Disney Sunday – The Nightmare before Christmas

ava-1563Dachtet die Disney Sonntage wären rum, hmm? Allerdings ist mir danach mal wieder Nightmare before Christmas zu schauen, also gehen sie in eine kurze Bonusrunde der Stopmotion-Animationsfilme von Burton/Skellington Productions. Interessant hierbei ist, dass Burton seine Animationskarriere bei Disney begann, nach dem allerdings sein zweiter für die Firma produzierter Kurzfilm (das 1984er Frankenweenie, der als Bonus auf der Nightmare before Christmas DVD zu finden ist) als nicht Kinderfreundlich genug eingestuft wurde, feuerte ihn die Firma wieder. Ist schon interessant, dass er nicht mal ganz zehn Jahre später für sie dann diesen Film hier produzieren sollte, sogar musste, denn Disney hielt immer noch die Rechte am Titel, den Burton ursprünglich vor dem Rausschmiss machen wollte – und den Disney erneut für zu unheimlich für Kinder hielt und deswegen lieber unter dem Touchstone Label veröffentlichte.

Es gibt also für jeden Feiertag eine eigene Stadt, in der die Bewohner 364 Tage des Jahres auf das große Ereignis hinarbeiten, wenn sie in unsere Welt gehen und Stimmung verbreiten. Tim Burtons Film ist natürlich angesiedelt in Halloween Town, in der Jack Skellington, der Kürbis-König, Jahr ein und Jahr aus den gruseligsten 31. Oktober auf die Welt los lässt. Nur hat er nun ein Burnout, will sich neuen Herausforderungen stellen, und als er in das thematisch komplett andere Christmas Town gerät, hat er seine neue Bestimmung gefunden: Santa Claus kidnappen und den Feiertag übernehmen!

Irgendwo darin ist dann noch nebenbei ein Love Interest und ein Bösewicht, der im Finale besiegt werden muss, eingebaut, doch hauptsächlich geht es wesentlich mehr um Jacks streben nach Abwechslung und die daraus resultierende Erkenntnis, dass er seinen alten Job eigentlich doch mag – und die Halloweener ein im wahrsten Sinne des Wortes schreckliches Weihnachten produzieren, da sie eben den Geist eines ganz anderen Feiertages so geprägt hat.

Nightmare before Christmas ist natürlich der feuchte Traum für einen Tim Burton, da man in Animation so viele schräge Sachen machen kann, wie er in seinen Live Actions nie ganz realisieren konnte, besonders vor den Zeiten, als CG großflächig eingesetzt werden konnte. Auch wenn er letztendlich beim Film nur die Produzenten-Rolle hatte, da er bereits woanders mit Regiearbeiten voll eingebunden war, könnte der Film natürlich dennoch nicht Burton-iger sein. Sicherlich sind mittlerweile, nach dem dutzendsten Film von ihm, die Leute seinen Style etwas leid geworden, oder sagen dies zumindest, denn ich glaub eher, dass dies damit zusammenhängt, dass Burtons letzter wirklich guter Film 9 Jahre her ist, und bei den minderwertigeren das ganze „been here, done that“ stärker auffällt.

Überraschend ist allerdings nicht mal alles in Nightmare before Christmas schräg und düster und schwarz-weiß-gestreift. Die Weihnachtsstadt ist passend farbenfroh und fröhlich mit niedlichen Einwohnern, und selbst in Halloween Town hat die Gesangseinlage von Oogie Boogie einen starken Mississippi-Voodoo-Einschlag, a la Bösewicht in Princess and the Frog, mit viel Neonfarben.

Doch der Großteil des Filmes gibt uns natürlich die düsteren Gestalten des zentralen Halloween Towns. Voller Anspielungen an Horrofilmen oder allgemein Ikonen, mit Vampiren, Wolfmännern, Lagunenmonstern, Hexen, Skelettbäumen etc. pp. Es ist einfach eine Freude, dem fröhlich-diabolischen Treiben der Einwohner in der Stadt zuzusehen, die gut und gerne die Kulisse fürs Kabinett des Dr. Kaligari sein könnte. Ein wenig wie beim Zuschauen der Addams Familiy, wirklich, denn eigentlich sind alle recht gut gelaunt und herzig, haben halt nur einen Fetisch für Mord und Totschlag und andere Horror-Dinge – was ja an sich auch kein Problem ist, da sie alle untote Monster sind, schaden sie sich gegenseitig nicht dauerhaft.

Da kann ich es sogar verzeihen, dass das Finale genau genommen etwas aufgesetzt wirkt. Sally mag Jacks Traum nach mehr teilen, doch so wirklich viel den Film über miteinander sprechen tun sie genau genommen gar nicht, noch hört Jack häufig überhaupt richtig zu in seiner Weihnachts-Obsession. Von daher kommt seine „ups nur noch eine Minute bis zu den Credits“ Liebeserkenntnis etwas plötzlich. Genau wie Oogie Boogie kaum Screentime bekommt, aber dann eben doch als Bösewicht für ein großes Finale hinhalten muss, weil ein Film eben ein solches braucht – statt einfach damit zu enden, dass Jack Weihnachten vermasselt und dann Santa Claus dazu bringt, den Feiertag doch noch zu retten. Das wirkt ehrlich gesagt ein wenig, als wäre beides in der ursprünglichen Idee nicht drin gewesen und dann schnell eingefügt, weil es mehr in die konventionelle Filmstruktur gebracht werden muss.

Aber für mich ist Nightmare before Christmas sowieso mehr ein Film des Styles over Substance, bei dem es mir mehr darum geht die charmant-schräge Welt und den Manierismen der Horrorgestalten zuzuschauen, und zusammen mit den unglaublich Ohrwurmigen Songs bin ich somit voll für die ~70 Minuten des Filmes unterhalten, leichtes Schwanken in der Storystruktur hin oder her.

disney57

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2 Kommentare

  1. Mein Bruder und ich teilen eine Leidenschaft und das betrifft diesen Film, den wir beide mitunter als einen unser Lieblingsfilme betrachten. Oder mit anderen Worten: Ich liebe diesen Film!
    Dabei war das nicht immer so, denn als Kind konnte ich dem Film nicht ganz so viel abgewinnen. Er war halt da, ganz nett, schenkte ihm jedoch erst als Jugendlicher richtig Beachtung, als mein Bruder zufällig eines Tages mit der frisch gekauften DVD vorbei kam.
    Auch merkwürdig ist meine Meinung gegenüber der Darstellung aus Kingdom Hearts, denn obwohl ich den Stil im Film liebe, finde ich das Halloween Town aus Kingdom Hearts geradezu trist, ja fast schrecklich. Design von Kingdumb Hearts halt.
    Wie auch immer, generell liebe ich Stop Motion-Filme und gerade Henry Selick ist bekannt dafür, Handlungen mit dieser Technik erstaunlich viel Leben einzuhauchen. Das sieht man natürlich besonders gut in Coraline, den ich sogar als besten oder zumindest bestaussehenden Stop Motion-Filme erachte, aber auch in den zwei, drei völlig unterschiedlichen Kulissen von Nightmare Before Christmas, denen besonders viel Liebe zum Detail zuteil wurde.
    Was den Soundtrack betrifft, so bin ich ebenfalls ein großer Fan von diesem, wobei Gesangseinlagen, soweit ich beurteilen kann, in Tim Burtons Filmen schon immer ziemlich gelungen sind. So oder so wird es wohl irgendwann auf einen Kauf der CD hinauslaufen und ich freue mich schon darauf.

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    • Das Problem fast aller Welten in Kindgom Hearts ist einfach, dass sie so unglaublich klein sind. Dadurch wirken sie eben mehr wie New Pork City: Zweie Schläuche, die zu einem Platz führen, und thematische Pappaufsteller drumherum.

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