The Hunger Games

ava-1380Da wäre ich also nun endlich am Ende des ersten Buches der Hunger-Games-Trilogie, nachdem es fast zwei Jahre auf meinem Kindel rumgehangen hat. Ich hab sogar extra Battle Royale geschaut gehabt, um ganz fleißig vergleichen zu können, da dies obligatorisch zu sein scheint.

Wie viele Young Adult Novels ist The Hunger Games aus der Ich-Perspektive erzählt, und zwar der 16-jährigen Katniss, die im postapokalyptischen Panem lebt – das frühere Nordamerika, welches nun nur noch aus „Der Hauptstadt“ und 12 Slumdistrikten besteht, die dafür ackern dürfen, dass die Hauptstädter in ihrem Utopia alles haben, wonach es ihnen verlangt. Vor einem Dreivierteljahrhundert haben die Distrikte sich mal in einer Rebellion gegen die Hauptstadt erdreistet, wurden zurückgeschlagen, und nun gibt es jährlich die Hungerspiele, um zu zeigen, wer hier die Kontrolle hat.

Für jene werden jeweils zwei Vertreter zwischen 12 und 18, ein Mädchen und ein Junge, pro Distrikt ausgewählt, in eine Arena geworfen, und dürfen sich nun gegenseitig umbringen, denn rausgelassen werden sie erst, wenn es nur noch einen Überlebenden gibt. Ausgerechnet die kleine Schwester von Katniss trifft es dieses Jahr, weswegen sie sich freiwillig als Ersatz meldet, während der Junge aus ihrem Distrikt seit Jahren arg in sie verschossen ist.

Ja, das eigentliche Spiel an sich hat schon einen starken Einschlag von Battle Royale, das ganze Drumherum ist allerdings frappierend anders. Schon alleine die Welt und Begründung, warum die Hunger Games überhaupt stattfinden. Ehrlich gesagt mochte ich The Hunger Games tatsächlich mehr, als Battle Royale (welches ich auch leiden konnte), jedoch ist ein Buch mit einer Filmumsetzung eines Buches zu vergleichen sicherlich nicht fair. Das liegt aber auch einfach daran, dass die beiden Werke das Material stilistisch ganz anders angehen. Battle Royale ist ein nihilistisches Ding, wir erfahren wenig um die Außenwelt oder die Charaktere, sind mehr damit beschäftigt zuzusehen, wie für 2 Stunden knapp 40 Schüler durch den Fleischwolf gedreht werden. The Hunger Games ist da wesentlich menschlicher, schon alleine, weil es als Young Adult Material gar nicht so schonungslos brutal werden kann.

Diese übrigbleibende Zeit wird zunächst viel fürs World Building genutzt. Bevor das Spiel überhaupt richtig los geht, bekommen wir erst mal gezeigt, wie das Leben in District 12 für die Einwohner überhaupt ist, wie Katniss selbst aufwuchs, seit Jahren abgehärtet zum Familienoberhaupt wurde. Wir bekommen das Trara um die Hunger Games präsentiert, das glamouröse Darbieten der 24 Teilnehmer, die Interviews, Reality TV a la Big Brother trifft auf altrömische Gladiatorenkämpfer, da die Brutalität in der Kampfarena live und in Farbe als großes Spektakel ins eigene Wohnzimmer übertragen wird. Alles aus dem Blickwinkel von Katniss, die Resignation ob der Armut im District 12, der krasse Gegensatz des überkandidelten Lebens in der Hauptstadt, und der eiserne Kampf ums Überleben. Es hat schon was, wenn unser Hauptcharakter hofft, dass das nette Mädel aus District 11 hoffentlich bald von jemand anderem umgebracht wird, damit sie es nicht tun muss – denn sie kann sie leiden, aber es kann nun mal nur einen Überlebenden geben. Auch interessant sind natürlich die Psychospielchen, die da teilweise betrieben werden. Sich zunächst in starke Gruppen zusammenzurotten, um schon mal die Opposition auszudünnen; sich wie ein netter Kumpane zu geben, um jemandem in den Rücken zu fallen; den Zuschauern zu Hause eine Show zu bieten, sich bei Leuten, die einen tot sehen wollen, anbiedern zu müssen, damit Sponsoren nützliche Geschenke bereitstellen – kein Wunder, dass Katniss so arg begriffsstutzig ist, was das offensichtliche Gefühlsleben von Peeta angeht.

Jene Romanze, die anscheinend auch obligatorisch in Young Adult mit weiblichen Protagonisten zu sein scheint, ist übrigens überraschend unbedenklich, übernimmt sie doch nie das Buch, und das angedeutete Dreieck mit dem zu Hause sitzenden Gale ist nicht wirklich ein Thema, weil der eben nach dem Einstieg im Buch nicht mehr präsent ist. Hier hatte ich mir äußerst schlimmere Unterbrechungen im Geschehen befürchtet. Aber dank der toll charakterisierten Katniss, mit ihrem kühlen Kopf und Survival Instinkt, die schlichtweg keine Zeit für den Mist hat, bleibt das relativ harmlos. Ein weiterer Pluspunkt gegenüber Battle Royale: Ich mag und schere mich was um die Charaktere, statt das sie weitestgehend Gesichtsloses Kanonenfutter sind.

Was allerdings doch sehr Young Adult ist, und das einzige, was ich am Buch nicht so prickelnd fand, waren die Morde. Damit meine ich nicht die Tatsache, dass sie nicht ausgiebig beschrieben wurden. Mich störte eher, dass die Hauptcharaktere kaum welche begehen dürfen. Die meisten der 22 anderen Kids sterben, in dem sie sich untereinander töten, und bis auf eine Ausnahme sind die wenigen, die auf das Konto von Katniss oder Peeta gehen, eher Unfälle – das ist schon fast etwas Disney-isch. Ich weiß nicht, in einer Situation wie dieser hätte ich doch erwartet, dass die mit etwas mehr (kalkuliertem) Blut an ihren Händen enden müssten. Was dafür allerdings positiv Young Adult ist, ist die einfache Verdaulichkeit des Buches – es ist recht kurz, einfach geschrieben, und schreitet somit konstant zügig voran, ohne wirklich je Zeit für einen Durchhänger zu haben, und wer wie ich richtig vom Buch gepackt hat, kann es zügig in ein oder zwei Abenden durch haben.

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