Let’s Fail Might & Magic

ava-1443Die drei großen, alten West-RPG-Serien Ultima, Wizardry und Might & Magic haben mich immer mal wieder interessiert, ich mich aber nie dazu durchringen können, sie auch wirklich spielen zu wollen. Zu alt, zu kompliziert, nicht benutzerfreundlich genug. Bis ich dann vor wenigen Jahren doch mir meinen Weg dreckig durch die ersten Wizardries gecheated habe. Ultima wird wegen seines Nahrungsmanagements nie eine Option für mich sein. Bliebe noch M&M. Als der HG101-Artikel online ging, hab ich es kurz in Erwägung gezogen (dann aber eben zu Wizardry gegriffen), als ich beim Spielen von Wizardry V auf den CRPGAddict aufmerksam wurde, erneut… und jetzt, wo e7 Sturmpropaganda für X macht, mal wieder.

Nur bin ich diesmal eingeknickt. Gespielt wird aber natürlich nicht das schrecklich hässliche PC-Original ohne Musik, sondern der hübschere und vertonte Konsolen-Port auf dem NES. Dort gibt es auch gleich eine Überraschung zu Beginn: Ich geb den Namen meines Helden ein und… das war es, ich steh allein fertig in der Stadt. Charakterkreation ist im NES-Spiel nicht, der benannte Charakter ist vorgefertigt (Knight), so wie die in der Gaststädte rekrutierbaren Charaktere. In späteren Städten gibt es weitere, aber jeder geht das Spiel wohl mit den fünf an, die in der Anfangsstadt abhängen, statt später auszutauschen (die da wären: ein zweiter Knight, ein Robber, ein Cleric und zwei Wizards).

Doch gut versteckt gibt es doch ein Charaktererstellen, denn einer der Räume der Starterstadt weißt eine Gilde auf, in der Charaktere neu gerollt werden können, wobei man da Sitzfleisch mitbringen muss, da häufig nicht die besten Statuswerte ausgewürfelt werden. Ich hab dann auch nur den zweiten Knight zu einem Paladin und zweiten Wizard zu einem Archer geformt und den Rest unangetastet gelassen, um von jedem Job einen zu haben.

emandem-01

Aber ich greife vor, denn was ich wirklich zunächst gemacht habe, ist kläglich versagen. Ich stand also alleine im Spiel. Und ging einfach den Gang vor mir entlang, nur um in einen Encounter zu geraten, den ich alleine natürlich nicht bestehen konnte. Schrecklich verwirrt darüber, wo mein Team abgeblieben ist, stand ich also eine Minute im Spiel schon wieder vorm Hauptmenü. Stellt sich raus, vom Startpunkt aus muss man sich umdrehen, da ist dann die Türe in die Gaststädte, wo die vorgefertigten Charaktere warten. Geh ich also nun ganz stolz und motiviert mit einer vollen Sechsergruppe durch die Labyrinthgänge der Stadt… und erneut überstehe ich nicht einen Kampf, ohne das mir mehrere sterben. Ich Idiot hab nämlich vergessen, dass einen so alte Brocken nackend in die Gegend stellen. Den Knüppel, der einem ins Gepäck gesteckt wird, muss schon noch ausgerüstet werden, bevor man mit zuschlagen kann.

Nicht das die es gleich viel einfacher machen würden. Viele Gegnergruppen schlagen immer noch gern Leute tot. Geld hab ich keines für bessere Rüstung. Außerdem gibt so eine Gruppe 30-90 Erfahrung und das Trainingslager hat mir gesagt, ich brauche davon 1500+ für Level 2. Na das kann ja eine Weile dauern. Campen, um mich sofort zu heilen, muss ich sowieso nach jedem erfolgreichen Kampf, was eine Ration verbracht, die natürlich auch gekauft werden will. Training zum Aufleveln will dann, wenn es endlich geschehen kann, natürlich auch bezahlt werden. Natürlich können Gegnergruppen schon in der ersten Stadt mich nicht nur mit Leichtigkeit tot schlagen, sondern auch diverse Statusveränderungen bringen, Heilung/Wiederbelebung in der Kirche geht natürlich auch ordentlich aufs nicht vorhandene Konto. Ich fange langsam an, an meiner Entscheidung zu zweifeln. Wizardry war auch ein fieses Drecksstück von einem Spiel, aber doch im Ablauf schneller und geradliniger. Might & Magic droht mir jetzt schon eine zu hohe, zu langsam zu überwindende Hürde zu sein.

Weitere Observationen zwischen den Nahtoderfahrungen:

Die NES-Version hat eine Auto-Map, die jederzeit kostenlos per Select aufgerufen werden kann. Praktisch.

M&M ist ein Verlieskriecher – Städte (und wohl spätere Oberwelt) sind nämlich auch durch die üblichen labyrinthenen 1st-Person-Gänge dargestellt.

Vampire Bats können Endurance mit ihren Attacken verringern. Permanent?

Eine Leiter in ein Dungeon innerhalb der Stadtmauern gibt es bereits, zuerst nahm ich an, vielleicht solle ich hier statt auf den Straßen leveln, aber die Gegner sind dort noch schwerer.

Encounter auf den Straßen sind immerhin selten, dafür hocken hinter so ziemlich jeder Türe einer.

Apropos Türen: Zum Großteil verschlossen und ich Honk hab natürlich erst Mal auf einen Schlüssel gewartet, bis ich mich dran erinnert habe, was für ein Spiel aus welcher Ära ich hier spiele. Natürlich soll mein Robber die knacken! Ich vergesse immer wieder, dass in West-RPGs Diebe tatsächlich diebische Sachen machen können, statt schlichtweg schnelle Schwächlinge zu sein wie in JRPGs.

Ich Derp #2: Hab mich gewundert, dass die Kämpfe kein Loot hinterlassen. Das Spiel erwartet natürlich, dass ich anschließend im Menü den [Search]-Befehl nutze! Das werde ich bestimmt nicht zum letzten Mal vergessen haben.

emandem-02

Die Stadtwache lässt mich übrigens noch nicht raus, weil ich ihm zu schwächlich aussehe. Wahrscheinlich, damit ich nicht rauswandere und zwischen Gegnern stecke, die ich nicht besiegen kann, stattdessen mich auf die Gegner in der Stadt beschränke, von denen ich zumindest eine Gewinnchance von 1:10 habe.

Als ich Zahlen neben den Gegnernamen gesehen habe, war ich zunächst geschockt, dachte ich doch das Spiel stellt mir direkt 3-4 Gruppen von 3-8 Gegnern hin. Dabei sind das nur die HP der Viecher.

Die Aufstellung hab ich noch nicht ganz kapiert. Dachte wie Wizardry sind die ersten drei Charaktere vorne, die anderen drei hinten, wo Nahkampfwaffen den Gegner nicht erreichen. Jedoch kann mein dritter Charakter manchmal angreifen, manchmal nicht.

Etwas umständlich ist die NES-Portierung natürlich schon. Ich nahm zunächst an, dass unter [Use] das [Equip] mich Rüstung anlegen lässt, dies lässt mich aber nur bereits ausgerüstetes eben nutzen, falls es eine Wirkung entfalten kann. Nein, ich muss in [Camp] gehen, dann [No] auswählen, um ein ganz neues Untermenü zu bekommen, in dem das eigentliche Ausrüstungs-[Equip] zu finden ist.

Auch hab ich keine Ahnung, warum das Spiel das untere Drittel Screen Real Estate an eine permanente Textbox, die „Go ahead, fighters!“ sagt, verschwendet. Wenn ich Start drücke blendet es dort eine Charakterübersicht ein, die ganz nützlich dauerhaft zu haben wäre, geht aber zur Textbox zurück, sobald ich was mache.

Mal sehen, ob wir uns wiedersehen, oder ob ich Weichling von den fies-komplizierten Hardcore-West-RPGs wieder weg gehe, zu meinen Simpleton-JRPGs. Die sind einfacher zu verstehen und haben wesentlich weniger tödliche Gegner. Hätte da ja noch Etrian Odyssey III angefangen rumfliegen, welches ich wohl nun unter wesentlich freundlicheren Augen sehen werde, und welches auch den Kriechreiz kratzt.

Nächster Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

2 Kommentare

  1. Wow, du bist echt ein harter Knochen, direkt mit dem ersten Teil einzusteigen :D IV, V und VI gelten als die zugänglicheren Spiele, aber ich denke mal du ziehst sowas gern chronologisch auf.

    Die Sache mit dem Loot habe ich bei Might & Magic II fürs Sega Mega Drive auch lange nicht gerafft. In IV & V gibt es zum Glück Autoloot, in VI müssen die sichtbaren Überreste der Gegner per Mausklick gefleddert werden.

    Eine Aufstellung mit mehreren Reihen gibt es glaube ich in Might & Magic gar nicht.

    Das Interface der PC-Version ist übrigens gar nicht mal wesentlich besser als auf dem NES, da es keine Maus unterstützt und näher an einem Textadventure dran ist.

    Antworten
    • Abgesehen davon, dass man bei emulierten Konsolenversionen auch einfacher cheaten kann (so viel also zum harten Knochen :D), ist es mir eh meist zu umständlich, so alte Dinger in DosBox zum Laufen bringen zu wollen, zumal die Konsolenversionen meist auch noch hübscher anzusehen sind, wenn nicht zumindest gleichwertig. Dafür hat man bei den PC-Dingern halt Keyboard-Shortcuts, sofern man sie sich merken kann.

      Mittlerweile hab ich so ein wenig rausgefunden, was das mit der Aufstellung auf sich hat. Es kommt darauf an, wie viel freie Fläche die Truppe hat. Auf der Oberwelt können fast immer alle angreifen, während in Stadt oder Dungeon es darauf ankommt, von wie vielen Seiten sie von Wänden umgeben sind – bei allen drei Seiten dürfen nur die 2 vordersten Charaktere angreifen, wenn nach links und rechts an einer T-Kreuzung frei ist, dann häufig auch die nächsten beiden.

      Antworten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: