Moon Healing Escalation!, or Rewatching Bishoujo Senshi Sailor Moon

ava-1343Wisst ihr, was auch schon 20 Jahre alt ist? Die Serie, die für die meisten meiner Generation das erste bewusst wahrgenommene Anime war: Sailor Moon. Oh, ihr wisst genau, dass ihr das alle auch geschaut habt, jetzt tut mal im Nachhinein nicht so. Ich weiß noch, wie ich am Wochenende morgens früher aufgestanden bin, statt mich von den nicht vollbrachten schulischen Leistungen zu erholen, um das Ding auf ZDF zu schauen, bevor RTL2, in uralten Nicht-Zensur-Zeiten, sie aufgriffen und es mir Wochentags nach der Schule servierten. Und da es dieses Jahr eine neue Serie zu Feier geben sollte (die aber verschoben wurde, weil bei Sailor Moon schon lange nichts ohne Rechteprobleme abgehen kann), bietet es sich doch an, die alten erneut zu schauen. 200 Folgen sind ja bekanntlich gar nichts, quasi ein Kleinkind unter den Endlosserien, wie euch die großen Brüder a la Shin-Chan oder Doreamon sagen können.

Also rein in die erste Staffel der Serie, in der sprechende Katzen 14-järhige Mädels dazu rekrutieren, sich im Zeitvakuum zu verwandeln, um Dämonen im notorisch entvölkerten Tokyo zu bekämpfen, und in der die Sicht von jedem so schlecht ist, dass sie niemanden erkennen, sobald die Person mal eine Brille oder anderes Outfit trägt.

Ich glaub, dies ist die Sache, die mich selbst damals bereits gestört hatte: Alle haben Gesichtsblindheit. Wie kommt es, dass niemand die verwandelten Senshi erkennt? Alles, was sich ändert, ist, dass sie ein knapperes Outift tragen. Selbst Tuxedo Mask hat wenigstens eine Mini-Augenmaske auf. Normalerweise wäre das so eine Sache, die man einfach irgendwann dank Supsension of Disbelief vergisst und als gegeben annimmt. Clark Kent nimmt ja auch niemand als Superman wahr, obwohl er lediglich ne Brille auf- und die blauen Strumpfhosen auszieht. Jedoch ist die Serie erstaunlich inkonsequent, ob Leute andere nun erkennen oder nicht. Naru erkennt Neflite im Tuxedo-Mask-Outfit, aber ihre beste Freundin im Sailor-Moon-Getup dann wieder nicht. Und wie kommt es, dass die Bösen sofort wissen, wer die Kriegerinnen sind, wenn sie sie bei der Verwandlung beobachtet haben? Ich mein, ja, sie haben gesehen, wie sie ohne kurzes Röcken und Tiara aussehen, aber dadurch wissen sie deren Namen und Wohnort ja nicht wirklich. Tokyo ist nicht gerade ein Dorf, in dem man fünf Mädels schnell gefunden hat. Und manchmal haben die Mädels alle Zeit der Welt, ihre Attackanimationen zu vollenden, dann wider ist’s doch nicht im Zeitvakuum, sondern kann unterbrochen werden. Stehen die Youma einfach normalerweise 30 Sekunden still, damit Mars möglichst dramatisch FIIIIIREEEEE! SOOUUUUUL!! rufen kann? Diese bereits unglaubwürdigen Sachen dann so inkonsequent zu behandeln ist es, was einem als Erwachsener permanent auffällt. Aber natürlich ist das alles nur nitpicking, keine echten Störfaktoren, in einer Serie, in der Leute auf dem Mond leben, die Macht der Liebe die stärkste Kraft darstellt, und die 1993er Erde als friedlicher Planet dasteht, nur weil in Industrienation Japan kein Hunger und Krieg grasiert.

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Sailor Moon sieht man besser als Märchen, denn so lässt sich all das, genauso wie der nicht unerhebliche Kitschfaktor, und der ständige Motivationsfaktor der Romantik für alle seine weiblichen Charaktere, viel eher schlucken und genießen, für das, was es ist. Kitsch klar, etwas blöde sicherlich auch, aber doch sehr charmant und unterhaltsam.

Und weibliche Charaktere gibt es genug, eigentlich fast alle wichtigen Charaktere sind es. Die Kriegerinnen der Gerechtigkeit sind alles Mädels, die Youma sind (fast) alle weiblich, das Silbermillennium genau wie das Dark Kingdom werden von Frauen regiert. Die einzigen Männer, die eine wichtige Rolle spielen, sind die Queen Beryl unterstehenden vier Generale, sowie Tuxedo Mask, der mehr Love Interest und nettes Accessoire für Sailor Moon darstellt, denn sonst was – sicherlich, er darf ein Mal pro Folge auftauchen, seine Rose werfen, um Sailor Moon aus einer Klemme zu helfen, doch nach einer kurzen Motivationsansprache düst er dann doch wieder ab und es sind die Mädels, die dem Youma den Rest geben müssen. Das ist sicherlich nicht ungewöhnlich, ist die Zielgruppe der Serie natürlich im weiblichen, und eher jungen, Publikum zu finden, doch ist es so oder so nett für sie, so viel Girl Power zu erleben. Besonders interessant sind hier die ersten paar Episoden, in denen Usagi noch alleine ist, was keine unerhebliche Länge darstellt, so kommt Ami erst in Episode 8 vor: Jadeites Plan, an menschliche Energie zu kommen, ist so viele Menschen wie möglich in eine Falle zu locken. Viele hiervon sind schon geradezu Wahnmerkmale fürs Publikum, nicht in offensichtlich fishigy Dinge zu geraten: Crashdiäten sind schlecht für deinen Körper; Liebesbekundungen sind dafür da, sie auch jemandem zu geben; laufe nicht den neusten Trends nach; und wenn es was umsonst gibt, kostet dich das sicherlich letztendlich doch. Kein Wunder, dass die Amis in ihrer Version am Ende jeweils eine kleine „Sailor Says“ Moralpredigt gehalten haben, um mit dem Zaunpfahl auf jene Weisheiten zu weisen.

Besonders charmant sind natürlich auch Usagis viele funny faces, sowie ihre käsigen Ansprachen als Sailor Moon, deren sich die Serie wohl bewusst ist. Ganz allgemein ist es eigentlich schon eine Leistung, dass die Serie es hinbekommt, Usagi dem Zuschauer sympathisch zu machen, obwohl sie die meiste Zeit sehr Willensschwach, verheult und unzuverlässig wirkt. Denn immerhin hat sie innere Stärke und wenn es darauf ankommt, tut sie, was getan werden muss, steht sie ihren Freunden bei. Dennoch, mit all den vordergründig schlechten Eigenschaften, ist es immer eine Gradwanderung zwischen sympathisch Unperfektheit und nervtötender Heulsuse, die die Serie glücklicherweise meistert. Aber noch mal zu ihren Kräften zurück – benutzt sie nach dieser Staffel eigentlich je wieder den Füller, der sie in verschiedene Berufe verwandelt? Und was ist mit den Dingern in ihrer Kloßfrisur? In der ersten Folge hört sie durch sie Hilfeschreie, und ein weiteres Mal verstärkt es ihr Geheul zur Ultraschall-Waffe, was aber nach diesem einen Ereignis nie wieder vorkommt.

Natürlich muss man für Sailor Moon auch viel Sitzfleisch mitbringen. Selbst nur die erste Staffel gesehen bringt es auf ganze 46 Folgen (immerhin die höchste Anzahl der Serie), von denen ganz Magical Girl ein Großteil Monster des Tages Episoden nach immer gleichem Schema sind. Dark Kingdom findet ein Opfer, Usagi und Co. machen just genau dann Bekanntschaft mit jenem, Youma greift an, Verwandlung, Kampf, Tuxedo Masks Predigt, Gewonnen. Würde man die Serie auf die wirklich relevanten Folgen zusammenziehen, man hätte wohl eine Staffel von 13 Folgen übrig. Die Highlights der Serie sind dann auch diejenigen Storyfäden, die sich über mehrere Folgen ziehen. Wie beispielsweise die Beziehung zwischen Naru und Nefrite, die wesentlich ausgebauter ist, als ich dies in Erinnerung hatte, und der darauffolgenden, eigentlich wichtigeren Folge, in der Usagi zum ersten Mal einen kurzen Blick auf die Vergangenheit im Silbermillennium bekommt, schon die Show stiehlt. Und natürlich das Finale, quasi schon ein 3-Teiler, welches überraschend schonungslos mit den Figuren umgeht, aber natürlich dennoch hoffnungsvoll endet. Aber ja, es ist wohl das viele Füllmaterial, welches dazu geführt hat, dass ich als Erwachsener die Serie eben doch nicht mehr alle 1-2 Jahre sehen kann, sondern schon mal fast 10 verstreichen lassen habe. Jedoch, sie dann nach all der Zeit wieder einzulegen und erneut zu schauen – gerade nicht im Marathon, sondern wesentlich bedächtig-langsamer – macht doch echt gut Laune. Ich bin mir sicher da steckt selbstverständlich auch Nostalgie mit drin, aber nicht nur, ich kann dem Charme der Serie auch so noch einiges abgewinnen. Zumindest für 46 Folgen, wir werden sehen, ob sich das bis weit in den dreistelligen Bereich halten können wird.

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Bekanntlich gibt es die Serie ja nicht auf deutscher DVD, auch wenn sich nach langer Ungewissheit angeblich demnächst daran was ändern wird. Die Version, zu der ich gegriffen habe, ist diesmal nicht die deutsche gewesen, sondern ein englischer Fansub basierend auf den japanischen DVDs (etwas seltsam zunächst, so ungewohnte Stimmen zu den Charakteren zu hören – besonders einen männlichen Zoisite). Und ich weiß nicht, ob ich mir hiernach überhaupt noch eine deutsche Auswertung kaufen könnte. Die Sache ist die, wir sind die Generation Nostalgie und würden alle gerne all unsere Kindheitserinnerungs-Rückbringenden Lieblingsserien kaufen, gleichzeitig ist der Otto-Normal-Kunde hier aber auch nicht bereit, groß was für eine so alte Serie zu bezahlen. Bitte ganze Staffelboxen und bitte für maximal einen halben Hunni. Da stürzt sich natürlich kein Label in die Unkosten, die japanische Synchro oder überarbeiteten Masterbänder zu kaufen. Eine Schande, denn meine Fresse, was ist das Remaster-Bild der japanischen DVDs so klar und kräftig, so bin ich Sailor Moon gar nicht mehr gewohnt, wenn es überhaupt je so gut ausgesehen hatte. Witzigerweise sind die DVDs anscheinend für 3.800 Yen mit je 6 Folgen erschienen, was für japanische Verhältnisse geschenkt ist, da dort Anime-DVDs eigentlich das Doppelte kosten und nur ein Drittel an Inhalt bieten. Aber wir werden sehen, nachdem ewige Jahre niemand die Rechte erhielt, hat Kaze nun wohl die Lizenz, und wollen angeblich auch den O-Ton mit drauf tun.

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7 Kommentare

  1. Ein Sailor Moon-Komplettpack würde ich durchaus kaufen, schließlich verspüre ich auch Nostalgie beim Ansehen und mit dem Hintergrundwissen, das ich heute habe, verstehe ich wohl auch viel mehr Anspielungen. Nach Sailor Moon kamen aber auch ne Menge weiterer Magical Girl Anime wie Wedding Peach, Doremi und Jeanne, auch wenn (bis auf eventuell Letztgenannte) keine an Sailor Moon heranreichte.

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    • Die Magical Girls, die danach – zumindest im Fernsehen – liefen, fand ich auch nie so berauschend. Doremi war ganz niedlich für ne Weile, nehm ich mal an. Jeanne war ganz gut, aber als Kenner des Mangas war ich immer ziemlich von der zweiten Staffel enttäuscht.

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  2. Ich hab das damals auch in aller Herrgottsfrühe auf ZDF geguckt <3

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  3. Da merkt man eigentlich wann und wie man alt wird. Sailor Moon soll wirklich schon 20 Jahre alt sein?
    Das war glaube ich auch mein erstes Manga, das ich überhaupt gesehen habe.

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  4. Ich finde es ja witzig, wie du beim Thema Sailor Moon immer wieder auf die Personen hinweist, die die Kenntnis der Serie leugnen. In meinem Fall muss ich allerdings zugeben, diese Serie damals wirklich nicht geschaut zu haben, einfach weil mir nicht mehr als zwei Stunden Fernsehen pro Tag damals erlaubt wurde und diese bereits von den Disneyserien am Abend und Pokémon am Nachmittag gefüllt wurden. Auch später mit mehr Freiraum lag die Serie meist auf einem so ungünstigen Sendeplatz, dass ich sie mir nicht so wirklich anschauen konnte. Dafür habe ich mir aber immer gerne Doremi, Jeanne und sogar den überkitschigen Mist Wedding Peach angesehen und sogar gemocht.
    Diese Lücke wollte und konnte ich also erst schließen, als ich mich bereits im späten Teenageralter befand und trotz des Respekts für den „historischen“ Wert der Serie muss ich gestehen, diese eher als durchwachsen empfunden zu haben. Sicher, Charme hat diese Serie, aber ich fand Doremi und Jeanne mit ihren ganz eigenen Stärken doch irgendwie besser. Aber immerhin ist sie nicht ganz so schlecht, wie die andere große Serie Dragonball Z, die mich als Kind schon nicht begeistern konnte. (Den Vorgänger Dragonball kenne ich nur zu wenigen Teilen, weshalb ich sie mir noch irgendwann zu Gemüte führen werde.)

    Doch alles der Reihe nach und ich beschränke mich daher erst einmal nur auf die erste Staffel, die ich persönlich – zusammen mit der dritten – als Beste erachte. Das liegt zum einen an den Nebencharakteren, wie zum Beispiel Naru (hieß die so?), Merkurs Freund und dieser Brillentyp, die hier tatsächlich noch eine Rolle spielen dürfen, zum anderen an der Atmosphäre, die eine leichtherzige Balance zwischen Kitsch und Düsterkeit (sofern man das hier sagen kann) schaffen konnte. Den zweiten Punkt schaffte, wenn überhaupt, nur noch die dritte Staffel, was eigentlich ziemlich schade ist. Oh, und hier gehen mir auch noch nicht die Running Gags auf die Nerven, von denen insbesondere Jupiters Vergleiche von Männern mit ihrem Exfreund in den späteren Staffeln den letzten Nerv rauben. Aber vielleicht liegt es auch nur daran, mir diese Serie damals in einem Marathon angesehen zu haben und in einem solchen Fall kann es schnell enervierend werden.

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    • Da stehst du übrigens nicht alleine da. Man hört es häufiger von der „neueren Generation“, die vorher diverse andere Magical Girl Serien geschaut hat, dass ihnen Sailor Moon etwas zu Standard ist.

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