Disney Sunday – Wreck-it Ralph

ava-1545Wreck-it Ralph bedient sich zwei Dingen, die sehr modern sind. Das erste davon wäre die Sympathie für Außenseiter. Hübsche Gutmenschen sind uns mittlerweile zu langweilig, ein missverstandener Antiheld hingegen bekommt von uns direkt Brownie Points. Und die andere Sache ist Nostalgie. Sicher, die „früher war alles besser“-Einstellung gab es schon immer, doch keine Generation fing damit so jung und extrem an, wie unsere Heutige. Leute in ihren 20ern erinnern sich schon zurück an die besseren Zeiten, als sie Kinder ohne Verpflichtung waren, und statt moderner Mist im Kinderprogramm nostalgischer Mist lief, den sie mochten. Und Videospiele natürlich, endlich ist diese Form des Unterhaltungsmediums alt genug, um snobistisch Retro sein zu dürfen, alles Moderne als CoD-AAA-Müll abzutun, und auf die eigene Kindheit mit 8/16/32/64bit zurückzuschauen.

Eben genau dort setzt Wreck-it Ralph an. In einem Spielautomaten mit Namen Fix-it Felix Jr., der seit 30 Jahren in der mittlerweile aussterbenden Arcade verbracht hat. Nur das Ralph als Bösewicht seines Spieles von den freundlichen NPCs missachtet wird, immer nur der helfende Felix die Medaille bekommt, Ralph einsam auf seiner Müllhalde verbringen muss, und nach Spielhallen-Schluss in einer Therapiegruppe missverstandener Bösewichte verbringt, deren nettes Motto „I am bad and that is good, I will never be good and that’s not bad, there’s no one I’d rather be than me“ ist – Disneys typischer Aufruf zur Selbstakzeptanz.

Dieser Teil ist sicherlich ganz cool, mit all den Referenzen zu alten Spielefranchises, egal ob jene überhaupt je einen Arcade-Automaten hatten, oder nicht. Wir sehen offensichtliche Typen wie Bowser, Dr. Robotnik, Sonic und Pac-Man, aber auch vergessene Hits wie Q*bert oder Tapper. Das dies natürlich nicht anhält, hätte aber jedermann bewusst sein müssen. Retro-Nostalgie für Leute in den 20ern und 30ern ist ganz niedlich als Aufhänger, aber Disneys Zielpublikum sind natürlich wesentlich jüngere Kinder, die so sehr sie Block-Graphik-Spiele wie Minecraft oder 2D-Sidescroller wie New Super Mario Bros. lieben, dennoch herzlich wenig mit Namen anfangen können, die vor 15 Jahren zuletzt fielen.

Also macht sich Ralph auf seine Reise selbst eine Medaille zu bekommen, damit er endlich im Apartmenthaus mit allen anderen in Fix-it-Felix leben darf. Und jene findet er ziemlich schnell im neuen Rail-Shooter Hero Duty. Nur dass er anschließend eine Bruchlandung im Fun Racer Sugar Crush hinlegt, ein Alien aus dem FPS im Schlepptau. Dort freundet er sich mit der wahren Identifikationsfigur fürs Zielpublikum an: Die niedliche Vanellope von Schweetz, die leider ein Glitch-Charakter ist und deswegen von allen anderen gemobbt wird und nicht an den Rennen teilnehmen darf. Da Ralph sich mit dem Außenseitertum identifizieren kann, und die kleine eh seine Medaille geklaut hat, beginnt er ihr dabei zu helfen die Siegerin des nächsten Rennens zu werden, damit sie in den Roster der spielbaren Charaktere aufgenommen wird.

Bis hier hin, was so ungefähr die 1-Stunden-Marke ist, war mir Wreck-it Ralph sehr gefällig. Wie gesagt habe ich mich vom Trailer nie fehlleiten lassen, zu erwarten, dies wäre ein Nostalgie-Trip für die etwas älteren unter uns, und somit nicht bemängelt, als das kreative Setting der ersten Vierteilstunde in eine relativ Handelsübliche Story um missverstandene Außenseiter, Selbstakzeptanz und innere Stärke, und hilfreiche Freundschaft abrutschte. Ich mein, der Seitenhieb auf FPSes war nett, das Land von Sugar Rush ist kunterbunt und mit seinen Wortspielen niedlich, die schlagfertige Vanellope süß, sowie das Weib aus dem Shooter unterhaltsam, und das Felix sich tatsächlich auf den Weg macht Freund Ralph zu suchen nett.

Für die nächsten 20 Minuten verlor mich der Film dann aber ehrlich gesagt etwas, weil er mir einfach zu tropy wird. Natürlich gibt es ein Missverständnis zwischen Ralph und Vanellope, durch den die Freundschaft bricht. Natürlich gewinnt er sie dennoch wieder. Natürlich ist Ralph am Ende der Held statt der Bösewicht. Natürlich zaubert der Film dann doch einen Antagonisten aus dem Hut, statt einfach mal auf einen zu verzichten, der gegen Ende sogar zu einem großen Monster mutiert, das besiegt gehört. Natürlich ist Vanellope nicht wirklich ein Glitch. Das alles ist so schematisch und so gehabt, dass ich zwischenzeitlich tatsächlich etwas enttäuscht hat. Das Finale ist dann wieder so herzig, dass es mich zurückgewinnen konnte, aber diese 15-20 Minuten dazwischen war ich doch etwas „meh“ eingestellt. Ich weiß nicht, zumindest auf ein paar Klischees hätten wir doch verzichten können, die Handlung etwas atypischer aufbereiten könne, oder nicht?

Das ist etwas schade, denn ansonsten hat mir der kunterbunte, rasant-witzige Film vollen Unterhaltungswert geliefert, wenn da der kleine Durchhänger nicht gewesen wäre, ich hätte ihn prompt unter einen der besten Disneys stellen können.

disney54

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4 Kommentare

  1. Immer noch nicht gesehen, obwohl ich damals eigentlich schon ins Kino reinwollte. Irgendwie zieht das Filmleben der letzten Jahre so an mir vorbei…
    Machst du auch noch nen „Retro“-Test zu dem Spiel, das aus dem Film heraus entstanden ist? =D

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  2. Ich verstehe bis heute nicht so ganz, warum noch immer viele auf den Trailer reinfallen. Eigentlich ist es in Anbetracht der heutigen Zeit eher blauäugig, blind auf einen Trailer zu vertrauen und das weiß selbst ich, der sich erst in den letzten Jahren vermehrt, aber doch sehr selten Filme ansieht. Irgendwie kann ich solche Leute in einer Diskussion nicht mehr ganz ernst nehmen, wenn sie nur wegen des Trailers einen Film verstoßen.

    Um mal zum Film zu kommen, finde ich ihn – wie alle anderen Disney Meisterwerke in den letzten Jahren auch – ganz gut. Die Charaktere sind sympathisch, Selbstironie wurde auch in den richtigen Dosen eingestreut und die Handlung ist auch halbwegs gelungen. Ein Problem habe ich mit dem Film aber dennoch und das betrifft ausgerechnet die Moral, die rein logisch irgendwie nicht ganz zünden wollte.
    Gegen Anfang des Filmes sagt der Protagonist Ralph, dass er sich von der Gesellschaft/den Anderen ausgegrenzt und in Schubladen gesteckt fühlt und das gerne ändern möchte. Er fühlt sich in seiner Rolle gewisssermaßen schon längst nicht mehr wohl. Nun dann kam das Ende und… es hat sich gar nichts geändert. Natürlich hat er eine Freundin in einem anderen Spiel, aber in seinem eigenen ist er klassisch immer noch der, der von vielen missachtet wird. Mir ist klar, dass hier eine Selbstakzeptanzkiste versucht wurde, aber im ersten Augenblick habe ich das ganz anders verstanden, nämlich: Gehe mit der Geselschaft konform, versuche erst gar nicht, Schubladen aufzubrechen und dich dagegen zu wehren, lass erst recht andere bestimmen und festlegen, wie du zu sein hast und akzeptiere selbst den unrespektvollen Umgang mit dir. Da stieg mir, so lächerlich das auch bei einer Moral für einen Film hauptsächlich für Kinder klingen mag, im ersten Moment die Enttäuschung in mir hoch.
    Dennoch ist es ein klasse Film und würde ich grundlegend jedem nahelegen, der nicht auf leichtsinnige Art und Weise eine reine Hommage an alte Klassiker erwartet hat.

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    • Ja, die „Moral“ des Filmes ist eh ziemlich durcheinander geraten. Zu Beginn macht der Film mit der Therapiegruppe so ein Aufhebens darum, dass Spiele eben Bösewichte brauchen, und das Ok ist und du für diese Role akzeptiert werden musst… aber gegen Ende gewinnt Ralph doch nur deswegen Akzeptanz, weil er der strahlende Held in Sugar Crush war. Wie gesagt, mir war das Konstrukt das auch etwas zu konventionell, ein Film ohne Antagonisten, der beibringt das nicht alles so schwarz und weiß im Leben ist, wäre mir etwas lieber gewesen.

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