Nostalgic Anime Week III: Jin-Roh

ava-1503Jin-Roh ist einer jener Filme, die ich auf meiner allerersten Animagic in den dortigen Kinos als frühe Deutschland-Premiere gesehen habe, bevor er dann etwas später auch auf DVD erschien, von der ich mir damals sogar die Special Edition geleistet habe – als noch keiner richtig Ahnung vom Geschäft hatte und statt zu einer häufigen Lösung wie Digipack o.Ä. zu greifen, Film, Soundtrack, Postkaren etc. einfach jeweils in einzelne, normale DVD-Hüllen gepackt sind, die in einen Schuber gesteckt sind.

Um beim Aufbau und dem Kleinhalten der hohen Verbrechensrate in der Hauptstadt nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs zu helfen, wurde eine unabhängige Spezialeinheit gegründet, da man der Polizei an sich nicht zu viel Macht zuschreiben wollte. Heutzutage kämpft die „Hauptstadtpolizei“ hauptsächlich gegen die Regierungs-Widerstandsbewegung, die nach ihrem Verbot in den Untergrund gingen, und dort erst so richtig erblüht sind.

Sie benutzen u.A. junge Mädchen, die „Rotkäppchen“, die in ihren Schultaschen Bomben ungesehen zu den Aufständigen schmuggeln, und genau einer solchen sieht sich Fuse beim Auslöschen einer Terroristengruppe in der Kanalisation gegenüber. Nur kann der Mann in der ehrfurchtgebietenden schwarzen Rüstung mit den roten Nachtsichtaugen nicht abdrücken, stattdessen sprengt sich das Mädchen selbst in die Luft, als Verstärkung eintrifft.

Das ist natürlich nicht gut, immerhin steht die Hauptstadtpolizei eh bereits auf dünnem Eis, da man sich nach all den Jahren nicht mehr so sicher ist, ob sie überhaupt noch gebraucht werden, die eigentliche Polizei sie eh weg vom Fenster sehen will, und dann noch beunruhigende Gerüchte um die „Kerberos“ umgeht, eine geheime Gruppe in der Spezialtruppe. Also wird Fuse wieder in die Militärschule zurückversetzt und unter Beobachtung gestellt, gerade als er auf die ältere Schwester des toten Mädchens trifft, die ihm das Rotkäppchen-Märchen überreicht.

Die Wolfsbrigade ist ein Schaffenswerk des Allesprobierers Mamoru Oshii. Den meisten wird der Mann durch seine Regiearbeit an Anime etwas sagen, so sind beispielsweise die beiden Ghost in the Shell Kinofilme von ihm, der Kultklassiker Angel’s Egg, die in Deutschland ebenfalls erhältlichen Patlabor-Filme, oder auch das nie nach hier gekommene aber in anderen Nationen extrem beliebte Urusei Yatsura. Allerdings macht der Mann auch Realfilme, deren Reputation jedoch durchwachsener ist, wie beispielsweise Avalon, aber auch welche über die Wolfsbrigade, die nämlich auf einen seiner Mangas – denn die zeichnet er auch noch – zurückgehen. Überraschend ist dann, dass Jin-Roh lediglich von ihm geschrieben ist, auf dem Regiestuhl saß ein anderer.

Was der Film nun ist, ist übrigens ein Spionagethriller und Drama. Denn im Hintergrund des Geschehens werden so einige Pläne geschmiedet, die das Überleben oder den Untergang der Spezialeinheit garantieren sollen, als perfektes Steckenpferd zur Realisierung jener ist Fuse durch seinen aktuellen Fauxpas auserwählt worden. Da sind so einige Charaktere nicht, was sie zu sein scheinen, nur um selbst wiederum von anderen manipuliert und in die Irre geführt zu werden. Und dazwischen haben wir den eiskalten Fuse, den viele mehr wie einen einzelgängerischen Wolf denn einen sozialen Menschen sehen, der vielleicht die Möglichkeit bekommt, durch das Mädchen aufzutauen, welches er trifft, wenn denn in diesem Verwirrspiel Platz für Vertrauen und Liebe wäre.

Ich möchte eigentlich nicht viel drüber schreiben, denn Jin-Roh ist ein genialer Film, der allerdings sich sehr langsam und schleichend entwickelt, und somit viele Worte über das Geschehen zu verlieren bereits zu viel vorweg nimmt und zerstört. Das hier ist eine Geschichte, die man selbst erleben sollte. Selbst-Anschauen ist eine absolute Empfehlung meinerseits, ansonsten entgeht einem tatsächlich großes Kino.

Worüber ich allerdings reden kann, ist der Stil des Filmes, der wie die Faust aufs Auge passt. Das nebenher laufenden Rotkäppchen-Märchen scheint zunächst etwas seltsam, zumal zu viele scheinbare Randcharaktere es zu zitieren beginnen, doch wenn man die finale Szene erreicht, macht das schon alles Sinn und ist echt eine tolle Idee gewesen. Ansonsten ist der Stil des Filmes ziemlich kühl und realistisch, was das hoffnungslose Weltbild gut unterstreicht, und eben die emotionale Endszene umso mehr hervorhebt. Und wenn der Soundtrack nicht mal genial ist, dann weiß ich wirklich nicht, was man sonst groß noch mit diesem Wort bezeichnen könnte.

jin-roh

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6 Kommentare

  1. Ich fand den Film seinerzeit auch nicht schlecht, aber von Meisterwerk würde ich noch nicht sprechen. Irgendwie schafft es Oshii Mamoru nicht, mich richtig zu packen, wobei ihm dies in Jin-Roh noch am besten gelang. Ghost in the Shell war auch noch ein recht gutes Werk, aber alles andere von dem Herren hat mich einfach nicht begeistern können. Ich hatte ja auch mal einen Kurzeintrag zu den Filmen gemacht, die allesamt wirklich gefühlvolle Momente vermissen lassen. Alles wirkt immer recht kalt und trist und kann mich nicht wirklich in die Handlung reinziehen. Stattdessen plätschert die eher so daneben vorbei. Und auch bei Jin-Roh fühlte ich mich sehr als außenstehender Beobachter statt als Zuschauer, der in die Handlung hineingezogen wird. Da bleibe ich lieber bei Kon Satoshi, von dem ich auch noch nicht alles gesehen habe.

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    • Tatsächlich, viel Menschlichkeit gibt es in seinen Werken nicht, es geht ihm da schon mehr um Handlung und kühler Atmosphäre. Zugegeben macht er das aber immerhin auch by Design, so drehen sich seinen meisten Filme um Polizisten/Militärs, die politisches Versteckspiel aufdecken oder Terroristen bekämpfen, oder um Cyborgs, eben um eine Menge eher abgebrühter Charaktere in emotionslosen Settings. Ich würde sogar sagen, dass Jin-Roh wohl das Werk von ihm ist, das ich gesehen habe, in dem die Charaktere am Wichtigsten sind, weil am Ende dann doch eben Emotionen unter der abgebrühten bzw. resignierten Schale herausbrechen.

      Antwort
      • Bei der Serie zu Ghost in the Shell wurde das dann an die Spitze getrieben, auch wenn er wohl selbst nichts oder nicht mehr viel damit zu tun hatte. Da geht es nur noch um Organisationen und Verschwörungen, deren Motive unklar sind und man muss im Grunde die ganze Zeit angestrengt zusehen, um zu raffen, wer was warum macht, doch leider hab ich das immer nur sporadisch gesehen, von daher hab ich das irgendwann aufgegeben. Allzu spannend fand ich das Ganze nämlich nicht.

      • Bei GitS kann es natürlich auch ein Stück weit am Manga von Masamune Shirow liegen. Ich hab die selbst nie gelesen, aber von mehreren Seiten gehört, dass die wohl auch sehr Menschlichkeit missen lassen, und sich stark auf mechanisierte Welten und pseudo-philosophische Verwirrspiele stützen. Gerade GitS2 soll ziemlich unerträglich werden.

      • Die Filme hatte ich beide kurzreviewt. Der zweite gefiel mir da auch nicht mehr so.

      • Nein, ich meint jetzt tatsächlich den GitS und Gits2-Manga im Speziellen :3

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