Shark Week – Deep Blue Sea

ava-1530Nach einer trashigen Direct-to-Video Produktion kommen wir also wieder zurück auf die große Leinwand, wo kurz vorm Jahrtausendwechsel mit Deep Blue Sea doch auch ein Monsterhai-Film zu sehen war. Einer, den ich immer recht hoch gehalten habe, wenn es um gute Beispiele für dumm-launige Unterhaltung geht. Mal sehen, ob ich meinem früheren Ich heutzutage da noch zustimmen kann.

Diesmal haben wir es mit einem Film der Marke „Menschlicher Forscherdrang bringt den Ruin“ zu tun. Auf einer Anlage im Meer wird nach einem Heilmittel für Krankheiten wie Alzheimer, die mit dem Schwund der geistigen Leistung des Hirns zu tun haben, gesucht. An Haien, da bei jene diese Leistung mit dem Alter nicht nachlässt, weswegen man gedenkt, aus den Enzymen in ihren Hirnen eben einen Heilstoff entwickeln zu können. Doch soll ihnen der Geldhahn zugedreht werden, wenn sie nicht schnell Resultate vorlegen, weswegen das ganze Unterfangen arg beschleunigt werden muss.

Jene Unvorsicht, zusammen mit einem Sturm, ist jedoch genau das, worauf die Haie gewartet haben. Denn mit der Vergrößerungen ihrer Hirne, um mehr Enzym extrahieren zu können, kommt auch der Intellekt eines Bond-Bösewichts. Und im Flossenumdrehen haben die drei Killerfische die Anlage geflutet und starten die Hetzjagd auf die zweibeinigen Säugetiere darin.

Es ist also sofort ziemlich klar, dass Deep Blue Sea ein recht dämlicher Film ist, zumindest was die Handlung angeht, was ihn on par mit 90% aller Killertier-Filme ever macht. Ich glaub die einzige Lösung, einen solchen Film seriös zu machen, ist wirklich die Jaws-Methode, nämlich in dem man nichts zu erklären versucht, und ein Hai einfach auftaucht, weil er plötzlich einen unnatürlichen Hunger auf Menschen entwickelt hat. Ich mein, Deep Blue Sea erklärt so ganz lapidar das Verhalten der Fische damit, dass sie halt einen höheren Intellekt haben, aber das erklärt natürlich absolut nicht, wie sie plötzlich wissen, wie all diese von Menschen gemachten Vorrichtungen funktionieren. Beispielsweise haben sei eine Ahnung, dass man einen Helikopter in den Wachturm lenken kann, auf das er explodiert und die Kommunikation nach außen stört. Oder etwas mit Schwung in die Glasscheibe des Labors katapultieren, weil jenes dann bricht. Schon gewitzt, unsere tierischen Antagonisten.

Das tut dem Spaß jedoch sicherlich keinen Abbruch, denn Unterhaltungswert, wenn man das Hirn vorher ausschaltet, hat Deep Blue Sea ordentlich. Es mögen ihm ein wenig die Charaktermomente fehlen, stattdessen hauptsächlich Stereotypen bedienen. Wir sind also auf der Seite der Menschen hauptsächlich deswegen, weil sie eben Menschen sind, nicht weil wir sie aus Sympathie dringend überleben sehen wollen, aber immerhin gibt es schon mal kein klares Arschlochkind, dessen einzige Rolle es ist, dass wir uns freuen wenn er oder sie endlich aufgefuttert wird.

Ganz gewitzt ist eigentlich tatsächlich der Einfall, dies alles auf einer Meerestation stattfinden zu lassen, da dies – auch wenn man während des Schauens dennoch nicht zu viel denken sollte – die ganze „so… warum verlassen die nicht die unmittelbare Wassernähe… ist ja nicht so, dass die Haie ihnen an Land folgen könnten“-Problematik, die viele Horrorfilme haben, deren Gefahr stark territorial beschränkt ist, umgeht. So haben wir also eine Rudel Menschen, welche gleichzeitig vor dem eindringenden Wasser und den darin schwimmenden Gefahren fliehen, sowie einen Weg von der Station suchen müssen. Akzentuiert mit einem Kill hier und dort, die netterweise recht brutal sind, und schon haben wir einen fein unterhaltenden Killer Shark Movie.

Und die eine oder andere Überraschung hat der Film dann eben doch zu bieten. So startet er mit der Haifilm-üblichen Eröffnungsszene, in der ein paar unbenannte Teenager auf einen Hai stoßen. Das sind bei solchen Filmen immer die ersten Opfer, damit das Publikum nicht gleich abschaltet, weil die folgende halbe Stunde Erklärungen kommen und kaum was passiert, sozusagen die Versicherung, dass es im Killerhaifilm zu Haiangriffen kommen wird. Nur das hier der Hai seine Mahlzeit in der Szene eben doch nicht bekommt. Und der Tod von Samuel L. Jackson ist definitiv beim ersten Schauen komplett unerwartet, und immer noch ein Highlight des Filmes für mich. Es überlebt auch nicht unbedingt jeder, von dem man es erwartet hätte, den Film.

Wobei ich zugeben muss, dass für mich natürlich das Budget auch hilft. Die Szenen mit CG-Haien sind eher nicht so schön, jedoch werden häufig Animatronics genutzt, die schon wesentlich mehr her machen. Zumal dadurch Charaktere mit den Viechern auch interagieren, statt wackelige Reaktionsshots zu Stock Footage oder Micker-CG zu haben. Und es ist einfach etwas erträglicher, wenn das Schauspiel passabel ist, die Szenerie nicht aus Pappmasche erbaut zu sein scheint, und die (durchaus teilweise dämlichen) Dialoge nicht ganz unsinnig erscheinen – oder gar wie in Megalodon alle Nebencharaktere von Mexikanern verkörpert werden, die scheinbar kein Englisch können und somit seltsam phonetisch von Cue Cards abstottern.

deepbluesea

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