Nostalgic Anime Week II: Kite

ava-1430Erneut kommen wir nach einer eingeworfenen, eher leichten Unterhaltung, zu einem härteren Anime. Das 1998er Kite von Yasuomi Umetsu, der neben hauptsächlich helferischer Tätigkeiten und Character Designs (u.A. auch für Castlevania 64 oder Shin Megami Tensei: NINE) eher durch die Hardcore-Anime Cool Devices: Yellow Star, Kite und Mezzo Forte bekannt wurde, mittlerweile mit der Mezzo TV-Serie und Kite: Liberator auch vergleichsweise harmlose Dinge hervorgebracht hat.

Yasuomi Umetsus Eintrag in die Cool-Devices-Reihe, Yellow Star, gestaltet sich wie folgt: Mädchen wird vom Stiefvater, der offiziell im Fall der Droge ermittelt, von eben jener abhängig gemacht, damit sie es mit ekligen Kerlen treibt, bringt ihn um, nur um dann doch ein Bad End zu haben. Kite hat eine ähnliche Story, nur mit einem Girl with Gun Protagonist (denn niedliche Mädchen in Brachialgewalt geht immer, wie auch die Mezzos zeigen):

Akai ist ein korrupter Polizist der Mordermittlung, der zusammen mit Kanie eine Agentur für Auftragsmorde betreibt. Die beiden haben einen ziemlichen Hunger für minderjährige Muschi, und so nehmen sie sich der jungen Sawa an, nachdem sie deren beide Eltern ermordet haben. Denn mit genug Gehirnwäsche, Ausnutzung, Stockholm-Syndrom, „Streicheleinheiten“ mit dem Penis, und Waffentraining am lebenden Objekt, wird aus dem jungen Mädchen schnell eine gewissenlose Killerin, die für sie die Aufträge ausführt, so dass sich die beiden gar nicht mehr selbst die Finger schmutzig machen müssen.

Der Teil ist allerdings nur die in wenigen Minuten als Versatzstücke eingestreute Hintergrundgeschichte, Kite spielt mit einer bereits erwachsenen(?) Sawa, die ohne Murren und Knurren Leute erschießt und Akai gefällig ist. Zumindest bis sie sich mit dem Studenten Oburi anfreundet, der ebenfalls Morde für Akai begeht, aber aussteigen will. Aus dem Business aussteigen kann man allerdings nur im Tode, so zumindest Akais Meinung, also wird Sawa auf ihn angesetzt – die nun ihre Chance riecht, sich endlich an ihren beiden Ziehvätern zu rächen. Gut ausgehen tut auch dies nicht.

Kite ist ein schon recht schonungsloser Action-Steifen, um eine Riege verachtungswerter Charaktere. Denn grafisch sind die beiden Halbstünder allemal, in beider Hinsicht. Sawa nutzt nicht einfach nur normale Kugeln, sondern um sie nicht nachverfolgen zu können, explodiert die Munition im Körper der Opfer, was Literweise Blut spritzen und auch mal das eine oder andere Körperteil fliegen lässt. Und auch die zwei oder drei Sexszenen sind volles Rohr auf die Action, in der komplett ungekürzten Fassung inklusive kurzer Flashbacks auf die Vergewaltigung der jungen Sawa. So weit zu gehen, Kite einen Hentai zu nenne, würde ich allerdings nicht. Die Sexszenen sind gar nicht mal so lang, und wirken auch nicht sonderlich stimulierend – merkwürdige Musik, eine eindeutig ausgenutzte Sawa und Umetsus Angewohnheit seine Kerle alle als eklig-schmierige Giganten neben den petit-niedlichen Mädels darzustellen sei Dank (Kite hat mit Oburi einen einzelnen attraktiven Kerl zu bieten, doch ganz wie mit dem attraktiven Freund des Mädels in Yellow Star, kommt er nie zum Schuss, sondern nur die alten Ekelpakete).

Zumal der Sex in Kite auch recht organisch wirkt, ganz im Gegensatz zu Mezzo Forte, er ist regelrecht charakterisierend: Wir wissen durch ihn, dass Sawa auf mehrere Art und Wiese von Akai ausgenutzt wird, und er zeigt erneut, was für Fieslinge er und Kanie sind. Denn egal wie sehr sie Sawa und Oburi sagen, was für Bösewichter sie da für das Gute der Menschheit umbringen, sie selbst sind auch korrupt, Geldgeil und vergreifen sich an jungen Dingern. Die Realität von Kite ist dreckig und korrupt, und die recht brachiale Gewaltdarstellung sowie sexuelle Ausnutzung untermauern dies.

Kite ist auch ein recht cooler Action-Streifen, wirklich. Neben einer attraktiven Protagonistin und stylischer Action bietet es viele stark schattierte Einstellungen, ins Nichts schauen, und einen chilligen OST, der dem Anime ein gewisses Noir-Feeling gibt. Als reines Actionfest ist Kite absolut zu gebrauchen. Der einzige Abzug hierbei ist, dass der Anime etwas zu cool ist, denn gerade Sawa und Oburi sind auch sehr kalt und Emotionsarm geraten. Und auch alles andere, als unschuldig. Oburi erschießt einen kleinen Jungen so ganz nebenbei, als wäre es normal wie das Atmen, nur weil dessen Ball in einer Pfütze landet, die seine neue Jacke durchnässt. Der tragische Aspekt von Kite würde tatsächlich etwas besser funktionieren, wenn uns die beiden jungen Protagonisten sympathischer gemacht würden.

Und damit wären wir auch am Ende der zweiten von drei Wochen, in denen ich für mich nostalgische Anime aus meinem DVD-Regal entstaube, erreicht.

kite

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