007 Sunday – Casino Royale ’67

ava-1335Das Jahr 1967 sah gleich zwei Bond-Filme auf der Leinwand, zum einen natürlich Eons üblicher Eintrag, aber auch den zweiten von nur drei Bonds, die nicht von jenen sind, erneut eine Version von Flemings erstem Buch, Casino Royale. Interessant hierbei ist, dass Eon zwar nicht die Rechte an dem Buch besaß, jener der sie hatte aber seinen Film erst für Eon machen wollte, da sie sich nicht einig wurden dann aber ein eigenes Produkt draus machte.

Und da man meinte, nicht mit Eons seriösen Standards mithalten zu könne, wurde aus Casino Royale eine Parodie, was zumindest frischen Wind in unsere Wochen bringt. Aber auch alten Wind, so sind nämlich viele Schauspieler auch im einen oder anderen Eon-Eintrag zu sehen.

Weltweit werden Geheimagenten der Reihe nach von SMERSH ausgeschaltet, was den britischen Geheimdienst dazu bringt, den in Rente gegangenen, ursprünglichen James Bond revitalisieren zu wollen. Der gealterte, stotternde, keusch lebende Lord ist allerdings nicht so begeistert, hat er dem Dienst nicht nur den Rücken gekehrt, sondern fand es auch gar nicht so gut, dass seine Codenummer plus Name an einen rumhurenden Schwerenöter abgegeben wurde. Da macht SMERSH den Fehler, den jede böse Organisation in Handlungen mit Protagonisten macht, die eigentlich gar nicht zurückkehren wollen, und machen das Ding zu was Persönlichem, in dem sie seiner Lordschafts Anwesen sprengen.

Bond ist also zurück, aber nicht allein. Denn nach einem Abstecher in Ms Anwesen, um dessen Witwe zu vertrösten, nur um von ihr und seinen elf Töchtern umgarnt zu werden, stellt er nämlich eine ganze Reihe von neuen Agenten auf, um die ausgedünnten Ränge aufzufüllen. Und um SMERSH zu verwirren bekommen sie alle den Titel James Bond 007. Eine davon ist seine Tochter mit Mata Hari, Mata Bond, die Deutschland infiltriert, während ein anderer Bond nur wegen seinen Baccara-Fähigkeiten ausgesucht wird, um mit einer dritten James Bond, Ursula Andress, den Schurken Orson Welles zu besiegen, auf das ihn SMERSH ob seiner Schulden ausradiert.

Die Handlung von Casino Royale ist erneut, so Schwarz auf Weiß aufs Papier gebracht, nicht allzu komplex, aber verdammich, was ist es manchmal im Film an sich so schwer zu folgen, warum die Charaktere nun tun, was sie tun, wo sie es tun, wie sie es tun, und was das mit jener überhaupt zu tun hat. Der Film ist ein Ensemble-Cast, und zwar in allen Belangen. Nicht nur haben wir hier bekannte Schauspieler wie David Niven, Orson Welles, Ursula Andress, Peter Sellers, oder Woody Allen, die versuchen sich zu übertrumpfen, sondern am Script doktorten mehrere Leute rum und gedreht wurde er in Segmenten mit nicht weniger als fünf verschiedenen Regisseuren. Kein Wunder, dass die Ereignisse so unzusammenhängend wirken. Irgendwo zwischen der Trompete blasenden Witwe von M mit ihren seltsamen schottischen Todesriten; einer Ursula Andress, die Fotos von Peter Sellers in Kostümen verschiedener Landesführer macht, weil es sie anturnt; und Mata Bond, die in einer expressionistischen s/w-Kulisse a la Caligari durch Deutschland stolpert; fährt das Hirn ob alldem, was es zu verarbeiten hat, einfach runter und man nimmt das ganze Geschehen nur noch oberflächlich mit leicht glasigen Augen auf – lange bevor das psychedelische Finale im SMERSH-Hauptquartier eintrudelt und die 2 Stunden des Filmes endlich zum Ende führt.

Der Film, wenn auch kompetent inszeniert, ist also strukturell ein Durcheinander bis hin zur Inkohärenz, doch ehrlich gesagt kann ich einem durchgedrehten Film aus dem Jahre 1967 dies durchaus verzeihen, wenn er sowieso nur Laune machen will. Ist ja nicht so, als ob er sich je wirklich ernst nehmen würde. Auch wenn er durchaus eine halbe Stunde kürzer hätte sein müssen, damit einen der Bilderrausch nicht ganz so überfordert. Denn launig fand ich den ganzen durchgedrehten 70er-Kitsch meist schon. Sicherlich sind einige Segmente interessanter, als andere, aber meist retten die trockenen Dialoge und die guten Schauspieler, die all den Irrsinn bierernst spielen, das Ding absolut. Und irgendwas von Interesse anzusehen gibt es zumindest immer.

Bond Girl: Der Film ist voller weiblicher Figuren, locker das dreifache an Männern, doch gibt es überhaupt ein Bond Girl hier? Höchstens Deborah Kerr als Ms falsche Witwe, locker die unterhaltsamste Person im Schottland-Segment.

Bond Bösewicht: Das wäre dann wohl Orson Welles als Le Chiffre, SMERSHs Kassenwart, der alles Geld der Geheimorganisation beim Baccara verspielt, während er den Tisch mit seinen aufgeplusterten Zaubertricks von seinen Schummelversuchen ablenkt. Der war ganz witzig, auch wenn man so spät im Film schon etwas abgeschaltet hat, und nicht mehr so genau drauf achtet. Ach ja, und natürlich SMERSHs Oberhaupt Dr. Noah, der mit seinen Plänen doch glatt aus einem Austin Powers sein könnte, macht er alles doch nur aus kleinwüchsigem Minderwertigkeitskomplex, um an Frauen zu kommen.

Bond Himself: Der Film mit einem halben Dutzend Bonds, darunter genauso viele Frauen, wie Männern. David Niven als Original und bewusster Gegenteil zu Eons Bond ist super launig, in seiner verschrobenen Art, bei der er doch irgendwie immer die Oberhand behält. Peter Sellers ist da wesentlich mehr random mit seinen spontanen Imitationen, während sich auch Ursula Andres als quirky Sexbombe gut schlägt.

Action: Ein Film, der so auf ADHS ist, wie Casino Royale das häufig zu sein scheint, das Publikum nicht durchatmen lässt, damit man nicht zu sehr übers Geschehen nachdenkt, hat natürlich Verfolgungsjagden, Schießereien und Explosionen am laufenden Bande.

bond1967a

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