Adolescence Apocalypse!, or Rewatching Utena the Movie

ava-1506Be-Papas waren sich nie sicher, ob ihr erstes Werk nicht auch ihr letztes sein würde. Doch die Utena TV-Serie war ein Erfolg, und somit ließ man sich kurz nach deren Vollendigung auch dazu hinreißen einen Kinofilm anzugehen, der 1999 in die japanischen Kinos kommen sollte. Um beim „Utena ist das Evangelion der Shoujo-Anime“ zu bleiben, erzählt jener in abgewandelter Form einfach noch mal einen ähnlichen Plot, nur visuell fordernder, sowie narrativ unverständlicher. Nach satten 5.000 Worten Revolutionary Girl Utena zur TV-Serie ist also noch längst nicht Schluss, hier noch mal 1.000 weitere:

Fängt auch gleich anders an. Utena, hier mit modischer Kurzhaarfrisur, ist nämlich neu an der Schule, statt ein alteingesessener Nicht-Konformist. Und hat eine Vergangenheit mit Touga, den sie hier ganz zufällig Rosensiegel-bestückt wiederentdeckt. Mit dem war sie nämlich zusammen, seitdem er ihr in der Kindheit über den Tod der Eltern weggeholfen hat, der Prinz der. Der Siegelring hier wird ihr aus einer reinweißen Rose aus dem verdächtig Grab-esquen roten Rosenbeet im Hof geboren. Damit zieht es sie direkt mal zum höchsten Punkt der Schachtelschule, in der Sicherheit absolut nicht vorgeht, gibt es doch keine einzige Begrenzung irgendwo zu sehen. Dort findet sie… Anthys Rosengarten, der als Duellplatz doppelt, für den sie ihn auch gleich mit Saionji nutzt.

Anthy muss auf Grund der Kürze des Filmes alleine auch eine wesentlich aktivere Rolle übernehmen, und greift direkt gleich hier schon einmal ein, um sicherzugehen, dass Utena ihre neue Verlobte ist. Tatsächlich ist Anthy regelrecht eine Verführerin und wirkt von Anfang an etwas fischig, weil man sich ziemlich sicher ist, dass sie irgendwas im Schilde führt.

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Die anderen Schülerratsmitglieder hingegen kommen fast gar nicht vor, Nanami ist nur ein kleiner Fanservice-Cameo; Mikis nicht gerade gesunde Beziehung zu seiner Schwester wird auf eine Szene reduziert, die uns die beiden Teenager miteinander ein Bad nehmend zeigt (anschließend taucht Schwester Kozue nur auf einem Nummernschild in der Tiefgarage auf, was vielleicht oder vielleicht auch nicht bedeutet, dass sie tot ist). Was Attention Whore Shiori angeht, die die beliebte Juri ob ihres Wissens über ihre homosexuellen Neigungen ihr gegenüber quält, so hat sie sogar mehr Szenen als Juri selbst. Beispielsweise ist sie eine der wenigen Charaktere, die wir abgesehen von Utena je auch nur die Anwesenheit von Touga wahrnehmen sehen, als jener ihr nämlich davon erzählt, dass sein Adoptiv-Vater ihn sexuell missbraucht hat. Und dann später taucht sie wieder auf, wenn drei Szenen ineinander laufen: Das Duell Utena gegen Juri, nachdem diese sich endlich darauf eingelassen hat, Anthy zu verteitigen. Parallel dazu die Szene, wo sich Anthy und Utena gegenseitig nackt zeichnen wollten, wodurch Utena gesehen hat, was Anthy zur Rosenbraut macht: Ein Loch im Brustkorb. Und eben Shiori, die das Skandalvideo zeigt, wie es dazu kam: Anthy wurde von ihrem Bruder, stellvertretender Schulleiter Akio Ohtori, wiederholt betäubt und sexuell missbraucht, nur fand er raus, dass sie sich nur narkotisiert gestellt hat, und eigentlich ganz Ok mit dem ganzen Inzest ist, weil sie ihren Prinzen von einem Bruder doch liebt. Das hat ihm ein wenig den Verstand geraubt, er hat Anthy erstochen, sich selbst aus dem Fenster gestürzt, und Anthy hat ihn dann unterm Rosenbeet mit den vielen Kreuzen, das mal gar nicht auffällig oder so war, begraben.

So. Jetzt wird es aber erst richtig schräg. Noch bevor sich ein Mob bilden kann, der Anthy angeht, flieht jene, gefolgt von Utena, die sich im Fahrstuhl endgültig dem Verbleib ihres Prinzen Touga stellen muss: Es hat fast keiner mit ihm interagiert, weil der gar nicht existiert, Utena hat die Erinnerung daran verdrängt, dass er sich nicht von ihr trennte, sondern ertrunken ist. Nachdem sie also Abschied von ihrem ehemaligen Prinzen nehmen konnte, kann sie sich nun auf Anthy einlassen. Da jene auf dem Campus allerdings nicht glücklich werden kann, ist die Lösung natürlich schlichtweg jene Welt zu verlassen. Also taucht eine Autowaschanlage aus dem Nichts auf, „Absolte Destiny Apocalypse“ beginnt zu spielen (die „Transformationsmusik“ wenn Utena in der Serie zum Duellplatz aufstieg), und Utena verwandelt sich in ein rosa Auto, das von Anthy in die Außenwelt gefahren wird. Nur werden sie zunächst noch von anderen (toten?) Charakteren in Form von Autos fast abgedrängt, anschließend sogar vom auf Rädern ankommenden Traumschloss, bis sich Prinz Akios Geist selbst stellt, und sich auch Anthy von ihrem toten Prinzen trennen kann, auf das die sie mit Utena endgültig die eigene beschränkte Welt, in die sie sich zurückgezogen haben, sowie unerreichbare Traumschlösser, hinter sich lassen können, und in die weite, unheimlich-undefinierte neue Welt flüchten können, in der sie ihre lesbische Liebe ausleben dürfen.

Oder so. Was weiß ich. Wer die TV-Serie nicht kennt, ist beim Film eigentlich sofort was das Verständnis angeht absolut aufgeschmissen. Er macht zwar einige Dinge anders, ändert sogar einige Charaktere maßgeblich um, aber man braucht jene schon als einen Absprungspunkt, um hier halbwegs mitkommen zu wollen. Gerade auch die Inklusion vieler Nebencharaktere und Nods zur Serie, würden Neuankömmlinge ob ihres Nicht-Wichtigseins nur komplett aus der Bahn werfen, während Kenner wissen, dass sie eben nur dabei sind, weil es sie auch in der Serie gab, und sich aufs Wesentliche wieder konzentrieren können. Und selbst dann war ich mir nicht immer sicher, wirklich alles verstanden zu haben, sowie jegliche Symbolik mitbekommen zu können.

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Natürlich hat der Kinofilm gegenüber der TV-Serie auch sowas wie ein Budget, das zusätzlich auf wesentlich weniger Spielzeit verteilt werden muss. Von daher ist es nicht so… kost-effektiv aussehend. Man muss dabei der TV-Serie zugutehalten, dass sie das tatsächlich gut gehandhabt hatte, mit einem sehr punktgenauen Stil, der auch in den häufig verwandten Standbildern toll aussieht, sowie die Wiederverwertung vieler Bewegungsabläufe in den Duellen, damit sie dennoch recht flüssig laufen. Auch waren es nur die Filler, die so richtig schlecht gezeichnet waren. Der Film jedoch ist nun frei dieser Einschränkung. Wer also die Serie nicht gesehen hat und dennoch in den Film einsteigt, mag nicht kapieren, was das ganze Zeug hier soll, ist aber wenigstens audiovisuell voll bedient.

So ist das Schulgelände hier so schreiend unpraktisch – es sieht schlichtweg aus wie aus einem Gemälde von Escher. Überall sind Treppen, Türme, Übergänge, Spitzen, Balkone – nicht davon wirklich miteinander verbunden, alles endlos ineinander verschachtelt, ständig scheinbar in Bewegung, und nirgendwo ein Zaun, der einem vor dem freien Fall retten würde. Die Schattierungen sind häufig hingegen Rot, die Rosen sowieso diesmal fast alle, statt den Regenbogen wie in der Serie wiederzuspiegeln. Ja wenn Anthy die Wasserleitung auf dem Duellplatz zerstört, wodurch sich Utena und sie nachts tanzend durch dessen Wiederspiegelung auf der Wasseroberfläche scheinbar im Sternenhimmel bewegen, regnen die runtergespülten Rosenblätter wie Blut gegen den schwarzen Schattenriss des Schullabyrinths. Nein wirklich, interessant anzusehen ist Adolescence of Utena zu jeder Zeit.

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