Absolute Destiny Apocalypse!, or Rewatching Utena: Student Council Saga

ava-1485Rewatching Revolutionary Girl Utena, ready, set. GO! Jedoch das Gemecker gleich mal zu Beginn abgehandelt: Scheiße, die Serie braucht dringend mal eine deutsche Neuauflage. Das Ding gehört zu den frühen deutschen Anime-DVDs und den ersten von Anime Virtual, und auch wenn es keine unschaubare Katastrophe wie Weiß Kreuz ist, so sieht das Bild aus wie eine 20 Jahre alte, ausgeleierte VHS-Kassette, und ist der Ton dumpf und mit Aussetzern – AVs frühe, häufig zu gestelzt klingenden, deutsche Untertitel hingegen passen eigentlich zum Stil der Serie. Wenn ich mir da Bildmaterial der englisch-sprachigen Remaster-Boxsets anschaue…

Utena haben wir Kunihiko Ikuhara zu verdanken. Maßgeblich an der zweiten bis vierten Staffel von Sailor Moon beteiligt, verließ er Toei Animation nach Unstimmigkeiten ob der Richtung, die SuperS eingeschlagen hat, und gründete sein eigenes Studio Be-Papas. Zusammen mit Mangaka Chiho Saito, die den Utena-Manga zeichnete, sowie Screenwriter Youji Enokido, der Scripts für Ouran High School Host Club, FLCL, Neon Genesis Evangelion oder RahXephon schrieb. 1997, wenige Monate nach dem Abschluss von Sailor Moon, flimmerte dann ihr erstes Werk über die japanischen TV-Bildschirme: Shoujo Kakumei Utena. Ach ja, extreme Spoiler in allen Utena-Posts, so mal vorgewarnt.

Beschreiben lässt sich die Serie gar nicht mal so einfach. Genannt wird es gerne Magical Girl, weil es um besondere Kräfte geht, alles hoffnungslos romantisiert ist, ja der Gang zum Duellplatz ist sozusagen eine Transformationssequenz, gefolgt von einem Kampf. Aber so wirklich das, was einem vorm inneren Auge bei den Worten „Magical Girl“ erscheint, damit überschneidet sich Utena gar nicht ganz.

Die Storygrundlagen sind wie folgt. In einem kitschigen Prolog, designt fast wie ein Märchen-Bilderbuch, wird uns erzählt, dass es mal eine Prinzessin gab, die ihre Eltern verlor und deswegen sehr traurig war. Jedoch erschien ihr ein Prinz, tröstete sie, und meinte, sie solle ihren Stolz und Anmut beim Erwachsenwerden nicht verlieren. Und er gab ihr einen Ring mit einem Rosensiegel. Von dieser starken, edlen Figur so angetan, beschloss das kleine Mädchen schlicht von nun an selbst ein Prinz zu sein.

Enter Utena Tenjou, die Teenager-Version des Mädchens, die ans Ohtori Internat geht, und immer in der Schuluniform der Jungs rumläuft (witzigerweise meint sie zu einer sich beschwerenden Lehrerin, dies wäre doch eine ganz normale Uniform, wir sehen aber keinen männlichen Charakter in der ganzen Serie mit dieser schwarzen Jacke). Als sie den Arsch Saionji herausfordert, muss sie schnell erkennen, dass der Ring mit dem Rosensiegel sie zum Duellanten um die Rosenbraut macht, durch die die Macht die Welt zu revolutionieren erlangt werden kann. Himemiya Anthy, jene Rosenbraut, wird anschließend mit dem Duellgewinner „verlobt“, bis sich dieser Status nach der nächsten Herausforderung eventuell ändert.

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Das klingt jetzt komisch? Ist es auch. Utena ist eine enorm schräge Serie, voller bewusst überspitzter und melodramatischer Ereignisse, einem extrem kitschigen Design ähnlich Shoujo-Manga der 70er, mit viel over the top Randomness. Aber auch mit enorm viel Symbolik und dem absoluten Verlangen, trotz allem die Serie ernst zu nehmen. Oder zumindest ihre Thematiken. Später werden jene deutlich vertieft, die 13 Episoden der Student Council Saga per Face Value genommen scheinen dagegen noch sehr oberflächlich. Wer aber wie ich weiß, wo die Serie mal hinführt, der sieht hier bereits erste Grundlagen für die Thematik von Stillstand und Charakterentwicklung, dem Erwachsenwerden und entdecken von Sexualität.

Und die Serie zeigt hier durchaus zwischen all den rosa Rosen, Comic Relief Affen, seltsame Schattenriss-Mädels mit vagen Gesprächen über die aktuelle Folgenthematik, den Color Coodinated Characterdesigns der Hauptfiguren, der geschwollenen Reden, bereits, dass dies nicht einfach ein hübsches, überzeichnetes Anime an einem Internat ist, wo sich gelangweilte Schüler romantische Duelle vor Märchenkulisse geben. Nach einer extrem non-canonical „wir machen, was für ein Schwachsinn uns gefällt“ Füllepisode kommt beispielsweise die dramaturgisch extrem spannende Folge um Juri, dann eine weitere selbst für Serienverhältnisse witzig-abgedrehte Schwachsinns-Füllepisode, und dann sind wir bei Episode 9, die uns einen Flashback mit den üblichen Schattenriss-Menschen zeigt, in dem die junge Utena sich zum Sterben in einen Sarg bei ihre toten Eltern gelegt hat. Und dann erst Episode 13, die eigentlich nur ein Recap der 7 Student-Council-Duelle ist, uns aber bereits zeigt, dass mit dem Sieg über Touga der Schülerrat eben erst mal weg vom Fenster ist, die Ankunft eines extrem wichtigen neuen Charakters signalisiert, und uns zeigt, dass im auf dem Kopf schwebenden Schloss über der Arena wirklich der gefangene Prinz schlummert. Besser kann man ein Publikum auf die nächste Arc fast nicht heiß machen.

Doch Utenas Student Council Saga ist hauptsächlich Stage Setting und Einführung der meisten wichtigen Charaktere der Serie – schnell erkennbar daran, dass sie die üblichen Anime-Haarfarben haben, statt braun und schwarz wie fast alle Nebenfiguren – und wofür sie stehen. Denn wie gesagt, viel in Utena ist symbolisch und hat durchaus einen Hintergedanken (wenn was wie eine sexuelle Anspielung oder ein Penisersatz wirkt, ist das höchstwahrscheinlich auch so gemeint). Nicht nur hat jedes Duell einen Titel, sondern auch ein eigenes Lied, die entweder Bezug auf die aktuelle Station der Charakterentwicklung von Utena an sich, oder den Grund, weswegen ihr Herausforderer sich mit ihr duelliert, wiederspiegelt.

Da wäre natürlich der Schülerrat, nach dem die erste Arc benannt ist, mit ihrem ikonischen Schattenrissaufzug, und dem Spruch über Küken, die sterben, wenn sie ihre Eischale nicht durchbrochen bekommen, was sie analog mit der Macht zur Revolution mit der Welt für sich machen wollen. Nur um ironischerweise dann nur passiv Reden schwingend rumzusitzen, bis ein Brief vom „Ende der Welt“ eintrifft, der ihnen Anweisungen gibt, oder sie zu einem Duell herausgefordert werden.

Als erstes hätten wir da Vizepräsident Saionji, mit dem sich Utena die ersten beiden Duelle („Freundschaft“ und „Wahl“) liefert, und der uns in die Duellthematik einführt. Er scheint einen Minderwertigkeitskomplex gegenüber Langzeitfreund Touga zu haben, und betrachtet Himemiya als sein Eigentum, schlägt sie sogar mehrmals – scheint aber auf seine eigene Art und Weise durchaus in sie verliebt, wie wir etwas später herausfinden, wenn seine Charakterzüge weniger fies und mehr comical werden.

Mit dem Wunderkind Miki liefert sich Utena das Duell „Vernunft“ (die Serie gibt ihnen allen französische Namen, und auch wenn Vernunft auf Bezug zu Miki durchaus zum Charakter passt, so scheint die englische Übersetzung „raison“ eher zu „Reason (to fight/live)“ zu machen, was hier doch besser passt). Er hat ein enorm komplexes Verhältnis zu seiner Zwillingsschwester, mit der er als Kleinkind sehr eng war, nachdem er sie enttäuschte aber nun kaum noch was mit ihr zu tun hat, sein Frauenidealbild stattdessen lieber auf Himemiya projiziert.

Fechtklub-Kapitän Juri ist die einzige Frau im Schülerrat, bringt uns das Duell „Liebe“. Sie steckte in einer Dreiecksverhältnis. Drei beste Freunde, Er ist in Juri verleibt, sie in ihn, also schnappt sie ihn Juri weg, nichts ahnend, dass Juri eigentlich in sie verliebt war. Sie kämpft, um zu beweisen, dass es die Macht der Wunder gar nicht gibt.

Tougas kleine Schwester Nanami ist dahingehend ein interessanter Charakter, weil sie irgendwo zwischen Haupt- und Nebencharakter dümpelt, häufig als Comic Relief der Füllfolgen herhalten muss, kein Mitglied des Schülerrats ist, sich aber doch Utena in „Verehrung“ duelliert. Sie ist extrem auf Touga fixiert, der für sie der perfekte Mann ist, und auf alles und jeden Eifersüchtig, der seinen Blick auf sich zieht.

Touga als Kapitän des Rats ist natürlich die Speerspitze der Staffel, der Schönling mit mehr Anbeterinnen als alle anderen Charaktere der Serie, von denen er auch reichlich sexuellen Gebrauch macht, ist zudem der einzige Charakter hier, der es schafft Utena im Duell „Überzeugung“ zu besiegen, bevor sie Himemiya dann in „Selbst“ wiedergewinnt – und zwar wissend, dass er nicht mit körperlicher Überlegenheit gewinnen kann, auf psychologische Kriegsführung geht. Er ist der Verführer, der in dieser Arc die Fäden in Händen hält, Saionji ausspielt, Utena verwirrt, und nach seiner eigenen Niederlage Bewegungsunfähig wird.

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Utena wie gesagt hat jung ihre Eltern verloren, seither eine romantische Vorstellung von ihrem „Prinz“, der sie errettet hat, woraufhin sie sich beschloss nicht mehr eine hilflose Prinzessin, sondern selbst ein starker, selbstbewusster Prinz zu sein. Gegen Ende der Arc kommen ihr allerdings erste Zweifel, fragt sie sich, ob „Normalität“ doch nicht mehr etwas für sie ist, sie doch femininer sein sollte, sprich die selbstbewusste Fassade bröckelt ordentlich, bevor sie im letzten Duell doch wieder zu sich findet.

Himemiya Anthy ist die Rosenbraut, die das Disosschwert für die Duelle gebiert, mit dem Gewinner verlobt wird, und das Objekt aller Begierde, nicht um ihrer selbst wegen, sondern wegen der Macht, die sie angeblich repräsentiert. Sie ist ein Charakter absoluter Passivität, die keine Freunde hat, nur mit anderen Charakteren interagiert, wenn jene dies initiieren, und macht ohne die Wimper zu zucken alles, was ihr aktueller „Verlobter“ von ihr will. Hin und wieder gibt es einen kleinen Einblick dessen, dass sie vielleicht doch lieber bei der netten Utena ist, statt zum misshandelnden Saionji zu gehen, oder bei Touga zu bleiben, für den sie nur ein Accessoire ist, das er überall rum zeigt, der sie aber, sobald er sie hat, scheinbar nicht mal mehr als Mensch sieht. Dennoch scheint sie möglichst unauffällig sein zu wollen, möglichst keine Stoßpunkte geben, nie aufbegehren – und das, wo sie durch ihre dunkle Hautfarbe und Stirnpunkt das herausstechendste Design der Charaktere ist, sowie eben Dreh- und Angelpunkte der Duelle.

Was also schnell ersichtlich wird, ist die Tatsache, dass nicht nur jeder hiesige Charakter eben seinen eigenen Grund zum Kampf hat, seine eigenen Ziele mit der schwammigen „Macht zur Weltrevolution“ zu erreichen hofft, sondern das alle Charaktere auch gewaltige Fehler und dunkle Flecken in ihrer Persönlichkeit haben, häufig was die Beziehung(sbereitschaft) zu anderen Menschen angeht. Utena ist in der Hinsicht das Evangelion der verklärten Shoujo-Anime.

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