Universal Monsters – Hunchback of Notre Dame

ava-1561Interessant an vielen der Universal „Monsters“ ist, dass sie eigentlich im Original nicht sonderlich monströs sind. Sowohl Frankensteins Adam wie das Phantom der Oper wollen geliebt werden und nur durch die unfaire Misshandlung der Außenwelt wurden sie zu den Monstern, die jene aus ihnen machten. The Hunchback of Notre-Dame basiert auf einem Roman von Victor Hugo, was bedeutet das das Ding unglaublich lang, unglaublich weitschweifend und mit einer halben Hundertschaft von unterliegenden, sozialkritischen Themen bestückt ist. Wie Les Miserables geht es dort auch mehr um einen Ensemble Cast denn hauptsächlich den Buckligen (der Originaltitel ist schlicht Notre-Dame de Paris, sprich es geht um die Kathedrale und das Leben in und um ihr). Und eines der Themen ist eben, dass man das Buch nicht nach dem Einband bewerten soll. Zigeunerin Esmeralda ist eben keine fiese, stehlende, Flüche sprechende Person. Frolo als Priester alles andere als rechtschaffen. Und der Bucklige eben kein Monster, sondern lediglich ein mit einer körperlichen Benachteiligung geborener Mensch.

Ist auch eine recht beliebte Geschichte, die 1923er-Version ist bereits der fünfte Film im frischen Medium, der das Buch adaptiert – und interessanterweise erst der zweite, der den Glöckner als Titel wählt, die vor ihm beziehen sich im Titel meist auf Esmeralda, wie es auch schon die vier Theaterstücke häufig taten. Hiernach allerdings ist jener durchgehend das Poster Child der Geschichte.

Es ist dann auch tatsächlich so, dass der Film dem Glöckner zwar eine der wichtigeren Rollen zugesteht, aber definitiv nur als eine Figur unter vielen hat. Ja zu Beginn des Filmes werden fast im Schnelldurchlauf so viele Charaktere mit Textafel-Namen vorgestellt, dass man fast schon wieder die Übersicht verlieren könnte. Teilweise welche, die zumindest hier im Film dann doch nur kurze Nebenrollen waren. Wie die „Königin der Zigeuner“, bei der ich nicht weiß, wo der Titel her kommt, da sie eine ehemalige Aristokratin ist, deren Tochter von Zigeunern geklaut wurde, woraufhin sie wahnsinnig wurde, und nun einen Hass auf Zigeuner hat. Besagte Tochter ist Esmeralda, allerdings stirbt ihre Mutter so ziemlich in der zweiten Szene, die sie hat, ohne das außer ihr je jemand die Wahrheit herausfindet, weswegen es etwas seltsam ist, dass ihr Charakter es überhaupt in diese Version geschafft hat.

Unsere Hauptakteure sind definitiv Esmeralda und Phoebus. Nein wirklich, ihre Liebesgeschichte ist quasi das Herzstück der Fabel und ganz Les Miserables gehören sie auch zu den wenigen Charakteren, die am Ende überhaupt überleben. Dabei ist Phoebus zunächst ein schleimiger Schwerenöter, der alles flach legt, was sich flach legen lässt. Erst die Interaktion mit Esmeralda führt ihn auf den richtigen Weg der monogamen Beziehung.

Übrigens traut sich auch dieser Film nicht, den Priester Frollo zum Antagonisten zu ernennen, sondern lässt diese Rolle von seinem weltlichen Bruder übernehmen, der Esmeralda für sich gewinnen will. Zuerst setzt er Quasimodo darauf an, sie zu entführen, was Phoebes verhindert und Quasimodo zur Strafe auspeitschen lässt, woraufhin Esmeralda ihn dann rettet. Später geht er dann dazu über, Phoebes zu erstechen und Esmeralda dafür büßen zu lassen, damit sie sich nur an ihn wenden kann, die stattdessen vor dem Todesurteil allerdings nach Notre Dame flieht, wo ihr Zuflucht gewährt wird. Und im Finale, wenn die Zigeneuer und Diebe den Aufstand proben und Notre Dame unter Beschuss nehmen, so dass Quasimodo mit den Abwehrarbeiten beschäftigt ist, wählt er den Tumult, um einen Vergewaltigungsversuch zu starten, nur um doch noch aufgehalten zu werden – Quasimodo darf den Bösewicht in der hiesigen Version tatsächlich von der Kathedrale werfen.

Ein weiterer halbwegs wichtiger Charakter ist der „König der Diebe“, der Esmeralda den Zigeunern abgekauft und als Tochter großgezogen hat, und der die herrschende Aristokratie mal so gar nicht leiden kann. So wirklich nicht. Wenn Phoebes Esmeralda mit auf einen Ball nimmt – witzigerweise auf einen, den die Tante seiner Fast-Verlobten zu Ehren seiner Beförderung gibt, und der Schmuck taucht doch tatsächlich mit einer anderen dort auf -, kommt der mit seiner ganzen Bande an Obdachlosen und Kriminellen um die Ecke, und crasht die Party, um Esmeralda wieder zu ihnen zu nehmen. Und nachdem er erfährt, dass Esmeralda in Notre Dame ist, stürmen sie erneut los, um sich umbringen zu lassen. Was ich auch nicht ganz gecheckt habe, weil sie ja nur dort Asyl vor dem Todesurteil hat und die Kathedrale recht wenig mit der weltlichen Herrscherklasse der Stadt zu tun hat. Dann wiederum sind sie Pariser – die starten eine Revolte, wenn ihr Baguette etwas zu kross ist. Muss wohl ein Überbleibsel aus dem Buch sein, wo der Priester der Bösewicht ist.

Ein paar Ungereimtheiten und zu schneller Wechsel zwischen Charakteren und Schauplätzen zu Beginn mal außen vor gelassen, macht The Hunchback of Notre-Dame allerdings doch eine recht gute Figur, die übliche Altersschwäche der Stummfilmzeit geflissentlich erwartend. Der Film hat viel zu bieten, wie gesagt manchmal fast etwas zu viel einweben wollend, Quasimodo wird nicht dämonisiert, der Vorwurf an die selbstgefälligen Reichen und Mächtigen bleibt bestehen. Für 1923 definitiv ein großer und ambitionierter Film.

universal1923

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