Sucker Punch

ava-1567Als ich damals im Kino einen Pappaufsteller zu Sucker Punch sah, dachte ich mir, dass jetzt anscheinend der neue Hollywood-Trend ist, auf die Sexy-Girls-fight-Monster Trash-Sache Japans aufzuspringen, die dort mit Filmen wie Machine Girl und Tokyo Gore Police eine große Welle hatten. Dann hab ich gesehen, dass das Ding ab 12 Jahren ist und sofort jegliches Interesse dran verloren. Ich glaub wieder erweckt wurde es dann vom guten Ikki, der es mal positiv erwähnte, auch wenn ich mich an keine Details erinnere.

Okay, die Mutter von Babydoll ist gestorben, der Stiefvater ärgert sich, dass die beiden Mädels alles erben, und will sich auch noch an der kleinen Schwester vergreifen, weswegen Babydoll zur Waffe greift, schießt, und dabei leider ihre Schwester trifft. Der Stiefvater lässt sie anschließend einweisen, mit den Anweisungen an den Aufseher, dass er dafür sorgen soll, dass die 20-Jährige mit einer Lobotomie ruhig gestellt wird.

Während der Wartezeit bis ein Spezialist eintrifft, der dies tut, träumt sich Babydoll derweil etwas zusammen. Nämlich dass sie ein Waisenkind ist, das von einem Priester an ein Bordell verkauft wurde. Die hübschen, jungen Dinger dort führen regelmäßig Tanzeinlagen auf, und müssen für die Gäste anschließend den einen oder anderen privaten Gefallen erledigen. Immer unter dem wachsamen Auge von Blue, dem Besitzer des Etablissements. Nur bringt Babydoll neue Hoffnung in die Bude, hat sie doch einen Plan, wie sie entkommen können, wofür sie jedoch diverse Utensilien stehlen müssen. Zur Ablenkung führt das Naturtalent eines jener „Tänze“ auf, die die Form einer weiteren erzählerischen Unterebene einnehmen: Traumsequenzen von Machtfantasien, in denen die in Fetisch-Kostüme gesteckten Mädels mit viel Waffengewalt gegen Schurken kämpfen.

Tut mir leid Ikki, aber Sucker Punch hat mir wenig gebracht. Der Film muss entweder ne ganze Ecke dümmer oder eine ganze Ecke intelligenter sein, um mich wirklich zu unterhalten. Um wirklich als ein Statement für die Ausnutzung von Frauen und vor allem die sexistische Art und Weise, wie sie in Medien dargestellt zu werden, zu funktionieren, muss da einfach mehr Futter bei die Fische. Man kann nicht einfach die Mädels genau so sexistisch und fetischy in Szene setzen, am Ende Sweat Pea einen vagen Abschlussmonolog halten lassen, und dann meinen, dies wäre alles ein reiner Kommentar auf genau das, was man da selbst gemacht hat. Der Film ist einfach zu dumm dafür, zu Substanzlos. Aber dann auch wieder nicht dumm genug, und eben einfach nicht genug Exploitation, bietet nicht genug Sex-Appeal oder Gore, um so richtig trash-spaßig zu sein wie das ein Showgirls oder eben Tokyo Gore Police ist. Ironischerweise fehlt Sucker Punch also einfach der Punch. Und das, obwohl er von Zack Snyder ist, der uns mit Watchmen einen echt coolen und brutalen und auch intelligenten Film lieferte, außerdem mit 300 eine der witzigsten ungewollten Komödien brachte – aber die beiden Filme mussten auch nicht auf ein PG-13 kommen.

Das ganze Konstrukt des Filmes kommt für mich eben deswegen enorm ins Wackeln, weil er nicht brutal genug ist, und damit meine ich nicht nur in der Action, sondern auch in der Ehrlichkeit seiner Thematik. Bereits kurz nach ihrem Auftauchen im Bordell wird Babydoll von den anderen Mädels akzeptiert, und sind jene bereit der Hoffnung wegen ihrem Plan zu folgen, obwohl sie uns klar machen, dass sie damit ihre Leben riskieren, da die anderen Flüchtigen alle aufgehalten und getötet wurden. Nur hat Babydoll noch nicht viel getan, um sich ihr Vertrauen zu erarbeiten, außer Rocket vor einem Übergriff durch den Koch zu retten, was jene aber erst Preis gibt, als alle Babydoll bereits Ok finden. Und vor allem hat uns der Film noch gar nicht klar gemacht, warum das Schicksal der Mädels so schlimm ist, dass sie für die geringe Aussicht der Flucht ihr Leben riskieren. Denn wir sehen nie wie den Mädels etwas schlimmes angetan wird, selbst als Blue bereits wittert, dass die was planen, ist sein großer Einschüchterungsversuch lediglich, dass er einer mal kurz grob in die Haare greift. Sicher, der Film impliziert, dass die Mädels sich prostituieren müssen, aber selbst das sagt er nie direkt. Es dauert bis zum Finale des Filmes, bis sich wirklich mal jemand traut, die Mädels zu schlagen oder mit einer Knarre zu bedrohen. Wir als Zuschauer haben also keinen festen Griff darauf, wie schlimm die Lage der Mädels wirklich ist, weil der PG-13 Film uns weder sexuelle Übergriffe, noch physische Züchtigung gegenüber den Mädels zeigen darf.

Allgemein bleiben mir die Mädels auch einfach zu blass, wir finden ja quasi so gut wie nichts über irgendeine außer Babydoll heraus. Ein wenig mehr Charaktermomente hätten vielleicht gut getan, statt die „Tänze“ so ewig lang werden zu lassen. Ich mein, zu Beginn geben die nach ganz unterhaltsam-dumpfe Action, wenn die Mädels gegen Oni, Zombie-Nazis, Drachen oder Roboter kämpfen müssen. Doch nach einer Zeit blenden die alle zusammen, weil der Film zwar unglaublich stylisch anzusehen ist, aber eben für jede Sequenzen den genau gleichen Stil verwendet. Immer die gleichen ausgewaschenen Farben, immer die gleichen akrobatischen Einlagen, Schwertschläge und Schießereien der Mädels, die immer die gleichen knappen Kostümchen tragen. Diese Einlagen hätten entweder viel kürzer oder viel kreativer sein müssen. Und eben auch mit ein wenig mehr Wumms versehen sein können.

Ne sorry, Sucker Punch hat mich weder zum echten Nachdenken angeregt, noch mir genug brachial-coole Action geboten, als das mir die stylische aber blutleere Optik nicht nach der Hälfte langsam Ermüdungserscheinungen gebracht hätte.

suckerpunch

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4 Kommentare

  1. Ich habe damals ein Video-Review gemacht und fand den Film nicht so schlecht, zumal er überall verissen wurde, weil die Leute alle einen intelligenten Action-Thriller erwartet hatten. Ich hingegen war amüsiert, denn die Bilder sind echt gut (weswegen BluRay ein Muss ist!) und man kann sein Hirn mal für zwei Stunden auf Urlaub schicken. Im Übrigen ist der Film zumindest hierzulande ab 16 und es gibt zwei Versionen, ich hatte damals die Langfassung gesehen. Und eine Zusatzstory findet sich auch noch auf der Disc.
    Also ich behaupte einfach mal, dass wenn man ohne Erwartungen rangeht und sein Gehirn an der Garderobe abgibt, doch einen angenehmen Action-Streifen serviert bekommt, der trotzdem etwas (an den Haaren herbeigezogene) Story hat.

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    • Tatsächlich, ich hätte schwören können der Film ist ab 12. Mein Fehler.

      Ach, war in einem Video. Das erklärt warum ich mit der Suchfunktion nichts gefunden bekam.

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  2. So schlecht fand ich den Film auch nicht. Aber er ist, wie du geschrieben hast, nicht absolut super.
    Aber mir gefällt die Musik.

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