Universal Monsters – Dr. Jekyll & Mr. Hyde

ava-1549Ah, die Univeral Monsters, als klassisch trashige Hochburg des Horrors zusammen mit dem Hammer Horror zwischen den 30er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts bekannt. Doch genau genommen haben die schon in den 20ern mit jenen Filmen begonnen, auch wenn die allseits bekannten Filme tatsächlich wohl erst 1931 und später mit Dracula, Frankenstein und Co. begannen. Allerdings springe ich sogar noch ein wenig früher, denn der gute bipolare Doktor Jekyll Hyde hat seinen ersten Film bereits 1913 bekommen, als Universal noch nicht mal Universal hieß, sondern IMP. Jedoch ist er eines ihrer „Monsters“ und deswegen macht der hier den Anfang.

Ich muss dabei eingestehen, dass ich herzlich wenig Ahnung vom Kerl habe. Ich kenne weder die Geschichte von 1886, noch irgendeine filmische Inkarnation. Mein Wissen um jenen Charakter beschränkt sich also komplett darauf, dass aus irgendeinem Grund, wahrscheinlich ein wissenschaftliches Experiment, allerdings ist der Teil von mir bereits geraten, aus dem gutmütig-netten Doktor Jekyll der brutale Schurke Hyde wird. Eine gespaltene Persönlichkeit sozusagen, deren beide Seiten auf entgegengesetzten Schienen von Lawful Good und Chaotic Evil fallen.

Und die Sache ist die, dass der Film mir da leider auch nicht mehr Wissen beschaffen konnte. Wir sprechen hier eben von einem Film aus 1913, der somit bereits über hundert Jahre alt ist. Das ist nicht nur die Zeit vor der Farbe, nicht nur die Zeit vor dem Ton (die Public-Domain-Version, die ich geschaut habe, hatte nicht mal nachträglich einen Score eingefügt bekommen), sondern schlichtweg auch vor den Zeiten, als der kontroverse Erfolg Birth of a Nation die Feature Length erfand. In 1913 waren Filmen fast noch ein Novum, ein neuer Trend zur Beschaulustigung, und in der Regel zwischen 10 und 20 Minuten lang. Dr. Jekyll and Mr. Hyde ist also nach 26 Minuten bereits rum (wodurch er 15 Minuten an der eigentlichen Definition von Feature Length vorbei schrammt, aber heutzutage meinen wir damit eigentlich Filme von mindestens 70 Minuten).

Zur damaligen Zeit gab es viele Konventionen und Regeln des Filmemachens eben noch nicht, weil man jene erst herausfinden musste. Zumal es natürlich auch ein großer Unterschied ist, einen heutigen Blockbuster zu machen, im Vergleich zu einem Stummfilm von weniger als einer halben Stunde. Jene Filme funktionieren nun mal anders, weil die technischen Möglichkeiten damals ganz anders waren, weil sie nur mit dem gelegentlichen Einsatz von Texttafeln mit uns „sprechen“ können, alles andere muss im überdramatisierten Stummspiel rüber gebracht werden. Die Regel „show, don’t tell“ gab es damals sicherlich auch noch nicht, denn kurioserweise tut Dr. Jekyll and Mr. Hyde weder zeigen noch erzählen. Das ist mein ernst, die Texttafeln sind so selten eingeworfen, dass man sie such gleich hätte lassen können, zumal sie nie wirklich was erklären oder eine „Sprechblase“ darstellen, sondern meist nur beschreiben, was in der nächsten Szene eh passiert. Durch jene wissen wir immerhin, was die Charaktere gerade machen, jedoch nie warum.

Ich war ehrlich gesagt deswegen etwas verloren, was den Ablauf des Filmes angeht. Dr. Jekyll nimmt also diese schwarze Tinktur, um nachts zum animalischen Mr. Hyde zu werden. Dessen spastische Primatenbewegungen hat mich zunächst fast daran denken lassen, dass jener schlichtweg mental benachteiligt ist, jedoch scheint er sich notfalls sehr wohl den anderen Menschen gegenüber fein säuberlich artikulieren zu können. Und warum nimmt der gute Doktor überhaupt jene Tinktur? Auf einer Texttafel fällt dann tatsächlich mal, dass er ein „wissenschaftlicher Märtyrer“ ist – ich nehme also mal an, wenn man schon ein Mittel erfindet, welches einen in einen bösartigen Wilden verwandelt, dann ist man auch dazu verpflichtet des Wissendurstes wegen sie anzuwenden. Aber warum wiederholt? Warum so etwas überhaupt erfinden? Oder kommt die woanders her? Warum nimmt Hyde, der doch anscheinend Spaß an seiner Bösartigkeit hat, dass Gegenmittel, wenn er doch weiß, dass es ihn in den braven Doktor zurück verwandelt? Warum gerät die Wandlung zu Hyde außer Kontrolle, so dass dies auch ohne Trunk geschieht? Warum stirbt er, wenn ihm das Gegenmittel ausgeht – sollte er nicht einfach nur dauerhaft Hyde bleiben?

Ich kenne die Ausgangsgeschichte nicht, der Film erklärte mir auch nichts, deswegen war ich die meiste Zeit über mehr damit beschäftigt, ständig „Warum?“ zu denken. Was schade ist, denn man kann Geschichten auch komplett visuell rüberbringen, und für komplexere Konstrukte gibt es eben jene Texttafeln. So richtig nutzen tut Dr. Jekyll and Mr. Hyde aber beides nicht.

universal1913

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