Nostalgic Anime Week II: Akira

ava-1426AKIRA! Dieser Titel. Für lange Zeit die Definition von Anime Vieler. 1988 packte Katsuhiro Otomo seinen epischen Manga von über 2.000 Seiten, der damals noch gar nicht ganz abgeschlossen war, in einen Kinofilm von 120 Minuten. Und begeisterte die Welt. Ernsthaft, der Film tourte über den Globus, wurde von aller Seite mit Lob überschüttet und ist ein Grundpfeiler der frühen Anime-Faszination im Westen, sowie der Titel, der der Öffentlichkeit zeigte, dass Trickfilm nicht zwangsläufig für Kinder ist – nur um dank des Einkaufs ähnlicher Filme das Klischee zu legen, dass Anime Brutalo-Streifen für Erwachsene sind. Wenn man es im Westen regelmäßig auf Listen der besten Filme aller Zeiten/die man vor seinem Tod gesehen haben sollte, schafft, und das durchaus welcher, die nicht Anime-exklusiv sind und von Mainstream-Seite zusammengestellt werden, statt aus unserem Nischen-Fankreis zu kommen, dann hat man was richtig gemacht.

Wir beginnen mit einer kurzen Einstellung des 1988er Tokyos, das von einer Explosion dem Boden gleichgemacht wird. Anschließend kam es wohl zum Dritten Weltkrieg, nun schreiben wir das Jahr 2019 und Neo Tokyo ist neu erbaut. Trotz oder gerade wegen ausufernder Polizeigewalt ist die Jugend verrottet und macht des Nachts die Straßen als Biker-Gangs unsicher. Kaneda und der seit ihrer Kindheitstagen im Heim befreundete Tetsuo sind in einer solchen.

Als ein seltsamer Junge auf die Straße läuft, verletzt sich Tetsuo beim Ausweichmanöver und plötzlich sind sie vom Militär umzingelt. Die waren eigentlich hinter dem Jungen her, der zu einem Geheimexperiment um PSI-Begabung gehört, aus dem auch Akira stammt, welcher für die Katastrophe in 1988 zuständig ist. Nur werden auch bei Tetsuo äußerst interessante Gehirnmuster festgestellt, weswegen die Wissenschaftler ihn gefangen halten wollen. Die anderen drei Versuchsobjekte befürchten hingegen, dass aus ihm ein zweiter Akira werden könnte, sobald seine Kräfte außer Kontrolle geraten.

Das Cyberpunk-Abenteuer verdient seinen ikonischen Status durchaus. Ihn mir nach all der Zeit erneut anzusehen, immer noch sehr viel vom Film erwartend, war ich dennoch überrascht, wie genial ich ihn weiterhin finde. Und das, obwohl er nur ein Schatten des komplexen Mangas ist, was man vorrangig daran merkt, dass wenig auf die Situation der aktuellen Welt eingegangen wird – die korrupten Politiker, die Aufstände, die Kults, die Straßengangs, die Experimente, das Militär, sind alles Dinge, die man so nebenbei mitbekommt, ohne das Zeit wäre, wirklich darauf einzugehen, obwohl hier enorm viel Potential für ein kaputtes Zukunftsszenario und Kritik steckt.

Dafür haben 2 Stunden Film eben nicht die Zeit und somit begnügt sich die filmische Version von Akira auf das Wesentliche, nämlich das mysteriöse Phänomen Akira selbst, sowie der Fall des Charakters Tetsuo, alles weitestgehend erzählt durch die Augen Kanedas. Es ist eine dicht gepackte Handlung, wie erwähnt voller interessanter Anspielungen, noch mehr unterhaltender Action, einem rätselhaften Mysterium… in Akira steckt keine Minute Downtime, los ist immer was.

Und die Optik, oh die Optik. Wenn dieses Setting nicht so absolut 80er-Jahre schreien würde, dann käme man vom fehlenden CG vielleicht mal abgesehen nie auf den Gedanken, dass dieser Film aus der Zeit ist. Er ist unglaublich detailliert gezeichnet und bis ins kleinste Fitzelchen durchanimiert – ja die Charaktere wirken in den ersten Minuten auf einen fast seltsam überanimiert, da wir es von handgezeichneten Trickfilmen nicht gewohnt sind, dass sie sich so realistisch viel bewegen. Oben drauf kommt noch ein bombenfest sitzender Stil, der enorme Atmosphäre bereitet, denn diese Stadt sieht einfach überlebensgroß aus, die Lichter der Motorräder ziehen in der Nacht Schlieren hinter sich, die Aufständigen quellen in Massen auf die Straßen.

akira

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Ein Kommentar

  1. „Akira“ war / ist seiner Zeit voraus. Ich bin gespannt, ob sie den Film nun endlich mal in real verfilmen. Es gibt auch ein schönes Making Of zum Film.

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