches Promo-Artwork absolut schrecklich ist, während das extra für den Westen neu gezeichnete Charakterartwork und Cover wesentlich besser anzusehen ist. Apropos schön anzusehen: Da wir es hier mit einem reinen GBC-Spiel zu tun hat, das jeglichen GB-Support aufgibt, ist dies hier zusammen mit Dragon Quest III wohl eines der bestaussehendsten Spiele des Handhelds, die mir untergekommen sind. An ein 16bit Lufia II mag es freilich nicht rankommen, aber alles außerhalb der Charaktersprites ist doch deutlich detaillierter, als man das vom frühen Nintendo-Handheld erwarten würde.

Auf der Haben-Seite von Lufia 3 steht jedenfalls ein recht interessantes Spielsystem zusammen mit einer wirklich unterhaltsamen Gruppe, die einem die Standard-Reise versüßt. Es ist etwas schade, dass die super langweiligen Dungeons dies etwas ruinieren. Eine ganz gute Zeit kann man mit Lufia 3 immer noch haben, aber ja, die versalzen den Spielspaß leider immer mal wieder unnötig.

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