Assassination of Fun

ava-1544Manchmal fühle ich mich wie der geprügelte Ehemann der Assassin’s Creed Franchise. Nach einer Weile komme ich doch wieder, weil wir hatten ja auch Spaß zusammen, und vielleicht ist diesmal ja alles anders, und überhaupt. Aber das ist es dann doch nie. Das und die Tatsache, dass mir alle gesagt haben Black Flag wäre so viel besser, hat mich jetzt doch den dritten Teil spielen lassen. Denn wenn ich schon die vorigen vier gespielt habe, und den sechsten spielen werde, überspringe ich doch nicht nur das fünfte Spiel. Ich glaub ich muss noch mal recherchieren ob sie meinten das Black Flag besser als der ganze Rest ist, oder nur besser als AC3. Denn von einem Rudel Wölfe zerfleischt werden macht mehr Spaß, als Assassin’s Creed III zu spielen.

Das ist mein Ernst. Nach einer Session so ungefähr um die Zweidrittel des Spieles, hab ich mir ernsthaft überlegt, ob ich nicht mit dem Hobby Zocken fertig bin. Nicht mit AC3, sondern mit dem Spielen ganz allgemein. Ohne anderthalb Hyperbole also: Assassin’s Creed III war so schlecht, es hätte mir beinahe die Lust auf alle Spiele ever gemordet. Es war das schnelle Zocken von Harmony of Dissonance, welches mir gezeigt hat, dass Spiele vielleicht doch auch Spaß machen können und mich zurück brachte. Auch zurück zum endlich Beenden von AC3, denn wenn ich nur wenige Stunden vom Ende bin, dann werde ich verdammich auch damit fertig werden.

Oder auch nicht. Ich bin mit AC3 fertig, aber ich habe es theoretisch nicht wirklich beendet. Und das nicht, weil ich ein OCD-Gamer bin, der ein Spiel erst als beendet ansieht, wenn er jeden Furz gemacht und jedes Item einmalig im Inventar hat etc. Nein, ich habe bis zur letzten Mission des Hauptspieles gespielt… und konnte sie nicht schaffen. Es ist eine der nervigen „Fang den Sprinter“-Missionen, nur das der Kerl so schnell ist, und der Weg so hakelig, dass er mir immer schneller davon rennt, als ich ihn einholen kann. Vielleicht ist es das gleiche Problem wie bei der einen Mission in Saints Row IV, wo sich die Schleuße wegen Framerate-Problemen schneller schloss, als mein Shuttle durchfliegen konnte, denn als ich mir dann schlichtweg das Finale einfach auf Youtube angesehen habe, schien der dort gar nicht ganz so schnell. Oder ich bin einfach zu schlecht, daran kann es auch liegen, denn ich bin der erste, der zugibt, hundsmiserabel in Gaming zu sein – deswegen Spiel ich so gern Lebenssimulationen und RPGs.

Aber ernsthaft, nichts an dem Spiel wollte mir Spaß machen. Es kam mir wirklich so vor als hätte Ubisoft eine Umfrage gestartet, was die nervigsten Missionen in den Vorgängern waren. Und statt sich das zum verschrumpelt-schwarzen Herzen zu nehmen, hatten sie ein sadistisches Vergnügen daran, nur solche in Assassin’s Creed III einzubauen. Fast alle Missionen sind jemanden einfangen, oder durch die halbe Stadt zu verfolgen um sie zu belauschen, oder ungesehen an einen Punkt zu gelangen während drölfzig Wachen überall Schmiere stehen.

Und die Anzahl der Wachen. Man kann ja überhaupt keinen Spaß mehr in den Städten haben, weil man unter Dauerbeobachtung ist. Nicht das es in den Städten viel zu tun gäbe. Amerika zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges ist einfach ein stinklangweiliger Flecken, und Kolonialstädte kein besonders spektakuläres Parcour-Pflatzer wenn man Florenz, Rom und Istanbul gewohnt ist. Selbst meinen üblichen Spaß Assassinen zu rekrutieren, und dann auf alle Wachen zu hetzen, hat man mir hier vergolten, da die Rekrutierung nun ewig viele nervige Nebenmissionen beinhaltet, die mir das einfach nicht wert waren.

Ganz nett ist das Jagen in der Wildnis, nehm ich mal an, auch wenn es tierisch nervt, wenn man dabei aus dem Nichts von einem Bären, Ozelot, oder Wolf angegriffen wird. Denn die besiegt man über dämliche QTEs und gerade so ein blöder Wolf, wenn er einen erst mal hat, bringt einen mit einem Angriff fast um. Übrigens kann man keine Nutztiere umbringen. Ich mein das einem die Spiele keine Zivilisten umbringen lassen, mag mir noch angehen, aber was interessiert mich ob meine Vorfahren Ziegen abgemurkst haben oder nicht – vor allem in einem Spiel, wo jede Art von Wildtier, egal ob Hase, Biber oder Waschbär, freie Beute ist?

Dafür ist es das bisher bestausehende Assassin’s Creed, so viel muss ich ihm lassen. Die Spiele sehen ja immer toll aus, aber die neue Engine bringt noch besser durchanimierte Hauptcharaktere mit sich, dass es eine Freude ist, einfach zuzusehen, wie sie sich bewegen, rennen, springen, klettern, oder auch einfach nur die verschiedenen Nuancen, je nachdem auf welchen Untergrund sie sich fortbewegen, ob dort Schnee liegt, oder es eine kleinen Anstieg beinhaltet etc.

Das Überraschende an der Handlung ist diesmal… das sie tatsächlich wo hin führt. Also die von Desmond, die bisher immer auf der Stelle trat, so dass ich davon ausging, dass sie für die gesamte Serie herhalten muss. Aber in AC3 wird sie tatsächlich zu einem Ende gebracht, auch wenn es super generisch ist. Ich mein, was anfing mit einem Streit der Assassinengilde vs. Templer, die beide denken Gutes für die Welt zu wollen, die einen nur eben Chaos- die anderen Law-Alignment sind… ist zu einer schnöden „Finde die McGuffins um die Apokalypse aufzuhalten“ verkommen. Die Handlung ist also beendet, aber gewohnt scheiße.

Das Spiel beginnt damit, dass man als Desmonds Vorfahre eine Oper erklettert – innen im Saal, bei vollem Hause, und nicht ein Gast sieht einen. Später nennt das Spiel speziell als Grund, warum der Indianer-Name in ein einfach auszusprechendes Connor geändert wurde, weil er dann als jemand mediterraner Abstammung durchgehen könnte, und somit nicht so auffällt – nur damit Connor anschließend lauter Tribal-Zeug an sein Assassinen-Outfit anbringt, so dass ihn doch sofort jeder als Ureinwohner erkennt.

Oh und was ist Connors Storyline so langweilig. Und erst der Kerl an sich! Anscheinend wollte Ubisoft für Desmonds Ende endlich mal ihn als interessanten Charakter erscheinen lassen, was sie aber nur dadurch schafften, seinen Vorfahren noch weniger Charakter zu geben. Und dann der Synchronsprecher! Der gute Kerl ist tatsächlich Native American, was ich mal ganz dreist behaupte, ist der einzige Grund, warum er gecastet wurde: Er kann die Dialoge in der Stammessprache gut aussprechen. Denn der Kerl trägt alles so monoton vor, dass man echt kurz vorm Einschlafen steht.

Und das, obwohl man zunächst einen recht vielversprechenden Charakter hat: Seinen Vater Haytham. Wir spielen die ersten 4 Sequenzen, die wirklich nur ein überlanger Prolog sind, mit diesem gutgelaunt vor sich hin mordenden Briten, und am Ende stellt sich sogar raus, dass dieser Vorfahre von Desmond gar kein Assassine ist, sondern ein Templer! Und dann springen wir zu Langweiler Connor für den Rest des Spieles. So eine Verschwendung. Zumal es auch das Pacing des Spieles zerstört, da wie gesagt 4 Sequenzen überlanger Prolog sind, dann Sequenz 5 die Kindheit von Connor, dann Sequenz 6 wie er rekrutiert wird, und somit fängt das eigentliche Spiel mit dem eigentlichen Assassinen erst in Sequenz 7 von 12 an – man wartet also geschlagen das halbe Spiel darauf, dass es wirklich endlich mal los geht.

Ugh, ernsthaft, ich hab keine Ahnung, was sich Ubisoft hierbei gedacht hat. Ich hab ja bekanntlich dank Erfahrung mit den Vorgängern keine großen Erwartungen an die Assassinenkredos, aber Teil 3 hat es geschafft, dass ich dennoch vor Enttäuschung sprachlos war.

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