Nostalgic Anime Week III: Armitage III

ava-1501Willkommen in der dritten und letzten Wochen der Anime, die ich früh in meiner Hobby-Süchtelei in den späteren 90ern zu sehen bekommen habe. Armitage the Third hat dabei ein ganz besonderen Stellenwert. Es ist freilich nicht das erste Anime, welches ich je gesehen habe – wie bei den meisten war das unbewusst irgendwas von Nippon Animation als kleines Kind – noch glaube ich ist es wirklich das erste bewusst wahrgenommene Anime (das müsste Sailor Moon oder Pokemon gewesen sein). Doch ist Armitage III in der ersten Vox-Anime-Nacht damals das Augenöffner-Anime gewesen, der Eintrag, der mir zeigte, wie viel mehr doch da drin stecken kann, welches dazu mitverholfen hat mir anschließend die VHS-Kassetten zu kaufen, die wiederum durch ihre beigelegte Werbung mir nicht nur die Existenz der AnimaniA, sondern auch ein einem kleinen Katalog die weiteren ACOG-vertriebenen Anime der damaligen Zeit offerierte. Armitage III war also sozusagen mein richtiges Sprungbrett ins Medium.

Worum geht’s? Ross Sylibus ist Polizist der Erde, der nachdem er seine Kollegin an einen Amok laufenden Roboter verloren hat, sich auf den Mars versetzen lässt. Dort trifft er direkt am Flughaufen nicht nur auf seine exzentrische Kollegin Armitage, die schießt bevor sie fragt, und im Fetischoutfit durch die Gegend läuft, sondern auch auf die Leiche einer beliebten Country-Sängerin. Nur ist man sich schnell nicht mehr sicher, ob man das wirklich eine ermordete Leiche nennen kann, oder es doch nur Sachbeschädigung ist: Die Dame stellt sich nämlich als Roboter raus.

Nur ist sie keine Second, wie die momentan raffiniertesten Modelle genannt werden, denn sie hat ein elektronisches Gehirn, der einzige Körperteil, den man eigentlich noch nicht maschinell ersetzten kann. Somit war sie zu eigenfähigem Denken und Handeln fähig, perfekt in die Gesellschaft der Menschen assimiliert. Nur wer hat jene Thirds gebaut? Und warum? Wie viele gibt es noch? Und warum fängt D’anclaude damit an, sie alle umzubringen? Und noch viel mehr, was hat das alles mit Armitage zu tun, die emotional zu involviert scheint?

Armitage III ist und bleibt ein ziemlich cooler Cyberpunkt-Streifen in der Zukunft des terrageformten Mars. Jedoch in einer düsteren, denn das Terraforming ist misslungen, die Bevölkerung ist in die überquellende Metropole gepfercht, Kriminalität geht um, und Hass auf die Roboter auch noch, weil sie für die minderen Arbeiten als billige Arbeitskräfte über arbeitslose Menschen genommen werden. Gleichzeitig sind die Roboter aber auch nicht mehr wegzudenken, gerade eben auch was die illegaleren Einsätze anbelangt, wenn es darum geht menschliche Fantasien zu erfüllen. Denn Roboter haben natürlich keine Rechte, sie sind ja nur ein Ding, nur Maschinen.

Und dann kommen halt die Thirds rein, die Fragen aufwerfen nach dem Sinn des Lebens, wodurch sich „am Leben sein“ oder schlichtweg Menschlichkeit nun überhaupt definiert. Warum man solche erschaffen wollen würde, und warum die Stimmung gegen sie kippen könnte. Dabei will ich mich nicht mal so weit aus dem Fenster lehnen, Armitage III als hochintellektuellen Streifen zu bezeichnen. Vorrangig ist es eben immer noch eine kurzweilige Action-Serie von knapp 2 Stunden 20, in cooler Optik und Mucke, aber die eben doch jene Dinge, wenn auch nie komplett ausarbeitet, doch einwebt und aufgreift, um die Angelegenheit interessanter zu gestalten, statt einen einfachen Haudrauf-Streifen abzuliefern.

Mein einziges Problem ist eigentlich das Ende. Das wirkt doch sehr so, als wäre eigentlich ein deprimierenderes geplant gewesen, man habe sich aber in letzter Sekunde noch anders entschieden. Das finale Aufbegehren von Armitage und Ross gegen das Militär ist super stimmungsvoll inszeniert, während parallel alle Seconds wie unter Kurzschluss stehenbleiben, weil Pluto deren Kampf für die Rechte der Maschinen direkt zu jenen überträgt, während die Menschen daneben mal wieder nichts von dem, was im Hintergrund ihrer Welt passiert, mitbekommen. Doch die beiden scheinen zu unterliegen. Hierauf zu enden wäre tatsächlich sehr stimmungsvoll gewesen. Die „1 Monat später“-Szene, die die Serie tatsächlich ausklingen lässt, hasse ich zwar nicht, untergräbt aber jene tolle Szene gewaltig.

Ansonsten kann ich zu Armitage III eigentlich nur sagen, was ich bereits zu den anderen Pioneer-Anime der 90er gesagt habe: Damals war es ein Must Watch eines jeden, der in Anime eingestiegen ist, heutzutage würde ich das so zwar nicht mehr unterschreiben, aber ein verdammt unterhaltsames Stück Film ist es dennoch geblieben.

armitage

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2 Kommentare

  1. Ich weiss es noch als wäre es gestern gewesen… mein allererster Anime Order bestand aus Urotsukidoji & Fist of the North Star vom damaligen Manga Video Label powered by ACOG. OMG und meine Fresse fiel im Sekundentakt runter. Das waren keine Zeichentrickfilme, dass war die Offenbarung. ^^

    Jupp Armitage war auch sehr nett. Ich mochte diese ruppige Pioneer LDC Art. ~.~

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